UnternehmensführungFünf Grundsätze weisen den Weg zu exzellenter Führung

Viele Jahrzehnte reichte es aus als Unternehmen gut zu sein, gute Produkte herzustellen oder gute Dienstleistungen anzubieten. Heute ist das anders: "Gut" ist nicht mehr gut genug. Im globalen Wettbewerb kann nur bestehen, wer als Mensch und Unternehmen kontinuierlich an sich arbeitet, schnell neues Wissen aufnimmt und dieses auch umsetzt.

Wer den Wettbewerb im 21. Jahrhundert gewinnt, wird jetzt entschieden. Unternehmen haben heute ganz andere Herausforderungen zu bewältigen als noch vor 10 oder 15 Jahren: Unser Bewusstsein und unsere Kreativität, eine positive Einstellung und die Art unseres Denkens, das Engagement und die Konsequenz bei der Umsetzung sind schon heute die entscheidenden Erfolgsgrundlagen.

Dabei ist der Weg zur Spitze keine gerade Linie. Krisen, Stagnation und Misserfolge gehören zum erfolgreichen Wachsen dazu. Betrachtet man Bambusstäbe, wird dies auch in der Natur deutlich: Erst Verzögerungen im Wachstum und die Verdickungen in bestimmten Abständen (Wachstumsknoten) machen den Bambus so stabil. Leider vernachlässigen viele Unternehmen mit Blick auf den schnellen Umsatz diese Stabilisierungsphasen. Exzellenz im Unternehmen bedeutet,

  • sich mehr engagieren,
  • sich mehr kümmern,
  • mehr riskieren,
  • leidenschaftlicher und,
  • klüger entscheiden,
  • mehr erwarten,
  • mutiger sein,
  • mehr umsetzen,
  • schneller sein,

als alle anderen.

1. Exzellente Unternehmen haben begeisterte Kunden

Um im harten Wettbewerb erfolgreich sein zu können, muss sich das gesamte Unternehmen auf das wichtigste Ziel besinnen: Die nachhaltige Begeisterung der Kunden. Für zufriedene Unternehmen, die sich mit zufriedenen Kunden zufrieden geben, wird es mittelfristig gefährlich, weil der Wettbewerb dann in erster Linie über den Preis ausgetragen werden muss. Erst begeisterte Kunden sind bereit, mehr Geld für Produkte und Dienstleistungen auszugeben. Begeisterung ist unbezahlbar!

Die drei Ebenen der Kundenbegeisterung

Lassen Sie mich das Thema Kundenbegeisterung am Beispiel einer Torte erklären. Eine Torte besteht aus dem Tortenboden und den verschiedenen Schichten, der Sahnehaube und den Streuseln. Den Tortenboden mit den verschiedenen Schichten bildet die Basisleistung: Der Kunde erhält ein gutes Produkt und/oder eine ordentliche Dienstleistung auf der Basis eines guten Preis-/Leistungsverhältnisses. Kurz gesagt: er ist zufrieden. Schwieriger wird es schon bei der Sahnehaube: Hier gelingt es dem Unternehmen, sich zu differenzieren. Damit wird nicht nur ein höherer Preis akzeptiert, auch Design, Technik und Innovation bilden ein Plus für den Kunden. Die dritte Schicht bilden die Streusel, die einer Torte erst das außergewöhnliche Aussehen geben. Der Kunde fühlt sich dem Unternehmen emotional verbunden, er identifiziert sich mit dem Unternehmen in überdurchschnittlichem Maße und trägt seine Begeisterung weiter.

