VorsichtVon Küsschen und anderen Fettnäpfchen im Ausland

Für deutsche Geschäftsreisende lauern zahlreiche Fettnäpfchen im Ausland. Mit der falschen Begrüßung oder einem zu lockeren Meetingverhalten kann man sich schnell den ausländischen Kunden vergraulen und trotz bester Kompetenz kein Geschäft machen. Doch gegen peinliche Auftritte im Ausland kann man sich wappnen.

Begrüßung und Handschlag

In Deutschland ist es üblich, sich bei geschäftlichen Begegnungen die Hand zu geben. Wir tun dies auch, wenn wir unseren Gesprächspartner bereits kennen.

In England gibt man sich außer bei der ersten Vorstellung selten die Hand. Engländer werden ungern berührt. Dies spiegelt sich darin wider, dass man sich unter Kollegen nicht täglich die Hände gibt. Neben der Berührung der Hände gilt auch der Leitspruch: „don’t touch personal things“. Auch in den USA wahrt man größere körperliche Distanz als in Deutschland. Eine Begrüßung mit Handschlag ist dort eher unüblich.

In den baltischen Ländern ist im geschäftlichen Umfeld ein Handschlag zur Begrüßung üblich. Weitere Berührungen darüber hinaus werden als Eindringen in die persönliche Distanzzone empfunden. Üben Sie Zurückhaltung im gesamten Auftreten, man gibt sich eher skandinavisch kühl.

In Russland geben sich zwar die Männer, aber nicht Männer den Frauen die Hand, auch nicht privat. Kennt man sich besser, wird sich privat umarmt, mit Küsschen. Man sollte sich also nicht wundern, wenn einem der Geschäftspartner stürmisch die Hand schüttelt und die Geschäftspartnerin dezent im Hintergrund nickt. Das ist keine Schüchternheit sondern üblich.

Visitenkarten

In Japan wird eine Visitenkarte etwas anders übergeben als in Deutschland oder westlichen Ländern. Hier wird die Karte mit beiden Händen überreicht und dabei eine leichte Verbeugung gemacht. Sie müssen auf jeden Fall die empfangene Karte lesen und erst dann darf sie weggesteckt werden. Dies sollten Sie allerdings auch hier tun, denn Sie wissen nie, welche Überraschung sich beispielsweise in Form eines Doktortitels darauf verbirgt.

Sollten Sie in China geschäftlich oder privat unterwegs sein, werden Sie feststellen, dass Visitenkarten weitaus öfter ausgetauscht werden als bei uns. Visitenkarten auch in Englisch zu drucken, ist gerade in China durchaus von Vorteil.

Anreden und Titel

Wie oft gehört und selbst erlebt, wird in Österreich hoher Wert auf die korrekte Anrede gelegt. Hierbei werden Personen zum Beispiel mit Herr Oberstudienrat oder Frau Magistra angesprochen. Ein einfache Frau Schmidt würde hier nicht ausreichen.

Aber: Der Frau den Titel des Mannes zu geben, ist in Österreich nicht mehr üblich. Frauen werden heute mit ihrem eigenen Titel angesprochen.

Ein herrliches Beispiel für den Einsatz der Titel ist uns vom österreichische Kommentator Edi Finger zur Fußball-Weltmeisterschaft zum Sieg der Österreicher über Deutschland 1978 in Erinnerung:

„I wear narrisch. Krankl schießt ein 3:2 für Österreich! Meine Damen und Herren, wir fallen uns um den Hals, wir liegen uns in den Armen, der Kollege Riepl, der Diplomingenieur Posch, wir busslen uns ab...“.

In den skandinavischen Ländern wird sehr viel Wert auf den hierarchischen Status in Unternehmen gelegt. Sie sollten Ihren Geschäftspartner deshalb unbedingt mit seinem hierarchischen Titel (zum Beispiel Herr Direktor) ansprechen.

„No ranks, no titles!“ wird zwar in vielen US Unternehmen gepredigt und die Umgangsformen scheinen eher locker zu sein, aber dennoch herrscht in den USA ein starkes Hierarchiedenken, was Sie nicht unterschätzen sollten.

