Veränderungsprozesse und Stimmungen

Allein der Wille zur Veränderung führt nicht zum Erfolg. Auch Stimmungen und emotionale Befindlichkeiten beeinflussen das Herangehen an Veränderungen.

Neben dem Charakter und der individuellen Persönlichkeit gibt es natürlich noch weitere Faktoren in unserer Psyche, die uns manchmal hindern, das zu tun, was wir möchten oder was richtig wäre. So banal es klingt: Unsere Stimmung ist ein ganz wichtiger Faktor. Ob wir gut oder schlecht „drauf“ sind, hat einen starken Einfluss auf unsere Entscheidungen. Man könnte auch sagen: Wer nicht gut drauf ist, kann auch nicht gut denken. In der Forschung und zunehmend auch in der Praxis wird daher nicht ohne Grund vom Stimmungsmanagement in Veränderungsprozessen gesprochen. 

Darüber hinaus spielt die Art und Weise, wie wir den Prozess der Veränderung angehen, eine große Rolle hinsichtlich des Erfolgs oder Misserfolgs in Veränderungsprozessen. Die nachfolgenden Ausführungen basieren auf Forschungsergebnissen der Universität Osnabrück am Lehrstuhl Psychologie im Bereich der Persönlichkeitspsychologie.

Stimmungen können aktiv beeinflusst werden

Prof. Dr. Julius Kuhl von der Universität Osnabrück erklärt den Begriff des Stimmungsmanagement so:

„Begabung kann nicht ausgeschöpft werden ohne die notwendige Motivation, ohne Selbststeuerung und ohne das richtige Gleichgewicht aller psychischen Kräfte.“

Die Nutzung der eigenen Fähigkeiten zur Gestaltung von Veränderungen basiert insbesondere auf dem Gelingen, die  psychischen Kräfte in ein Gleichgewicht zu bringen. Aktives Stimmungsmanagement ist dabei das oberste Gebot, denn Stimmungsmanagement ist das bewusste, methodisch gestützte und konsequente Erkennen von Stimmungslagen bei sich und anderen, sowie deren Beeinflussung durch systematische Intervention und Emotionssteuerung. Die Beeinflussung der eigenen Stimmungslage durch Selbstmotivation oder Selbstberuhigung schafft dabei die zentrale Voraussetzung, um alle vorhandenen Begabungen optimal auszuschöpfen und die anstehenden Veränderungsprozesse auch optimal zu realisieren.

Hierbei spielen Ziele eine zentrale Rolle für unser Handeln. Um dies jedoch praktisch aufzuzeigen, ist vorab eine Abgrenzung der Begriffe Ziele, Absichten und Motive unerlässlich. Alle drei Begriffe werden dort angewendet, wo wir vor einer Schwierigkeit oder einer Problemlösung stehen. Wir setzen uns also immer nur dann bewusste Ziele oder definierte Vorsätze, wenn wir eine Handlung oder Veränderung realisieren sollen, deren Umsetzung, das heißt die gewollte Handlung, nur sehr schwer realisierbar ist. Schwierigkeiten führen daher im ersten Schritt zu einer bewussten Auseinandersetzung mit der Situation und damit zur Gestaltung einer gewollten Handlung. Hierbei haben die drei Begriffe Ziele, Absichten und Motive eine unterschiedliche Funktion. Die Motive steuern unsere Wahrnehmung so, dass wir gezielt die Dinge wahrnehmen, die für die Bedürfnisbefriedigung relevant sind.

Beispiel: Überforderter Mitarbeiter

Ein Mitarbeiter fühlt sich an seinem Arbeitsplatz nicht wohl und überfordert. Ein Zustand, der ihm mehr und mehr zu schaffen macht und seine Ursache darin hat, dass die aktuellen Tätigkeiten seinen persönlichen Neigungen immer weniger entsprechen. Folgerichtig wird dieser Mitarbeiter immer unzufriedener werden bis zu dem Zeitpunkt, an dem er seine aktuelle Situation bedürfnisorientiert analysiert und feststellt, dass er eine kreativer ausgerichtete Tätigkeit bevorzugen würde.

