WindenergiebrancheRisikomanagement in Logistik und Supply Chain

Eine aktuelle Studie zeigt, welche Rolle das Risikomanagement in der Windenergiebranche spielt. Risiken sind unter anderem steigende Rohstoffpreise, insbesondere für Stahl, sowie der Anstieg vieler Bauteilepreise. Zur Absicherung ihrer Beschaffung halten die Unternehmen den Aufbau von langfristig orientierten Beziehungen zwischen Zulieferer und Abnehmer für besonders wichtig.

Die große Relevanz des Themas Risikomanagement in Logistik und Supply Chain für die Windenergiebranche wird durch die hohe Teilnehmerquote der Studie von mehr als 25 Prozent der rund 350 identifizierten Unternehmen belegt.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Branche auf allen Wertschöpfungsstufen von steigenden Rohstoffpreisen, insbesondere für Stahl, sowie dem Anstieg vieler Bauteilepreise betroffen ist. Hinzu kommen Risiken, die beispielsweise durch die globale Ausdehnung vieler Beschaffungsnetzwerke sowie durch den rasanten technologischen Fortschritt im Bereich der Windenergieanlagen getrieben werden.

Die Auswertung zeigt, dass die Anlagenhersteller im Vergleich zu den übrigen Studienteilnehmern eine Sonderstellung einnehmen. Diese Gruppe sieht das weitaus größte Risiko – zusätzlich zu den bereits genannten Themen – in der Verfügbarkeit von Komponenten und Systemen. Ursache ist der bestehende starke Nachfrageüberhang nach Zulieferteilen in Kombination mit einer geringen Anzahl qualifizierter Lieferanten. Jan Scholl, Geschäftsführer der Pleyma GmbH, bestätigt aus der Erfahrung in der Beratung dieser Unternehmen:

"Die Kapazitäten bei den Zulieferteilen können nur mittelfristig gesteigert werden, da es sich um hochkomplexe und äußerst anspruchsvolle Komponenten handelt."

Zur Absicherung ihrer Beschaffung halten die befragten Unternehmen den Aufbau von langfristig orientierten Zulieferer-Abnehmer-Beziehungen für besonders geeignet. Verbreitet ist bisher einzig die Zertifizierung von Zulieferern, obwohl besonders die Anlagenhersteller diese als Risikomanagement-Instrument für kaum geeignet halten.

"Hier zeigt sich der enorme Handlungsbedarf für ein lieferantenbezogenes Risikomanagement",

sagt Jan Scholl von Pleyma. Beispielsweise werden aktuell eine mangelnde Transparenz und eine fehlende Verbindlichkeit der Partnerunternehmen als Hindernisse Nr.1 bei der Umsetzung eines übergreifenden Risikomanagements in der Supply Chain gesehen.

Die Anlagenhersteller verfügen im Vergleich zur Gesamtstichprobe bereits über ein stark auf ihr Lieferantennetzwerk ausgerichtetes Risikomanagement, in das neben der Geschäftsführung auch die Bereiche Supply Chain Management und Einkauf maßgeblich eingebunden sind. Dennoch ist hier eine Ausweitung der Aktivitäten geplant.

Bemerkenswert ist, dass Instrumente wie Business Continuity Planning oder der Einsatz von Emergency Teams, denen in der Forschung aktuell eine große Rolle im Risikomanagement zugestanden wird, weder eingesetzt noch für geeignet gehalten werden.

"Mit der gemeinsamen Studie zum Risikomanagement wollen wir einen Schritt zur Verringerung der Lücke zwischen Theorie und Praxis gehen",

so Philipp Hohrath vom Institut für Logistik und Unternehmensführung der Technischen Universität Hamburg-Harburg und Jan Scholl.

Zur Studie

Die Unternehmensberatung Pleyma GmbH hat zusammen mit der Technischen Universität Hamburg-Harburg eine Studie zum Risikomanagement im Windkraftanlagenbau durchgeführt. Mithilfe einer empirischen Befragung wurden die Risiken der Wertschöpfungsnetzwerke innerhalb der Branche untersucht. Angesprochen wurden sowohl die großen Anlagenhersteller wie auch die System- und Komponentenzulieferer bis hin zu den Materialzulieferern.

[po; Quelle und Grafik: Pleyma GmbH; Bild: Fotolia.com]

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