WillensstarkDov Moran hat den USB-Stick trotz Widerstand erfunden

Auf eine Innovation kommen hundert sogenannte Spezialisten und selbsternannte Experten, die davor warnen. Als der Israeli Dov Moran vor acht Jahren den USB-Stick erfand, war der Widerstand aus den Reihen der institutionalisierten Bedenkenträger groß. Jetzt will er wieder eine Branche umkrempeln: Seine neueste Erfindung ist ein superleichtes und modulares Minihandy mit fantastischen Anwendungen.

Eine gut 100-seitige Marktanalyse gab dem Speicherstift damals keine Chance: Zu teuer, zu umständlich – kurz: überflüssig. "Vergessen Sie es! Dieses Gerät wird es auf keinen Fall am Markt schaffen", lautete das Fazit. Es gibt ja schon die CD-Rom und die gute, alte 1.44MB-Floppy-Disk...

Moran ließ sich nicht beirren. Er war überzeugt, dass die Welt auf den USB-Stick wartete:

"Wir hatten eine Erfindung, von der wir vom ersten Moment an spürten: Das wird wow!"

Und er hatte Recht: Das Speichermedium wurde zum Welterfolg. 2001 brachte es seiner Firma M-Systems 45 Mio. US-Dollar ein, fünf Jahre später fast 1 Milliarde. So ein Erfolg sollte normalerweise ausreichen, um sich für den Rest des Lebens bequem zurückzulehnen und sich von einer Fernsehtalkshow zur nächsten reichen zu lassen. Zumal 2006 der US-Konkurrent SanDisk das Unternehmen von Dov Moran für 1,55 Mrd. US-Dollar übernahm.

Doch der 52-jährige Unternehmer bastelt bereits an der nächsten Revolution: ein superleichtes Minihandy. Wegen seines Gewichts von nur 40,1 Gramm hat es das 'Modu' sogar schon ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft. Der eigentliche Clou ist aber der modulare Ansatz: Das Modu ist nur ein Basisgerät, das man in diverse funktionale Hüllen stecken kann. Diese 'Jackets' verwandeln das Modu-Basisgerät erst in ein normales Handy, ein Smartphone, eine Kamera oder in ein Navigationsgerät – je nach Wunsch und Verwendungszweck.

Damit nicht genug. Mit den entsprechenden Schnittstellen kann jedes Gerät zu einem "Modu Mate", also technisch kompatibel, werden. Ein Radiowecker etwa könnte das Modu aufladen, eingehende SMS auf dem Uhrendisplay zeigen und die auf dem Modu gespeicherte Musik als Weckmelodie spielen. Die Universal Music Group und der Geo-Softwarehersteller Tele Atlas sind schon mit im Boot.

Im Oktober soll das Modu für etwa 200 Euro auf den Markt kommen. In punkto Qualität und Design konkurriert es zwar mit dem iPhone von Apple, spielt aber in einer niedrigeren Preisklasse. Morans klare Ansage: In vier Jahren soll seine Modu Ltd. zu den fünf größten Handyfirmen gehören. Wenn sein Start-Up bei Tel Aviv so weiter wächst, erscheint das Ziel nicht vermessen. Vor einem Jahr arbeiteten dort zehn Mitarbeiter, heute mehr als 100.

Dov Moran ist ein willensstarker Typ, der Ideen konsequent bis zur Marktreife entwickelt und sich dabei weniger von der Marktforschung, aber umso mehr von seinem Bauchgefühl leiten lässt. Natürlich hat kein Kunde ihn jemals aufgefordert, ein Handy-Chamäleon zu entwickeln. Genauso hat ihn niemand mit Bittbriefen traktiert, einen USB-Stick auf den Markt zu bringen, und zwar pronto.

Für alle Erbsenzähler gilt: Auch wenn es gern versucht wird, man kann Erfolg nicht sicher vorausberechnen. Ein intelligenter Rechenprozess führt an sich noch nicht zu einem intelligenten Ergebnis. Es braucht immer beides: eine realistische Abschätzung der Risiken UND eine gehörige Portion Bauchgefühl und Mut, die Chancen trotzdem zu nutzen.

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[Bilder: www.cnews.ru; www.modumobile.com]

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