UnzufriedenheitMotivation und Engagement am Arbeitsplatz sinken

Nur noch 12 Prozent der Beschäftigten fühlen sich ihrem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet und sind mit Motivation und Engagement bei der Arbeit. Die Mehrheit der Beschäftigten spult am Arbeitsplatz das Pflichtprogramm ab. Der Anteil derer, die ihren Arbeitsvertrag innerlich schon gekündigt haben, liegt aktuell bei 24 Prozent - zwei Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Jeder siebte Beschäftigte würde seinem Vorgesetzten kündigen.

Dies sind erste Ergebnisse aus dem Arbeitsklima-Barometer 2008 des IFAK Instituts, Taunusstein, die heute in Wiesbaden vorgestellt wurden. Für die Studie wurden 2.000 repräsentativ ausgewählte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im März/April 2008 in Deutschland telefonisch befragt. Werden die Ergebnisse hochgerechnet, ergibt sich folgendes Bild: nur 3,8 Millionen Erwerbstätige in Deutschland sind "ihrem" Unternehmen stark verbunden; 7,6 Millionen sind ohne Bindung und 20,3 Millionen haben eine mäßige Bindung an ihren Arbeitgeber.

Geringe Verbundenheit führt zu geringer Produktivität

Der Grad der Verbundenheit von Beschäftigten mit ihrem Arbeitgeber hat Einfluss auf die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens. Geringe Mitarbeiterbindung hat hohe Fehltage zur Folge und damit Einfluss auf die Produktivität des Unternehmens. Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit hoher Bindung an ihr Unternehmen weisen im Durchschnitt 4,3 Fehltage auf, diejenigen mit geringer Bindung hingegen 10,0 Fehltage. Der deutschen Wirtschaft entstehen durch fehlende oder nur mäßig ausgeprägte Verbundenheit der Beschäftigten zu ihrem Unternehmen Kosten in Höhe von 22,4 Milliarden Euro im Jahr - nur aufgrund von Fehlzeiten. Auch sind die ihrem Arbeitgeber sehr verbundenen Beschäftigten deutlich engagierter, wenn es um Verbesserungen und Innovationen am Arbeitsplatz geht: sie haben im Schnitt in den letzten 12 Monaten 17,5 Ideen und Vorschläge eingebracht, ohne Bindung waren es nur 8,4.

Jobwechsel

Je geringer die Bindung an den Arbeitgeber ist, um so eher denkt man über einen Arbeitsplatzwechsel nach: Der Aussage "Ich habe die Absicht, auch in einem Jahr noch für mein derzeitiges Unternehmen zu arbeiten." stimmt ein Drittel der ungebundenen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen uneingeschränkt zu (31 Prozent); bei denen mit hoher Bindung an ihren Arbeitgeber sind es fast alle (98 Prozent). Ähnlich sieht es aus, wenn diese Aussage auf einen Zeithorizont von fünf Jahren bezogen wird: nur zwei von zehn Ungebundenen wollen auch in fünf Jahren noch bei ihrem derzeitigen Unternehmen sein (18 Prozent), neun von zehn (87 Prozent) sind es bei denen mit hoher Bindung.

Verbundenheit erhöht Attraktivität als Arbeitgeber

Mit der steigenden Verbundenheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit ihrem Unternehmen nimmt auch die Bereitschaft zu positiver Mund-zu-Mund-Propaganda zugunsten des "eigenen" Unternehmens als Arbeitgeber zu. So stimmen 68 Prozent der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit hoher Bindung der Aussage "Wenn ein Freund, eine Freundin oder ein Verwandter, eine Verwandte eine Arbeitsstelle suchen würde, würde ich ihm oder ihr empfehlen, sich bei meinem derzeitigen Unternehmen zu bewerben." Uneingeschränkt zu, während nur fünf Prozent der Beschäftigten ohne Bindung dies tun würden. Gebundene Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind somit wichtige Botschafter und ein Hebel, um die Attraktivität eines Unternehmens als Arbeitgeber zu erhöhen. Ähnlich verhält es sich im Bezug auf die Weiterempfehlungsbereitschaft für das Angebot des Arbeitgebers. Der Aussage "Ich würde die Produkte und Dienstleistungen meines derzeitiges Unternehmens meinen Verwandten und Freunden empfehlen." stimmen 82 Prozent der Beschäftigten mit hoher Bindung an ihren Arbeitgeber uneingeschränkt zu, bei jenen ohne Bindung an ihr Unternehmen sind es nur 16 Prozent.

Gründe für die geringe Verbundenheit

Schuld an der geringen Verbundenheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit ihrem Arbeitgeber ist ein Arbeitsumfeld, das den Bedürfnissen und Erwartungen der Beschäftigten nicht gerecht wird und auf Defizite in der Personalführung zurückzuführen ist. Um diesem entgegenzuwirken, sollten Unternehmen ihren Führungskräften und deren Führungsverhalten größere Bedeutung beimessen. Führungskräfte, die die grundlegenden Bedürfnisse und Erwartungen der Beschäftigten am Arbeitsplatz berücksichtigen, gelingt es besser, ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an das Unternehmen zu binden. Wie groß der Einfluss der Führungskräfte auf die Verbundenheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist, zeigt sich daran, dass Vorgesetzte bei Beschäftigten mit hoher Bindung besser wegkommen als Vorgesetzte von Beschäftigten ohne Bindung. Gebundene sind mit ihrer Führungskraft einerseits im Allgemeinen zufriedener als Ungebundene (79 zu 6 Prozent; Top-Box auf einer 5-Punkte-Skala), aber auch mit dem Führungsstil/Führungsverhalten im Speziellen (57 zu 2 Prozent Top-Box auf einer 5-Punkte-Skala). Wenn sie könnten, würden 35 Prozent der Ungebundenen ihren Vorgesetzten sofort entlassen, von den Gebundenen würden dies nur drei Prozent tun.

Quelle: IFAK

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