Überzeugende IdeenRahmenbedingungen und Methodik fördern die Kreativität

Der zündende Gedanke, eine neue Idee - sie helfen Probleme lösen, bei denen man sonst nicht weiterkommt. Sie setzen aber ein gehöriges Maß an Kreativität voraus. Die richtigen Techniken und förderliche Rahmenbedingungen unterstützen kreative Prozesse. Worauf kommt es dabei an? Wie lassen sie sich am Arbeitsplatz richtig anwenden? Was sind wichtige Techniken?

Es ist eines dieser vielen, langweiligen, öden, nutzlosen Meetings. Man sitzt da, der Kollege müht sich mit einem Vortrag ab, der niemanden interessiert. Auf dem Schreibtisch stapelt sich die Arbeit. Man blickt aus dem Fenster und die Gedanken schweifen ab. Plötzlich ist der Einfall da - die zündende Idee für die Lösung, die man nächste Woche dem Chef präsentieren muss.

Wo Menschen kreativ sind

Menschen haben gerade in langweiligen Meetings kreative Ideen – sehr viel mehr als in spannenden. Besonders kreativ sind wir aber in der freien Natur, wenn wir Abstand zu unserem Alltag finden und wenn wir uns bewegen. Das entspannt den Körper und regt dazu an, Dinge anders zu sehen, neue Verbindungen zu erkennen oder herzustellen und Gewohntes zu vergessen.

Ursache dafür ist, dass unser Körper beim Laufen oder Rad fahren das Hormon ACTH produziert. „Dieses Hormon ist unverzichtbar für Kopfarbeiter und außerdem die einzige uns bekannte Substanz, die in der Lage ist, Fettablagerungen zwischen den Gehirnzellen wieder abzulösen. Dadurch verbessert und beschleunigt sich unser Gedankenstrom“, weiß der Sportmediziner Müller-Wohlfahrt. Schneller Gedankenstrom fördert die Kreativität.

Schon vor zehn Jahren wurden Manager befragt, wann sie am kreativsten wären. Zehn Prozent aller Befragten meinten, dass ihnen die besten Ideen bei langweiligen Meetings kommen. Interessante Meetings nutzten dagegen nur 6 Prozent als Ideenquelle. Noch kreativer machen andere Aktivitäten: 28 Prozent der Befragten nannten Wandern, Joggen und Rad fahren. Dahinter folgten Fernsehen, Reisen und der Weg ins Büro (14, 13 und 11 Prozent).

Kreativität am Arbeitsplatz: Vom Problem zur Lösung

Warum muss man überhaupt kreativ sein? Oft gelten solche Menschen als Chaoten oder Träumer. Wer „verrückte Ideen“ bei der Arbeit einbringt, wird kritisch beäugt. Gerade in schlechten Zeiten könnten diejenigen, die sich nicht anpassen und ihre Umwelt mit Neuem herausfordern, ins Visier der Einsparer geraten.

Natürlich ist das zu kurz gedacht, denn Kreativität ist kein Selbstzweck. Unternehmen haben konkrete Probleme und suchen nach passenden Lösungen, die zunächst unbekannt sind. Manchmal weiß man zwar, wo man hin möchte, kennt den Weg und die Methoden aber nicht. Beispiele sind:

  • Wie können wir Abläufe beschleunigen?
  • Was müssen wir tun, um die Herstellkosten für die Produktlinie um 30 Prozent zu reduzieren?
  • Wie sollte die Abstimmung mit den anderen Abteilungen erfolgen?
  • Mit welcher Lösung können wir unseren Kunden überzeugen?

Der erste Lösungsansatz: Man macht es so wie immer. Man wendet bekannte Methoden, Maßnahmen oder Lösungsstrategien an, um die Fragen zu beantworten. Aber oft kommt man so nicht weiter. Irgendwie ist allen klar, dass das Problem damit nicht gelöst wird. Es fehlt der „zündende Gedanke“.

Deshalb ist der erste Schritt: Lösen Sie sich vom Gewohnten!

Fast allen Kreativitätstechniken ist gemeinsam, dass das Problem im Team oder alleine gründlich durchdacht wird. Wichtig ist:

„Pausieren, Distanz schaffen, Einstellung zur Sache laufend verändern, gedanklich beweglich bleiben. Persönliche Erfahrung mitspielen lassen. Für neue Ideen offen sein, sie aber genau auf ihre Tauglichkeit prüfen“, meint Markus Knill von der Knill+Knill Kommunikationsberatung.

Wichtige Kreativitätstechniken

Wenn es mit neuen Ideen nicht so richtig klappen will, helfen Kreativitätstechniken. Sie wurden speziell dafür entwickelt, um neue Ideen zu finden und diese strukturiert zu dokumentieren. Einfache Methoden wie das Brainstorming haben eine weite Verbreitung gefunden. Trotzdem machen ihre Anwender immer wieder Fehler. Wichtig ist, dass man die Grundregeln der Methoden beachtet. Sonst entwickeln sie nicht die gewünschte Wirkung: neue, originelle und zielführende Ideen zu finden und zu dokumentieren.

Andere Methoden, wie beispielsweise die Synektik, sind kompliziert. Hier müssen die Anwender erst einmal die Methode erlernen und Erfahrungen sammeln. Das braucht Zeit, die sich im Alltag kaum jemand nimmt. Aus diesem Grunde werden diese Methoden eher selten angewendet.

