UnternehmensführungOptionen für die Krisenbewältigung

Drastische Veränderungen und schwere Krisen schränken die Möglichkeiten für unternehmerisches Handeln stark ein. Gerade mittelständische Unternehmen können dann nicht mehr auf ihre bewährte Strategie zurückgreifen. Welche Optionen haben sie, um Krisen zu bewältigen?
Von Burkhard Jung

Unternehmen in tief greifenden Veränderungsprozessen tendieren zu planlosem Handeln. Sie befinden sich in einer Sackgasse – und das ist nahezu wortwörtlich zu verstehen: Es geht nicht mehr weiter. Weder nach links, weder nach rechts, noch geradeaus. Anders gesagt: Eines der wesentlichen Symptome der unternehmerischen Krise ist das gefühlte Fehlen jeglicher Handlungsoptionen. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten, die Unternehmen dann prüfen und nutzen können.

Liquidität prüfen und sicherstellen

Vor allem zu Beginn einer wirtschaftlichen Krise ist es wichtig, nichts zu überstürzen. Ehe Maßnahmen mit längerfristiger Wirkung ergriffen werden, sollten Unternehmen genau wissen, wie lange der Zustand noch anhält und welche Folgen die Krise auf das eigene Geschäft hat.

Betroffene Unternehmen müssen also zunächst versuchen, Zeit zu gewinnen. Das heißt: Liquiditätslücken schließen. Darlehen sind häufig ein verlockendes Angebot. Allerdings muss ein Unternehmen in der Lage sein, dieses innerhalb von fünf bis zehn Jahren zurückzuzahlen. Ob das gelingt, ist in einem drastischen Veränderungsprozess kaum vorherzusagen. In einschneidenden Krisen wie der Corona-Pandemie oder der Finanzkrise 2008/2009 sind die Verluste der Unternehmen meist derart hoch, dass sie sich nicht sinnvoll mit Fremdkapital ausgleichen lassen. Die Bilanz würde völlig aus den Fugen geraten.

Umsichtige Maßnahmen für die Liquiditätssicherung

Um die Liquidität sicherzustellen, gibt es auch andere Wege: Mit kleineren, bedachten Schritten können mittelständische Unternehmen schon viel erreichen. Schritte, die weit über die Nutzung von Kurzarbeit hinausgehen: Die Unternehmen müssen ihr Geld zusammenhalten, ein aktives Kunden- und Lieferantenmanagement betreiben, alternative Lieferketten aufbauen, Kapazitäten herunterfahren und ein vorausschauendes Mitarbeitermanagement installieren.

Nachdem der Bestand des Betriebs kurzfristig gesichert ist, beginnt die mittel- bis langfristige Planung. Dabei handelt es sich jedoch überwiegend um Maßnahmen, deren Definition, Planung und Umsetzung nicht zum gängigen „Handwerkszeug“ des Unternehmers gehören. Das liegt unter anderem daran, dass Sanierungsmaßnahmen oft Umwege gehen müssen; dass sie zumindest zwischenzeitlich destruktiv in den Betrieb einschneiden oder Schrumpfungsprozesse einleiten.

Maßnahmen zur Unternehmenssanierung prüfen und beurteilen

Eine unternehmerische Krise muss nicht gleich in der Insolvenz enden: Bevor ein Insolvenzantrag nötig wird, gibt es eine ganze Reihe bewährter Sanierungsinstrumente, die Mittelständler prüfen sollten. Zum Beispiel ist es außerhalb eines Insolvenzverfahrens möglich, mit Gläubigern zu verhandeln und einen Schuldenschnitt zu erreichen. Schließlich ist den meisten Gläubigern daran gelegen, den Betrieb auch nach einer Krise als Partner zu behalten. Weitere Optionen sind typischerweise der Abbau von Kapazitäten, der Verkauf von Vermögenswerten oder von Unternehmensteilen. Sogar der Verkauf des gesamten Betriebes oder der Einstieg eines Partners kann eine Option sein.