Diese bewusste Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation basiert auf einem oft unbewusstem Motiv. Dieses steuert die Wahrnehmung des Mitarbeiters so, dass er immer öfter die negativen Seiten seiner Tätigkeit wahrnimmt anstatt die positiven. Motive sind wie Duftspuren, die uns teilweise unbewusst auf Situationen aufmerksam machen, die mit unseren Bedürfnissen nicht mehr in Einklang stehen. Positiv gesehen hilft uns diese Fähigkeit bei der Suche nach Handlungsalternativen in schwierigen Situationen und sorgt dafür, dass wir die eigenen Bedürfnisse nicht hintergehen. 

Eine andere Funktion haben hingegen die Absichten. Sie sind Vertreter von schwierigen Handlungen, die wir nicht so gern angehen wollen. Sie ersetzen in einem gewissen Maße unsere Handlung, die wir ja in Wirklichkeit gar nicht umsetzen wollen. Absichtserklärungen sind eine Art Droge für unser Gewissen. Sie beruhigen uns und ermöglichen ein konfliktfreies Handeln auf anderen Feldern.

Beispiel: Gute Vorsätze

Jeder kennt die vielen Absichtserklärungen am Jahresende oder zu Neujahr. Absichten, die wir eigentlich umsetzen sollten, wobei die Betonung auf „eigentlich“ liegt. Wir spielen uns selbst etwas vor und ersetzen das Tun durch das Wollen. Das Ziel, nicht mehr zu rauchen, wird zu einer Absicht umfunktioniert. Damit beruhigen wir unser Gewissen, das auf ein gesünderes Leben pocht, ohne den Vorsatz umzusetzen.

Trotz dieser betrügerischen Funktion von Absichten sind diese für unser Handeln auch sehr wichtig. Denn vor jeder Handlung steht eine Absicht. Die Absicht ist der Vorbote der Handlung und entsteht durch einen sehr vielschichtigen Denkprozess. Um aus der Absicht dann eine Handlung abzuleiten, bedarf es klarer und eindeutiger Ziele. 

Damit wären wir bei unserem letzen Begriff und dessen psychologischer Bedeutung: Ziele – die Vertreter für ein konkretes zu erreichendes Ergebnis. Ziele helfen, die geistige Leistungskraft auf die Zielerreichung zu konzentrieren und unterstützen aktiv die Suche nach dem Weg, der von der Absicht zum Ergebnis führt. Ziele sind also sehr hilfreich, wenn es darum geht, den richtigen Weg zur Realisierung einer Veränderung zu finden. Umso konkreter und spezifischer diese Ziele sind, desto besser und schneller finden wir den Weg dorthin. So wird aus einer Absicht eine Handlung.

Beispiel: Aus Absichten werden echte Ziele

Viele Ratgeber wollen Wege zur Gewichtsreduktion aufzeigen. Diese Ratschläge sind zumindest meistens von hohem Nutzen, setzen jedoch voraus, dass aus der Absicht abzunehmen ein Ziel geworden ist.

Diesen Prozess kann kein Ratgeber der Welt unterstützen, weil dies ein sehr persönlicher Prozess ist. Die Überwindung des schwierigen Prozesses, auf Süßigkeiten oder fettes Essen zu verzichten, kann nur von jedem Einzelnen realisiert werden. Dabei ist es ausschlaggebend, wie gut der jeweilige Mensch sich selbst regulieren und seine Stimmungen steuern kann. Die Wissenschaft hat gezeigt, dass das Finden des richtigen Weges zur Realisierung eines Zieles, in diesem Beispiel die Gewichtreduktion, durch externe Affekte, also Emotionen, Gefühle und Stimmungslagen, intensiv beeinflusst wird.

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