Drei Beispiele für Kreativitätstechniken sind:

Brainstorming

Diese Methode ist der Klassiker unter den Kreativitätstechniken. Ihr zentraler Vorteil ist, dass sie sehr leicht anzuwenden ist. Etwa vier bis sieben Personen mit unterschiedlichem Wissen und Erfahrungen sammeln ihre Ideen, Gedanken und Assoziationen und schreiben diese auf. Wichtig ist:

  • das Team sollte interdisziplinär zusammengesetzt sein, also unterschiedliche „Wissensbestände“ und Blickrichtungen versammeln,
  • keine Kritik oder Bewertung in der Sammelphase (gerade das wird immer wieder falsch gemacht),
  • jeder sollte die Gedanken der anderen aufgreifen und weiter entwickeln,
  • möglichst viel Fantasie und auch weit hergeholte Vorschläge sind gewünscht (sie führen oft zu brauchbaren Ideen bei anderen Teammitgliedern),
  • es sollen möglichst viele Ideen in kurzer Zeit gesammelt werden,
  • nicht zu früh aufhören (nach einer ersten Phase scheinen die Ideen zu versiegen, dann kommt aber nach ein paar Minuten und weiteren Anreizen durch den Moderator ein neuer Schub).

Erst nach der Sammelphase beginnt die Bewertungsphase, in der die brauchbaren Ideen diskutiert, herausgefiltert oder bewertet werden.

Kopfstand- oder Umkehrtechnik

Diese Methode ist dem Brainstorming sehr ähnlich. Der entscheidende Kniff: Man dreht das Problem um. Wenn es um die Frage geht: „Wie können wir die Zusammenarbeit mit Abteilung XY verbessern?“ dreht man diese um: „Wodurch würde sich die Zusammenarbeit mit Abteilung XY verschlechtern?“ Das setzt meistens noch mehr kreative Energien frei und fördert das Ungewöhnliche zutage. Die Schritte sind:

  • Problem beschreiben
  • Umkehren der Problembeschreibung
  • Brainstorming durchführen
  • Umkehrung der Ideen, die im Brainstorming gefunden wurden
  • Lösungen bewerten und dokumentieren

Synektik

Die Synektik gilt als eine komplizierte Kreativitätstechnik. In der ursprünglichen Form ihres Erfinders W. J. J. Gordon läuft sie in zehn Schritten ab. Im Mittelpunkt stehen dabei die Schritte, in denen Analogien hergestellt werden, also Vergleiche und Übertragungen aus ganz anderen Bereichen. Oft wählt man dabei die Natur als Ideengeber.

Wenn es beispielsweise darum geht, eine schützende Hülle für ein Produkt zu entwickeln, kann man Vergleiche herstellen, wie sich Tiere oder Pflanzen schützen. Oder: Wenn die betrieblichen Abläufe beschleunigt werden sollen, lassen sich diese mit einem fließenden Bach vergleichen. Die Vergleiche werden verfremdet, symbolisiert aber auch auf das persönliche Empfinden übertragen. Am Ende werden die Ergebnisse auf das ursprüngliche Problem angewendet und weiter entwickelt.

Vor der Technik kommen die Rahmenbedingungen

Alle Kreativitätstechniken können das „Kreativ-Sein“ unterstützen, sie können es aber nicht ersetzen. Deshalb ist es wichtig, solche Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Kreativität des Einzelnen fördern. „Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass die kreative Lösungssuche nur zu einem Teil eine Frage von Kreativitätstechniken ist. Techniken sind Hilfs- aber keine Wundermittel. Ohne ein Wissen darüber, warum wir gewöhnlich eher unkreativ sind und welche günstigen Voraussetzungen wir beim einzelnen und bei den Rahmenbedingungen dafür schaffen können, helfen die Techniken allein nur wenig oder zufällig“, meint dazu der Kreativitätsberater Reinhard Sellnow.

Tipps für die Praxis:

  1. Verschaffen Sie sich einen Überblick über einige Kreativitätstechniken. Im Internet finden Sie dazu eine ganze Menge Hinweise. Mehr dazu finden Sie in unserer Lösungshilfe zu "Kreativitätstechniken".
  2. Sammeln Sie in Ihrem Arbeitsbereich oder Unternehmen „Problemfälle“, von denen Sie der Meinung sind, dass kreative Lösungen nötig sind. Vielleicht durchforsten Sie auch Ihren privaten Bereich.
  3. Wählen Sie einen Fall aus, der nicht zu problematisch ist, bei dem Sie genügend Mitstreiter finden und keine großen Hindernisse – auch nicht bei der späteren Umsetzung der Lösung – überwinden müssen.
  4. Prüfen Sie, ob es bereits Erfahrungen mit Kreativitätstechniken im Unternehmen gibt, auf die Sie zurückgreifen können.
  5. Beginnen Sie mit dem Brainstorming. Achten Sie darauf, dass Sie die Regeln konsequent einhalten. Es ist hilfreich, wenn Sie in Ihrem Team zu Beginn einen Schiedsrichter haben, der auf die Einhaltung der Regeln achtet. So gewinnen Sie Erfahrung im Umgang mit dieser Technik.
  6. Wenden Sie nach und nach andere Methoden an, um noch mehr aus sich und Ihrem Team herauszuholen. Experimentieren Sie mit diesen Methoden und prüfen Sie, was nützlich ist und was nicht.
  7. Achten Sie immer darauf, dass die Atmosphäre in Ihrem Team stimmt: Hierarchien sind beim Kreativ-Sein eher hinderlich, alle bringen sich aktiv in den Kreativitätsprozess ein, niemand hält Wissen zurück, schreiben Sie alle(!) Ideen auf, bewerten Sie nicht zu früh, schaffen Sie ein angenehmes Raumklima, alle fühlen sich wohl, lachen Sie, Bewegen Sie sich zwischendurch, tanken Sie frische Luft, machen Sie Pausen, seien Sie spontan, denken Sie das Undenkbare, ...

Links:

[jf; Bild: Fotolia.com]

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