Pünktlichkeit

Wenn ein Zuspätkommen zu einem Meeting unausweichlich ist, informieren Sie bitte die Beteiligten, bevor Sie zu spät sind. Am besten informieren Sie einen Kollegen, der sich schon am Meetingort befindet. So springt Ihre Nervosität und Hektik nicht auf das Meeting über. Sind Sie alleine unterwegs, informieren Sie die Assistentin oder Ihren Geschäftspartner direkt über Ihr Zeitproblem. Jetzt kann dieser die Zeit noch sinnvoll nutzen.

Auch im Ausland, wo die Regeln der Pünktlichkeit anders interpretiert werden, wird gerade von Deutschen erwartet, dass Sie auf jeden Fall pünktlich sind. Wären Sie unpünktlich, wären Ihre ausländischen Geschäftspartner maßlos von der Genauigkeit und Korrektheit der Deutschen enttäuscht.

Auf Pünktlichkeit wird vor allem im Norden Europas großer Wert gelegt. Das Wochenende ist für das Geschäftliche absolut tabu und Termine nach 16:00 sind nicht gern gesehen. Die Dänen werden auch ungern in der Mittagspause 11:30 – 14:30 sowie in den Monaten Juli und August mit Geschäftlichem gestört. Sie werden sich wahrscheinlich auch schwer tun, überhaupt einen Skandinavier in der Sommerzeit anzutreffen. Die meisten Firmen schließen 6 bis 8 Wochen im Sommer, um die im Norden doch so seltene Sonne zu genießen.

Das spanische Geschäftsleben beginnt meist erst um 9:30 und eine Siesta von 13:30 – 15:30 ist durchaus üblich. Auch wenn Sie wissen, dass unter spanischer Pünktlichkeit fast eine halbe Stunde später bedeutet, seien Sie dennoch zu Terminen pünktlich.

In Japan und China ist pünktliches Erscheinen zu Terminen ein Muss. Höflichkeit, Pünktlichkeit und Geduld sind Hauptbestandteile der geschäftlichen und privaten Umgangsformen in Asien. Die wichtigste Regel lautet aber „sein Gesicht nicht zu verlieren“, achten Sie deshalb genau auf Hierarchien.

Small Talk im Ausland

Sind Sie in Norwegen oder Dänemark sollten Sie Themen über die europäische Integration oder Alkohol vermeiden. Hier empfiehlt es sich über die Landschaft, Ibsen oder Grieg zu sprechen.

Im Small Talk mit Franzosen können Sie punkten, wenn Sie sich in der französischen Geschichte auskennen. Gute Themen sind besonders das Essen und die Weine aus Frankreich.

In Italien sollten Sie vor allem Themen wie Mafia, Süd-Tirol oder Innenpolitik nicht ansprechen. Sie machen sich sicherlich mehr Freunde in Italien, wenn Sie nach der Familie fragen oder sogar von Ihrer Familie erzählen.

Ähnlich verhält es sich in Spanien. Hier ist die Frage nach der Familie ein sicherer Trumpf, aber die Themen Stierkampf oder ETA werden gemieden. Spanien und Portugal zu vergleichen ist in beiden Ländern ein No-No.

In Großbritannien ist die Frage nach der Familie ein absolutes Tabu. Die Iren gelten zwar als sehr humorvolle Menschen, doch bei den Themen Innenpolitik, das Verhältnis zu Großbritannien, Terrorismus und Nordirland-Konflikt hört der Spaß auf.

US-Amerikaner auf Innenpolitik, Religion oder ihren überschwänglichen Patriotismus anzusprechen, wäre ein Fauxpas. Kennen Sie sich mit amerikanischen Sportarten oder dem anstehenden „Super Bowl“ aus, sind Sie bestens gewappnet. Sehr beliebt ist auch immer die Frage nach der Herkunft der Familie. Voller Stolz werden Sie dann erfahren, aus welcher Region Europas die Großväter oder Urgroßmütter stammen. Das Thema auf Deutschlands Autos und vor allem Autobahnen zu lenken, ist immer ein sicherer Treffer.

Im geschäftlichen Umfeld in Russland spricht man als Mann eine Frau nicht zu privaten Themen an. Das wird als aufdringlich empfunden.

In den baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen sollten Sie die Probleme mit der Integration der russischen Bevölkerung nicht ansprechen. Vermeiden Sie auch, alle drei Staaten in einen Topf zu werfen, betonen Sie besser die jeweiligen nationalen Eigenheiten. Die historischen Stadtzentren von Tallin (Estland) und Vilnius (Litauen) gehören beispielsweise zum Weltkulturerbe und bieten sich als Small Talk-Themen ideal an.