Von der Marke zur Wertegemeinschaft

Mittelständler müssen sich entscheiden zwischen „Billigmarke“ und „Luxusprodukt“, zwischen „toter Mitte“ und einer Unterscheidbarkeit durch Service, Emotionen, Herzlichkeit, Erlebnisse, Innovationen und individueller Ansprache. Allerdings stellt sich die Frage, wie der Kunde solche Leistungen wahrnimmt. Lassen Sie mich dies anhand eines Beispiels verdeutlichen. Ein Kilogramm Espresso-Kaffee kostet bei Aldi 7,99 Euro. Für die vergleichbare Menge Nespresso muss man über 50,- Euro auf den Tisch legen. Was passiert im Kopf des Kunden? Er vergleicht - bedingt durch die Werbung und dem Gefühl einem elitären Kreis anzugehören - den Preis einer Tasse Nespresso mit dem, was eine Tasse Espresso im Straßencafe kostet und freut sich, dass er für seine Tasse Nespresso einen Bruchteil davon bezahlt. Im 21. Jahrhundert kaufen Kunden nicht nur Marken, sondern sie treten einer Wertegemeinschaft bei. Wollen Mittelständler also ein profitables Preissystem gestalten, müssen sie überlegen, wie sie zur Marke werden, die zu einer Wertegemeinschaft für ihre Kunden wird. Auch wenn sich dies nach umfassenden Marketing-Strategien anhört, so ist doch ein Punkt der wichtigste: die Mitarbeiter! Diese erst machen ein Unternehmen zur Marke und bestimmen, wie das Unternehmen wahrgenommen wird.

2. Exzellente Unternehmen haben exzellente Mitarbeiter

„Klug investieren“ heißt heute, in Menschen zu investieren - in Mitarbeiter und in Kunden. Dabei geht es nicht nur um die Investition in Wissen und Kompetenz (wichtig), sondern auch in Bewusstsein und Emotionen (noch wichtiger). Exzellenz ohne Leidenschaft, ist wie ein Auto ohne Motor. Exzellente Unternehmen investieren überdurchschnittlich viel in die Gewinnung und Entwicklung von exzellenten Mitarbeitern. So wie Unternehmen früher Maschinen gepflegt haben, müssen sie im 21. Jahrhundert Menschen pflegen, um erfolgreich zu sein.

In Menschen investieren!

In der Bilanz werden Maschinen auf der Investitionsseite verbucht und die Mitarbeiter auf der Kostenseite. Das mag für Zeiten, in denen die größten Produktivitätsschübe noch aus Massenfertigung und Rationalisierung entstanden sind, zutreffend gewesen sein. Damals waren Maschinen tatsächlich eine gute Investition für ein Unternehmen. In der heutigen Zeit aber, in der Erfolg vor allem von den Menschen abhängt, gehören Maschinen auf die Kostenseite. Die Förderung von Menschen hingegen als wichtige Elemente im Organismus Unternehmen ist eine Investition in den Unternehmenserfolg der Zukunft. In diesem Zusammenhang ist dem Thema „Führen“ besondere Bedeutung beizumessen. Unternehmensziele sind nur zu erreichen, wenn ein entsprechender Führungsstil praktiziert wird. Der gute Unternehmer führt gewöhnliche Menschen zu einer außergewöhnlichen Leistung.

Die drei Stufen zur Mitarbeiter-Begeisterung

Ein Unternehmen ist erst dann ein Unternehmen, wenn dort Menschen handeln, also etwas unternehmen. Und es wird ein sehr erfolgreiches Unternehmen sein, wenn hochqualifizierte Menschen dort arbeiten. Mit Menschen umzugehen, sie optimal auszuwählen und einzusetzen, ist eine Kunst und erfordert einen echten Könner. Nur wer diese Kunst beherrscht, wird auf Dauer ein erfolgreicher Unternehmer sein können. Deshalb muss sich jeder Unternehmer mit Menschenführung auseinandersetzen und in dem Bewusstsein handeln, dass Menschen in einem Unternehmen eben doch das wertvollste „Gut“ sind. In drei Stufen ist eine Mitarbeiter-Begeisterung erlebbar:

1. Stufe: Das körperliche (materielle) Wohlbefinden.

Die Rahmenbedingungen im Unternehmen müssen stimmen, denn nur, wer sich körperlich wohlfühlt, kann auch eine gesunde Motivation entfalten und zufrieden mit seiner Arbeit sein. Kleine Unternehmen haben den Vorteil, individueller sein zu können, wogegen größere Unternehmen meist eine bessere Bezahlung anbieten können. All diese Faktoren haben eine kritische Größe, die nicht unterschritten werden darf.

2. Stufe: Das geistige (emotionale) Wohlbefinden.

Zur Motivation kommt es, wenn auch das geistige und emotionale Umfeld stimmt und die Mitarbeiter das Gefühl haben, ihre eigene Arbeit mitgestalten zu können.

