ZertifiziertBessere Ergebnisse mit standardisiertem Projekt-Know-how

Projekte managen ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die besondere Qualifikationen und Qualitäten erfordert. Noch immer scheitern sehr viele Projekte, weil es daran mangelt. Die Zertifizierungen zum Projektmanager sollen helfen, die Qualifikation zu verbessern und spezifisches Know-how weiterzugeben.

Viele Projekte vernichten mehr Wert als sie schaffen. Deutsche Unternehmen sollen jedes Jahr 150 Milliarden Euro für unsinnige oder fehlgeschlagene Projekte verschwenden. Das hat Manfred Gröger, Professor an der Fachhochschule München, in seiner Studie herausgefunden, für die er in vier Jahren 962 Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung befragte. Da drängt sich die Frage nach den Ursachen auf. Ist es fehlende Projektkompetenz bei Auftraggebern und Projektmanagern?

Manfred Gröger sieht die mangelhafte organisatorische Einbindung in die Unternehmen als wichtigstes Problem – genauso wie die Qualifikation der Mitarbeiter:

„Die Mitarbeiter müssen noch stärker auf die spezifischen Herausforderungen der Projektarbeit vorbereitet und qualifiziert werden“, schreibt Gröger zur Studie in der Zeitschrift Personalwirtschaft(9/2004).

Verbände und Vereinigungen fördern den Fach- und Erfahrungsaustausch

Dabei haben sich zahlreiche Organisationen und Verbände dem Ziel verschrieben, die Projektarbeit in den Unternehmen zu unterstützen und zu verbessern. In Deutschland gibt es seit 1979 die Gesellschaft für Projektmanagement e.V. (GPM) als Fach- und Berufsverband für Projektmanagement. Sie will Maßstäbe setzen für das Projektmanagement und sieht für sich folgende Aufgaben. Die GPM

  • fixiert die Ansprüche an Projektmanagement-Systeme in Organisationen,
  • definiert die Grundsätze für das Management von Projekten,
  • definiert die Anforderungen an Projektpersonal,
  • bereitet Kenntnisse und Erfahrungen im Projektmanagement auf und macht sie zugänglich.

Die GPM ist Mitglied in der International Project Management Association (IPMA). Die IPMA gibt es seit 1965 als ein Zusammenschluss aus vorwiegend europäischen Vereinigungen für Projektmanagement, aber auch mit Mitgliedern aus Südafrika, Indien und China und mit Verbindungen nach Nordamerika, Japan, Australien und in die übrigen Teile der Erde. Die IPMA hat derzeit über 30.000 Mitglieder aus den nationalen Organisationen.

Die Aus- und Weiterbildung im Projektmanagement und die Zertifizierung von Projektmanagern zählen zu den wichtigsten Aufgaben von IPMA und GPM. Darüber hinaus wollen sie die Neu- und Weiterentwicklung von Projektmanagement-Methoden fördern.

Das Wissen zum Projektmanagement wird zertifiziert

Insbesondere Zertifikate spielen in der Praxis eine immer größere Rolle. Für Kunden oder Arbeitgeber sind sie ein Nachweis, dass die zertifizierte Person die Methoden des Projektmanagements kennt, beherrscht und Erfahrungen dazu gesammelt hat. Unternehmen fördern ihren Nachwuchs über eine Zertifizierung im Projektmanagement und verbessern ihre Chancen im Wettbewerb, wenn sie so die Kompetenzen ihrer Mitarbeiter gegenüber Kunden nachweisen.

Für die Mitarbeiter sind die Zertifizierungen eine vorteilhafte Personalentwicklungsmaßnahme. Wer sein Know-how kritisch überprüfen und beglaubigen lässt, fördert die persönliche Karriere und seine Chancen am Arbeitsmarkt. Außerdem fördert es die Reflexion zum eigenen Handeln und gibt Anregungen, das Projektmanagement-Wissen gezielt auszubauen, wenn das Wissen von externen Experten (Assessoren) beleuchtet und kritisch hinterfragt wird.

Stichwort

Die GPM vergibt über ihre Organisation PM-ZERT Projektmanagement-Zertifikate. Basis für die so genannte Personen-Zertifizierung ist das international abgestimmte und anerkannte Vier-Ebenen-System der IPMA International Project Management Association (4 Level Certification System) zur Qualifizierung und Zertifizierung von Projektmanagement-Personal. Die vier Ebene sind:

  • Level D: Zertifizierter PM-Fachmann (GPM)/ Certificated Project Management Practitioner
  • Level C: Zertifizierter Projektleiter (GPM)/ Certificated Project Management Professional
  • Level B: Zertifizierter Projektmanager (GPM)/ Certificated Project Manager
  • Level A: Zertifizierter Projekt-Direktor (GPM)/ Certificated Projects Director

Außerdem gibt es den zertifizierten Projektmanagement-Trainer (PMFT).

Ihn und den zertifizierten Projektmanager gibt es auch in einer internationalen Variante: PM(E)T: Zertifizierter PM(E)-Trainer Englisch (GPM) und Level B*: Zertifizierter Internationaler Projektmanager (GPM)/ Certificated International Project Manager.

