WettbewerbsvorteilSchluss mit Rationalisierung! Das neue Paradigma der Führung

Deutsche Unternehmen haben Erfolg, wenn sie das Potenzial ihrer Mitarbeiter fördern und Engagement zulassen. Ein Wettbewerbsvorteil, der auf Qualität und Innovation setzt anstatt auf Rationalisierung.

Kürzlich sprach ich mit dem Beirat eines Unternehmens über die zukünftige Strategie. Die Marge stand unter Druck und der Vorstand stellte Maßnahmen vor, um profitabler zu sein. Folgende Aussage im Konzept machte mich nachdenklich:

„Egal wie viel wir auch rationalisieren, wir liegen immer noch um Faktor 5 über den vergleichbaren Arbeitskosten in Indien“.

Eine logische Schlussfolgerung, die Arbeitsplätze Schritt für Schritt dort hin zu verlagern, liegt nahe. Für einen internationalen Konzernvorstand gibt es bei der Wahl von Arbeitsplätzen à priori keine Länderpräferenz. Ein Arbeitsplatz in Deutschland kommt für ihn ebenso in Frage wie einer in Indien. Doch wenn dieser in Indien nur 1.000 Euro statt 5.000 Euro in Deutschland kostet, dann fällt die Entscheidung leicht. Seit Jahren beobachten wir, wie bei unseren Kunden ein Rationalisierungsprojekt dem anderen folgt. Es wird permanent daran gearbeitet, die Kosten dem „Weltmarktniveau“ anzupassen. Man dreht an der Leistungsschraube, um die Kosten pro Mitarbeiter in Relation zum erzielbaren Umsatz zu verbessern. Kurz gesagt: Mehr Arbeit wird auf immer weniger Schultern verteilt.

Mitarbeiter-Potenziale wecken statt rationalisieren

Downsizing und Rationalisierung waren in den letzten Jahren sicher der richtige Ansatz. Einige Unternehmen hatten sich schützende „Fettpolster“ angefressen. Teilweise hat ein Personalabbau tatsächlich eine Effizienzsteigerung gebracht und die Arbeit sogar erleichtert. Die Prozesse wurden verschlankt und Strukturen, die sich mehr mit sich selbst beschäftigten als mit dem Erfolg des Unternehmens, wurden radikal aufgelöst. Auf der anderen Seite müssen wir erkennen: Egal wie stark rationalisiert wird, wir werden die Produktivität der Schwellenländer nicht erreichen können. Was also ist zu tun? Die Gründer von Google, Sergey Brin und Larry Page, haben eine für mich interessante Vorgabe an ihre Mitarbeiter gemacht:

"Verwendet 20 Prozent Eurer Zeit für die Suche nach Innovation und Weiterentwicklung des Unternehmens!“

Statt an der Produktivitätsschraube zu drehen, haben die beiden Vorstände entschieden, auf die Mitarbeiter zu setzen und deren Potenziale zu mobilisieren. In den letzten Jahren erleben wir einen Trend, der Besorgnis erregend ist. Mitarbeiter werden immer mehr als bloße „Ressource“ für die Abwicklung von Geschäftsprozessen betrachtet. Dabei bezieht sich die Effizienzbetrachtung in erster Linie auf die maximale Erfüllung vorgegebener, eng umschriebener Prozesse und Arbeitsleistungen. Auf diesem Weg werden wir jedoch die Schwellenländer in ihrer Produktivität mittelfristig nicht erreichen. Wir müssen uns wieder auf unsere Stärken und darauf besinnen, was uns von anderen Ländern unterscheidet und was letzten Endes auch unsere höheren Preise rechtfertigt:

Produkte und Dienstleistungen mit Alleinstellungsmerkmal (USP).

USP

USP ist die Abkürzung für „unique selling proposition“ und bedeutet Alleinstellungsmerkmal. Damit sind Produkte oder Dienstleistungen gemeint, die nicht vergleichbar sind und sich somit dem klassischen Wettbewerb entziehen. Je größer das Alleinstellungsmerkmal, desto größer die möglichen Erträge.

