WettbewerbDingolfinger BMW-Werk hat das Rennen gemacht

30 Prozent weniger Kosten, Lieferzeit halbiert und hundert Prozent Pünktlichkeit: Das Dingolfinger BMW-Werk für Fahrwerks- und Antriebskomponenten überzeugt mit harten Zahlen und gewinnt damit die Auszeichnung "Beste Fabrik". Die Juroren der Managementschule Insead in Fontainebleau und der WHU Otto Bleisheim School of Managment in Vallendar kürten das Unternehmen zum Gesamtsieger 2008 in Deutschland und Frankreich.

Dank harter Fakten entschied das BMW-Werk den Leistungsvergleich für produzierende Betriebe für sich. In drei Jahren senkte das Werk die Kosten pro gefertigter Vorder- oder Hinterachse und dazugehörigem Getriebe um 30 Prozent.

Die Jury begründete die Auszeichnung vor allem durch die klare Strategie, die einen sehr hohen Durchdringungsgrad durch alle Ebenen der Organisationseinheit erreicht hat. Dies ist zum einen an dem hohen Maß von eigenverantwortlichem Verbesserungsmanagement der Belegschaft zu erkennen. Zum anderen an der hohen Wirksamkeit, die durch eine hervorragende Entwicklung der Kennzahlen in Bezug auf Qualität, Zeit und Kosten bestätigt wird.

Weitere Siegerqualitäten:

  • Die Produktion erhöhte sich in zwei Jahren um zehn Prozent.
  • Die durchschnittliche Lieferzeit halbierte sich zu den Fahrzeug-Endmontagewerken.
  • Die Maschinenauslastung stieg von 60 auf 80 Prozent.
  • Die Pünktlichkeitsrate wurde auf 100 Prozent gebracht.
  • Die Vorgabe des BMW-Vorstands wurde nach einem jährlichen Produktivitätszuwachs von vier bis fünf Prozent erfüllt.

Geteilte Freude

Der zweite Platz im Wettbewerb wurde geteilt. Mit cleverer Spezialisierung und extremer Kundenorientierung gewann das Siemens-Werk für Kombinationstechnik in Chemnitz. Das Werk baut komplexe Schaltschränke für die Steuerung und Energieversorgung von Produktionsanlagen. Betriebsleiter Nils Kroemer und Chefcontroller Mike Kempt zu ihrem Erfolgsrezept:

"Wir suchen für jede Anlage mit dem Auftraggeber nach der besten Lösung und testen jeden Schrank gründlich, so dass bei der Inbetriebnahme nichts schief geht. Das bietet in dieser Form kein Konkurrent."

Ebenso Platz Nummer zwei ging an ein Werk des Medizingeräteherstellers Weinmann. Mittels einer Innovationsoffensive verzeichneten die Hamburger laut Jury zweistellige Wachstumsraten: 39 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2000 gegenüber fast 68 Millionen Euro in 2007. Gleichzeitig erhöhte sich die Exportquote von 10 auf rund 35 Prozent. Gunnar Schmidt, Manager Supply Chain Management bei Weinmann erläutert:

"Unsere strategische Ausrichtung und unser Kontinuierlicher Verbesserungsprozess wurden besonders gut bewertet. Denn unser 'InnoChamp-Modell', das wir vor wenigen Jahren entwickelt haben, um im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben, setzt voraus, dass alle Mitarbeiter in allen Bereichen ständig daran mitarbeiten und so auch die Abläufe in der Fabrik permanent modernisiert und verändert werden."

Das ist nach Einschätzung der Juroren offenbar in vorbildlicher Weise gelungen. Beste Bewertungen erhielt Weinmann deshalb für sein Geschäftsmodell, dessen Umsetzung in die Strategie, die Wertschöpfungskette, die Produkt- und Prozessentwicklung, den Service und die Kundeninteraktion sowie die Kontinuierliche Verbesserung und Mitarbeitereinbindung.

Ein Gewinner aus Frankreich

Auch der Waschmittel- und Klebstoffkonzern Henkel bekam eine Auszeichnung – für eine Produktionsstätte in Frankreich. Das Werk im normannischen Louviers war bis vor zwei Jahren von der Schließung bedroht, da zu wenig Kunden gewonnen werden konnten. Heute ist das Werk als Vorlieferant für andere Henkel-Fabriken tätig. Es beliefert 40 Produktionsstätten – vor vier Jahren waren es nur 13. Dazu sanken die Kosten im vergangenen Jahr um 800.000 Euro.

Die Beste Fabrik / "Industrial Excellence Award"

Wissenschaftler der Business School INSEAD und der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) prüfen produzierende Unternehmen auf Herz und Nieren. Jeder teilnehmende Manager oder Unternehmer erhält eine umfassende Auswertung seiner Qualitäten und – wenn er zu den exzellenten Managern gehört – eine komplette Unternehmensanalyse.
Die Jury bewertet sechs grundlegende Unternehmenseigenschaften: operationelle Strategie, Produktentwicklung, Lieferkettenmanagement, Organisation und Personal,Service und Partnermanagement sowie Kontinuierliche Verbesserung. Die Zielgruppe sind Unternehmer und Manager des produzierenden Gewerbes, deren Werk seit mehr als zwei Jahren existiert.

[po; Quellen: biz-AWARDS, BMW, Weinmann; Bild: BMW]

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