Die amerikanische Alternative: Das Project Management Institute


Eine hohe internationale Anerkennung hat auch das Project Management Institute, das ebenfalls Zertifikate zum Projektmanagement anbietet: Der Project Management Professional (PMP). Wer in Unternehmen arbeitet, wo das Management oder die Kunden amerikanisch orientiert sind, kommt kaum noch an einem entsprechenden Zertifikat vorbei.

Das Project Management Institute wurde 1969 als gemeinnützige Organisation gegründet und hat inzwischen 150.000 Mitglieder in 150 Ländern. Es gilt als führend, wenn es um das Thema Projektmanagement und Standards für seine Professionalisierung geht. Es kümmert sich vor allem um drei Aufgaben:

  • Herausgabe des Project Management Body of Knowlege (PMBOK),
  • Zertifizierung von Project Management Professionals (PMP),
  • Vorgabe eines einheitlichen Handlungs- und Führungsmodells für das Management von und mit Projekten, das so genannte Organizational Project Management Maturity Model (OPM3).

Der so genannte „Project Management Body of Knowledge“ will das Wissen und die Erfahrungen aller Projektmanager weltweit zusammenführen und dokumentieren. Dafür gibt das PMI den „Guide to the Project Management Body of Knowledge“ (PMBOK Guide) heraus. Er systematisiert

  • die gesamte Projektarbeit in Form von 39 Prozessen,
  • die fünf Prozessgruppen (Initiierung, Planung, Ausführung, Controlling, Abschluss) zugeordnet und in
  • neun Wissensgebiete (Integration, Scope, Time, Cost, Quality, Human Resource, Communications, Risk, Procurement) gegliedert sind.

Der PMBOKGuide ist eine Basis für die Zertifizierung zum Project Management Professional (PMP) durch das PMI.

Stichwort

Das PMI vergibt über seine akkreditierten Institute zwei Projektmanagement-Zertifikate.

  • PMP: Project Management Professional (PMI)
  • CAPM: Certified Associate in Project Management, das seit 2002 das Know-how von Projekt-Assistenten mit einem Zertifikat auszeichnet.

Wie lässt man sich zertifizieren?

Wer sich zertifizieren lassen will, braucht einschlägige Erfahrungen im Projektmanagement. Die Gesellschaft für Projektmanagement bzw. PM-ZERT setzen außerdem ein Studium oder mindestens drei Jahre Berufserfahrung voraus. Hier gilt der Titel lebenslang, während das PMP-Zertifikat des Project Management Institutes nach drei Jahren verfällt, wenn es nicht erneuert wird. Das PMI berücksichtigt so die Halbwertszeit des Wissens.

Auch der individuelle Vorbereitungsaufwand unterscheidet beide Zertifikate: Für das GPM-Zertifikat sind ca. sechs Kurse je drei Tage, Arbeitsprojektbearbeitung und Zeit zur Prüfungsvorbereitung notwendig. Das erstreckt sich schon mal über sechs bis zwölf Monate. Für den Kurs und die Prüfung sind etwa 2.500 Euro an Kosten zu veranschlagen. Weil die Vorbereitung recht umfassend ist und lange dauert, gilt das Zertifikat unbegrenzt.

Das Zertifikat des PMI hat man in der Regel schneller. Ein 35-stündiger Vorbereitungskurs und etwa 200 Stunden für die Prüfungsvorbereitung sind hier notwendig. Das lässt sich in zwei bis drei Monaten schaffen. Allerdings muss man sein Wissen immer wieder beweisen; denn nach drei Jahren wird das Zertifikat nur verlängert, wenn man die Teilnahme an so genannten Professional Development Units nachweisen kann. Die Prüfung selbst kostet hier etwa 540 Euro (für Nicht-Mitglieder); dazu kommen die Kosten für den Vorbereitungskurs.

„Der Aufwand lohnt sich!“ sagen Christophe Campana, Eric Schott und Ulf Schwetz von Campana & Schott Realisierungsmanagement, die beide Zertifizierungen miteinander verglichen haben (Personalwirtschaft 6/2003). „Das Unternehmen kann die Titel für das eigene Image einsetzen und die zertifizierten Projektleiter können mit mehr Kompetenz und weniger Stress Projekte abwickeln. Beide Zertifizierungswege stellen eine Win-Win-Situation dar.“

Welcher ist der bessere? Hier meinen Campana und seine Kollegen, dass es vor allem vom Lerntyp abhängt. Das GPM-Zertifikat unterstützt soziale und diskursive Lernformen. Die Zertifizierung des PMI beschränkt sich auf Inhalte und Verhaltensanweisungen. Dort wird die Prüfung ausschließlich als Multiple-Choice-Test durchgeführt.

Bis 2003 haben etwa 50.000 Personen das PMI-Zertifikat und 2.000 Personen das GPM-Zertifikat erworben. Gleichwohl spielen beide Zertifikate bei der Projektmanagement-Qualifizierung der deutschen Unternehmen noch eine untergeordnete Rolle.