Ein großer Fauxpas ist es, in der Tschechischen Republik die alte Bezeichnung „Tschechei“ zu verwenden. Halten Sie sich streng an die offizielle Länderbezeichnung oder sagen Sie alternativ „Tschechien“. Die Tschechen empfinden uns Deutsche als plump und überheblich auftretend. Mit einer vornehm zurückhaltenden Art werden Sie sich dort also eher Freunde machen.

Meetingkultur

Etwas ungewöhnlich mag es einem Deutschen vorkommen, der in den USA an einer Besprechung teilnimmt. Hier kommt es vor, das ein ständiges Kommen und Gehen üblich ist und eine eher lockere Stimmung herrscht. Alle Ideen sind willkommen und „great“, ein wirkliches Lob haben Sie empfangen, wenn Ihre Bemerkung als „excellent“ bezeichnet wird. Protokolle werden meist in Powerpoint erstellt und kritische Punkte werden als „Challenges“ bezeichnet. Oft werden unter Zeitdruck Snacks oder Sandwiches serviert, während Sie noch präsentieren. Dies darf Sie nicht stören. Ein Lunch-Meeting ist dabei die Steigerung. Hier wird während des Mittagessens eine Powerpoint-Präsentation gehalten.

In Frankreich ist der Sinn eines Meetings, seine Gedanken auszutauschen, nicht darin Dinge zu entscheiden. Wer in Frankreich von Ihnen vor dem Meeting ein Briefing erhält, wird wahrscheinlich gekränkt sein. Informationen gelten als Holschuld. Eine Agenda wird in Frankreich selten eingehalten. Protokolle hingegen können bis zu 20 Seiten umfassen und lesen sich wie Prosa.

Japaner legen großen Wert auf Pünktlichkeit. Spontaneität, die sich in Wortmeldungen äußert, ist nicht erwünscht. Feedback wird nicht gegeben, damit keiner in der Gruppe hervorgehoben wird. Protokolle gelten als Vorbereitung und werden vor dem Meeting verteilt. Nach einer Besprechung erhalten Sie umfangreiche Berichte.

Franzosen haben ein anderes Zeitverständnis. Oft beginnen Besprechungen später und dauern länger als geplant. Kalkulieren Sie daher Ihren eigenen Zeitplan großzügig und lassen Sie ausreichend Spielraum zum Beispiel für den Weg zum Flughafen. Von Deutschen wird allerdings erwartet, dass sie ihre Termine pünktlich einhalten.

Wundern Sie sich in Russland nicht über erstarrte Gesichter und völlig fehlendes
Feedback bei Vorträgen. Das sollte Sie nicht irritieren, meist wird aufmerksam zugehört und es werden mehr Feinheiten erkannt, als bei den aktiv reagierenden Amerikanern.

Werden Sie zu Verhandlungen in islamische Länder eingeladen, achten Sie besonders streng auf die Etikette. In arabischen Ländern ist es unhöflich, dem Gegenüber die Schuhsohlen zu zeigen, denn der Boden und Schuhe gelten als schmutzig. Frauen sollten hier keinen Hosenanzug tragen und der Rock muss unter dem Knie enden.

Und noch ein Küsschen

Die Begrüßung mit dem Küsschen ist im deutschen Geschäftsleben tabu. Auch in Italien, Frankreich und der Schweiz, wo diese Begrüßung häufig im Privatleben zu erleben ist, gilt für das Geschäftsleben das gleiche Tabu wie bei uns. In Italien ist eventuell zu erleben, dass bei Weihnachtsfeiern Küsse unter guten Freunden ausgetauscht werden. Aber niemals beim ersten Treffen. Angefangen wird hierbei auf der rechten Wange und eine Berührung ist durchaus möglich.

Berührung beim Begrüßungsküsschen ist in Frankreich übrigens nicht angesagt. Die Steigerung erleben Sie in Russland, hier werden auch Männer geküsst, aber nur wenn Sie sich gut kennen. In Spanien erfahren die Männer die etwas abgeschwächte Form einer Umarmung.

Dazu im Management-Handbuch

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