ProzessplanungWie funktioniert das Pull-Prinzip?

Das Pull-Prinzip einfach und auf den Punkt erklärt. Außerdem: Wie wird das Pull-Prinzip in der Supply Chain umgesetzt? Und wann lohnt sich das?
Von Axel Schröder

Was ist das das Pull-Prinzip?

Das Pull-Prinzip als Methode aus dem Lean-Management bedeutet wörtlich übersetzt: Zug- oder Hol-Prinzip.

Beim Pull-Prinzip erfolgt die Bestellung, wenn die Ware benötigt wird, das heißt, wenn der Markt zieht. Daher ist hier oft eine Just-in-time-Lieferung wichtig, um die Produktionsdauer kurz zu halten. Der Schwerpunkt des Pull-Prinzips liegt in der reibungslosen Lieferkette ohne große Lagerbestände der verschiedenen Fertigungsstufen. Damit werden Lagerplatz und Kosten gespart.

Das Pull-Prinzip zieht sich vom Endverbraucher oder Endkunden durch die gesamte Herstellungs- und Lieferkette der herstellenden Unternehmen. Diese Lean-Methode vereint Effizienz und kundenorientiertes Arbeiten.

Wie funktioniert das Pull-Prinzip?

Nach dem Pull-Prinzip löst der nachgelagerte Prozess den vorhergehenden aus. Diese Signalwirkung erreichen Unternehmen zum Beispiel durch Kanban-Karten zur internen Nachversorgung. Wird ein Signal ausgelöst, beginnt der vorherige Prozessschritt mit dieser Information seine Aufgabe. Nicht früher, nicht später.

© Axel Schröder
Abbildung: Systematik des Pull-Prinzips

Ein Produkt durchläuft mehrere Schritte, bis es fertiggestellt ist. Dabei ist der letzte Prozessschritt die Bereitstellung des Produkts für den Endverbraucher. Ist die Produktion nach dem Pull-Prinzip ausgerichtet, beginnt mit der Nachfrage des Endverbrauchers die Produktion des Produkts im Betrieb.

Die Nachfrage wird bei dem jeweils vorherigen Produktionsschritt aufgezeigt. Der Kundenwunsch zieht sich von hinten nach vorn durch die gesamte Wertschöpfungskette.

Wie wird das Pull-Prinzip in der Supply Chain umgesetzt?

Das Pull-Prinzip wird nicht nur bei der Abstimmung mit Endverbrauchern angewendet. Auch im Supply Chain Management, sprich der Logistik eines Unternehmens und in der Wertschöpfungskette des Unternehmens und seiner Lieferanten, leistet es gute Dienste.

Der Verbrauch eines Produkts richtet sich in der gesamten Wertschöpfungskette, vom Endverbraucher hin zu Lieferanten, nach der jeweiligen Nachfrage in der nächsten Stufe der Wertschöpfungskette.

Sagt beispielsweise der Vertrieb, dass er mehr Produkte benötigt, weil viele Kundenaufträge vorliegen, dann werden diese Endprodukte auf Abruf montiert und versendet. Diese Abfolge zieht sich durch mehrere Wertschöpfungsstufen und Prozessschritte. Benötigt die Endmontage eine gewisse Anzahl halbfertiger Produkte, gibt sie ein Signal an die Vorproduktion. Benötigt die Vorproduktion Teile oder Materialien von Lieferanten, meldet sie dies an die Lieferanten.

Eine genaue Feinabstimmung aller Prozessschritte zwischen Unternehmen und Lieferanten und der betroffenen Betriebsbereiche ist unerlässlich, um mit dem Pull-Prinzip eine schnelle Lieferung zu gewährleisten. Unternehmen erreichen diesen Zielzustand durch eine enge Zusammenarbeit mit Lieferanten und externen Partnern, die in der Lage sind, auf Zuruf zu liefern.

Wann lohnt sich die Einführung des Pull-Prinzips?

Die Abstimmung jedes einzelnen Prozessschrittes ist von großer Bedeutung für den Erfolg des Pull-Prinzips. Dies betrifft sowohl die interne Koordination als auch die Abstimmung mit Lieferanten und Kunden. Werden die Informationsflüsse aufrechterhalten, rechnet sich der Mehraufwand bei der Einführung.

Eine teilweise Umstellung, zum Beispiel für interne Produktionseinheiten, kann gelingen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass alte Muster beibehalten werden.

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