Auch wenn dieser letzte Schritt ein drastisches Szenario ist, an das Unternehmen meist nicht denken möchten, muss er Teil einer ehrlichen Analyse der Handlungsoptionen sein. Nämlich dann, wenn davon auszugehen ist, dass das Geschäftsmodell nur noch mit einem Investor langfristig tragfähig ist. Sogar die Liquidation eines Unternehmens sollte als Option geprüft werden – auch wenn die Beendigung der unternehmerischen Tätigkeit nur im seltensten Fall das Mittel der Wahl ist. Erst wenn sämtliche Optionen auf dem Tisch des Hauses liegen, kann das Unternehmen eine Entscheidung treffen, die alle Fakten berücksichtigt hat.

Insolvenz mit dem Schutzschirmverfahren bewältigen

Aber zurück zum Thema Insolvenz: Das böse „I-Wort“ lässt den meisten Unternehmen einen Schauer über den Rücken laufen. Dabei bietet der Werkzeugkasten des Insolvenzrechts zahlreiche bewährte und wirksame Instrumente. Maßnahmen, die (drohend) zahlungsunfähigen oder überschuldeten Unternehmen eine echte Chance auf eine Befreiung von drückenden Altlasten bieten. Vom Schutzschirmverfahren über das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bis hin zum Regelinsolvenzverfahren – jede Verfahrensart kann im Rahmen einer Optionenanalyse auf ihre Eignung geprüft werden – aber natürlich nur dann, wenn vorinsolvenzliche Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg versprechen.

Für viele Unternehmen ist das Schutzschirmverfahren die erste Wahl. Hier behält die Geschäftsführung einen Großteil der Entscheidungsgewalt und das Verfahren ist im besten Fall innerhalb von fünf Monaten beendet. Zugleich bietet das Schutzschirmverfahren ein breites Spektrum äußerst wirksamer Maßnahmen: Beispielsweise können unvorteilhafte Miet- und Leasingverträge kurzfristig gekündigt oder in ihrer Höhe und Laufzeit neu verhandelt werden. Zudem kann das Unternehmen das Personal anpassen, um mit einem Kernteam und einem modifizierten Geschäftsmodell neu durchzustarten. Um ein Schutzschirmverfahren nutzen zu dürfen, muss das Unternehmen allerdings frühzeitig die Initiative ergreifen, noch bevor die Kassen leer sind und keine Aussicht auf Sanierung mehr besteht. Neben dem Schutzschirmverfahren gibt es das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Dieses bietet im Grunde dieselben Vorteile wie ein Schutzschirmverfahren. Allerdings klingt es nicht so schön.

Kommt es hingegen zu einem ganz normalen Insolvenzverfahren, muss auch das nicht das Ende des Betriebs bedeuten. Die Insolvenz ist zwar ein harter Schritt, aber auch ein verantwortungsbewusster: Es geht darum, die Rechte langjähriger Geschäftspartner zu wahren sowie die überlebensfähigen Teile des Unternehmens und möglichst viele Arbeitsplätze zu retten.

Fazit: In der Krise erst denken, dann handeln

Auch wenn es aus verständlichen Gründen schwerfällt: In Krisenzeiten sollten Unternehmen vor allem Ruhe bewahren. Es ist wichtig, besonnen zu reagieren und nicht vorschnell die Finger in den Honigtopf der Bundesregierung zu stecken. Was süß klingt, kann am Ende bitter schmecken: Durch solche Darlehen wächst der Schuldenberg der Betriebe weiter – für viele Unternehmen eine kaum zu tragende Last. Deshalb sind zunächst kurzfristig wirksame Schritte das beste Mittel der Wahl. Wer es schafft, noch ein paar Wochen flexibel zu bleiben, gewinnt eine echte Perspektive – und kann in Ruhe entscheiden, welche der zur Verfügung stehenden Handlungsoptionen die beste ist.

Zurück zum Artikel