3. Stufe: Das seelische Wohlbefinden.

Auf dieser dritten Stufe entsteht das seelische Wohlbefinden, die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Dies führt zur Begeisterung und zu dem oft geforderten Zustand, dass sich Mitarbeiter als Mitunternehmer verstehen. Es wird deutlich, dass dieser Zustand nicht eingefordert, sondern lediglich entwickelt werden kann.

3. Exzellente Unternehmen stellen sich dem Wandel

Wir leben in einer spannenden wie herausfordernden Zeit. Spannend deshalb, weil täglich Neues geschieht und Entwicklungen immer schneller voranschreiten. Nichts ist heute mehr so, wie es gestern war und schon morgen können für Unternehmer schon wieder ganz andere Spielregeln gelten. Herausfordernd deshalb, weil Unternehmer schneller denn je auf diese neuen Bedingungen reagieren und diese voraussehen müssen. Es ist schwer, ein exzellentes Unternehmen zu werden, aber noch schwerer ist es, eines zu bleiben. Daher muss gerade die Fähigkeit zum Wandel ein fester Bestandteil jeder Unternehmenskultur sein.

Es ist heute kein großes Problem mehr, neue Dinge in unsere Köpfe zu bekommen. Das viel größere Problem ist, die alten Dinge aus unseren Köpfen herauszubringen.

4.   Exzellente Unternehmen haben fachliche, kreative und soziale Kompetenz

Exzellenz ohne Kompetenz ist nicht möglich. Daher müssen Unternehmer in die eigene Kompetenz und die ihrer Mitarbeiter investieren. Es geht aber nicht nur um die fachliche Kompetenz. Kreative und soziale Kompetenz sind heute ebenso unabdingbare Voraussetzungen für langfristigen Erfolg.

Viele Unternehmen sind sich ihrer Fähigkeiten bewusst. Untersu­chungen bele­gen, dass weniger als 30 Prozent der mittelständischen Unternehmen ihre Kern­kompetenzen und Technologien spon­tan benennen können. Über schriftlich formulierte strategische Vorstellungen verfügen die wenigsten Unternehmen. Die Ent­scheidungen über den Einstieg in Produkte, Dienstleistungen oder Technologien werden daher oft intuitiv gefällt, ohne eine systematische Ana­lyse aller verfügbaren Informationen. Damit wächst die Gefahr, die Übersicht zu verlieren.

5.   Exzellente Unternehmen führen konsequent und setzen ihre Strategie schneller um als andere

Alles Wissen und alle Ideen nützen wenig, wenn sie nicht umgesetzt werden. Exzellente Unternehmen sind daher vor allem auch umsetzungs­starke Unternehmen. Sie eignen sich Führungswerkzeuge an, nützen sie und gehen konsequent ihren Weg damit. Wenn Strategien nur in Theorien und Marketing nur in Ideen enden, sind es nichts mehr als gute Absichten und bleiben wirkungslos.

Es genügt nicht zu wollen, man muss es auch tun, konstatierte schon Goethe. Ob ein Unternehmen erfolgreich oder weniger erfolgreich agiert, ist immer auch eine Frage der Konsequenz. Sich Ziele zu setzen, kreativ zu sein, Nutzen zu bieten und zu investieren allein genügt nicht. Erst das konsequente Handeln im Alltag verleiht Glaubwürdigkeit und zeigt Wirkung in einer positiven Entwicklung.

Konsequenz leitet sich vom lateinischen Wort „consequentia“ ab und bedeutet „folgen“ oder auch „mit Folge“ (cum sequentia). Im übertragenen Sinne bedeutet es die Folgerichtigkeit des Denkens und Handelns. Impliziert ist die Forderung, unser Handeln an den von uns aufgestellten Regeln und Aussagen auszurichten. Immer dann, wenn wir ein Ziel konkret formuliert haben, muss auch konsequent gehandelt werden. Wenn dies nicht geschieht, verlieren wir an Glaubwürdigkeit. Oft wird in Unternehmen fehlendes Vertrauen bemängelt. Aber Vertrauen entsteht nur durch eine kontinuierlich unter Beweis gestellte Glaubwürdigkeit. Erst wenn wir auch meinen, was wir sagen, und tun, was wir meinen, schaffen wir Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

[Bild: Fotolia.com]

Dazu im Management-Handbuch

Ähnliche Artikel

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
OK