In einer solchen Situation spielt der Preis nur eine untergeordnete Rolle. Spitzenprodukte und Spitzenleistungen stellen einen Unterschied zum Bestehenden dar. Den meisten Ertragskrisen ist eine Strategiekrise vorgeschaltet. Wenn Unternehmen den Anschluss an den Markt nicht verpassen wollen, brauchen sie hoch engagierte und innovationsfreudige Mitarbeiter. Innovative Produkte und Dienstleistungen entstehen jedoch nicht von heute auf morgen und auch nicht ausschließlich in der Entwicklungsabteilung. Innovation entsteht jeden Tag, wenn die Mitarbeiter mitdenken, sich engagieren und an der Weiterentwicklung des Unternehmens mit Herz und Seele mitwirken.

Erfolg hängt vom Engagement der Mitarbeiter ab

Leider ist diese Einstellung immer weniger anzutreffen. Eine gewisse Passivität und Lethargie gekoppelt mit einem nicht mehr zeitgemäßen Anspruchsdenken lähmt in einigen Organisationen den Fortschritt. Um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, muss eine Organisation mit allen Mitwirkenden permanent auf der Suche nach Spitzenleistung sein. Viele Manager haben das vergessen. Wir werden nur dann erfolgreich sein, wenn wir es schaffen, dass die Mitarbeiter mitdenken und sich und das Unternehmen jeden Tag aufs Neue weiterentwickeln. Dies ist zum einen ein Anspruch an die Mitarbeiter, aber auch an das Management. Es muss diese Einstellung fordern und fördern.

Schauen wir uns die Unternehmen an, die als sehr erfolgreich gelten: Sie können auf außerordentlich engagierte Mitarbeitern zählen, die permanent zum internen Wandel und zur Neuausrichtung beitragen und innovative Produkte kreieren. Die Kosten des Standorts Deutschland spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Leider ist dies zur Zeit eine bloße Wunschvorstellung. Worin könnte also die Lösung liegen? Anstatt noch mehr zu rationalisieren, muss das Management konsequent auf die Mitarbeiter setzen. Diejenigen unterstützen und fördern, die die Herausforderung erkannt haben und an Innovation und Neugestaltung aktiv mitwirken. Damit Sie Erfolg haben, konzentrieren Sie sich also primär auf die folgenden beiden Zielrichtungen:

Engagierte Mitarbeiter

Innovative Produkte und Dienstleistungen

Das Management sollte daher die folgenden Schlüsse ziehen und entsprechend handeln:

  • Lösen Sie sich von der Idee, dass das Management entscheidet und die Mitarbeiter ausführendes Organ sind. Fordern und Fördern Sie täglich unternehmerisches Handeln!
  • Das Management kann gar nicht oft genug mit den Mitarbeitern über die neuen Anforderungen in den Dialog treten.
  • Die Personalentwicklung muss in Zukunft noch stärker die Themen „Verhalten und Einstellungen der Mitarbeiter“ durch Trainings, Coachings, Workshops und kollegiale Beratungen fördern und begleiten.
  • Organisieren Sie Ihr Unternehmen rund um das Thema kleine und große Innovation!
  • Machen Sie allen Mitarbeitern klar, dass Kreativität und Innovationen die einzigen Chancen sind, mittel- und langfristig die hohen Gehälter und den Lebensstandard zu halten!
  • Achten Sie darauf, dass durch eine zu starke Rationalisierung nicht der Leistungswille der Mitarbeiter und die Kreativität der Organisation auf der Strecke bleiben!
  • Lassen Sie Freiräume zum Experimentieren! Wenn jedes Projekt und jede Idee schon einen Projektantrag mit einem Return on Invest benötigt, töten Sie jegliche Innovation.
  • Ein Betriebliches Vorschlagswesen reicht bei weitem nicht aus. Richten Sie Lernwerkstätten ein! Die Mitarbeiter sollen die Möglichkeit haben, an kreativen Orten Dinge auszuprobieren.
  • Schicken Sie Ihre Mitarbeiter regelmäßig auf Dialogforen, Kongresse und Weiterbildungen zu neuen und für sie spannenden Themen!
  • Organisieren Sie „Job-Rotation“-Programme mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen!
  • Schreiben Sie regelmäßig Innovationspreise aus!
  • Auch wenn es schwer fällt: Trennen Sie sich von den Führungskräften und Mitarbeitern, die diese Einstellung nicht mitbringen!

Hinweis

Wie Führung, die konsequent versucht, Kraft, Stärken und Ideen des Einzelnen in den Mittelpunkt zu setzen, aussehen kann, zeigt Managementautor Reinhard K. Sprenger in seinem Buch „Aufstand des Individuums. Warum wir Führung komplett neu denken müssen“.

Dazu im Management-Handbuch

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