Qualifizierung im Projektmanagement: Welche Methoden werden genutzt?

Nur wenige der 145 von der Management Circle AG befragten Projektleiter beziehen sich auf den deutschen Projektmanagement-Standard nach GPM oder den amerikanischen Standard nach PMI, wenn es um Qualifizierungsmaßnahmen geht. Am wichtigsten sind allgemeine externe oder interne Seminare zum Projektmanagement oder das „Training on the Job“.

Immerhin legen 78 Prozent der Firmen einen firmeninternen Standard an die Qualifizierungsmaßnahme an. Und auch die internationale Ausrichtung nimmt zu: 14 Prozent der Befragten halten sie für zwingend, 33 Prozent für sehr wichtig, 33 Prozent für wünschenswert.

[Quelle: Wirtschaftspsychologie aktuell, 2/2004]

Auch Projektteams werden für Spitzenleistungen im Projektmanagement ausgezeichnet

Um das professionelle Projektmanagement zu fördern und Anreize für Spitzenleistungen von Projektteams zu geben, hat die Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) den „Deutschen Projektmanagement Award“ ins Leben gerufen. Seit 1997 wird damit ein Projektteam ausgezeichnet, das hervorragendes Projektmanagement bewiesen hat.

Grundlage für die Bewertung der Leistungen ist das so genannte Modell für Project Excellence. Es orientiert sich am EFQM Modell aus dem Bereich des Qualitätsmanagements und will helfen, dass Projekte auf vielfältige Ansprüche von Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten, Partnern und die Öffentlichkeit ausgerichtet werden. Außerdem soll damit sichergestellt werden, dass für ein Projekt klare Ziele definiert, die Prozesse funktionieren und die entsprechenden Ergebnisse erreicht werden.

Zuletzt wurde ein Projektteam der Deutschen Bank Bauspar AG ausgezeichnet. Das Projekt db BausparenOnline erhielt den Preis 2004 für seine extrem hohe Kundenzufriedenheit, umfassenden Maßnahmen zur Risikominimierung und Qualitätssicherung sowie die Flexibilität in der Planung und Steuerung des Projekts.

Mitarbeiterkarrieren im Projektmanagement

Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren ihre Organisation verschlankt und dabei auch Hierarchien abgebaut. Für junge Mitarbeiter fehlt dann eine Karriereperspektive in der Linie. Hier bietet das Projektmanagement neue Möglichkeiten für Karrierepfade.

So hat beispielsweise Siemens in den 1990er Jahren ein Programm entwickelt, das Mitarbeitern nicht nur den Aufstieg in der Linie ermöglicht, sondern auch eine Karriere im Projektmanagement vorsieht. Später hat die Dienstleistungstochter Siemens Business Service daraus ein Produkt gemacht. Das Konzept nennt sich ‚Promise’ Project Management Career Introduction, Support & Empowerment. Es definiert Profile für die Mitarbeiter im Projektmanagement und einzelne Laufbahnstufen für Projektmanager.

In detaillierten Rollenbeschreibungen ist festgelegt, was Junior Projektleiter, Projektleiter, Projektmanager oder Senior Projektmanager im Einzelnen können müssen. Entsprechende Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten liefert das Curriculum Projektmanagement, dessen Module und Prüfungsinhalte auf den Richtlinien des Project Management Institutes (PMI) basieren.

[Quelle: trainingaktuell 10/2001]

Vielleicht helfen diese vielfältigen formalen Ausbildungen zum qualifizierten Projektmanager und eine weitere Verbreitung der Zertifizierungen, um wenigstens einen Teil der verschwendeten 150 Milliarden im Projektmanagement doch sinnvoll anzulegen.

Links:

Hier stellt sich die Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) vor:

http://www.GPM-IPMA.de

Sie ist Mitglied im internationalen Dachverband, der International Project Management Association (IPMA):

http://www.ipma.ch

Über das Project Management Institute (PMI) können Sie sich auf deren Webseite informieren:

http://www.pmi.org

Eine Beschreibung des so genannten Organizational Project Management Maturity Model (OPM3) finden Sie von Simone Weilacher 9:PM Projektmanagement unter:

http://www.pmifc.de/dateien/...

Eine kurze Übersicht und Beschreibung der unterschiedlichen Institutionen finden Sie auch im Glossar des Projekt-Magazins:

Gesellschaft für Projektmanagement

Project Management Institute

Informationen zum Deutschen Projektmanagement Award finden Sie unter:

http://www.gpm-ipma.de/download/...

Informationen zur Wertvernichtung im Projektmanagement von Professor Manfred Gröger finden Sie unter:

http://www.mba-beratung.de/stud.html

Bücher:

A Guide to the Project Management Body of Knowledge - Edition 2004 (3. Ausgabe) in Deutsch; von The Project Management Institute. Übersetzt von Thomas Wuttke und Peggy Gartner.

Das PMP-Examen für die gezielte Prüfungsvorbereitung, mit CD-ROM; von Thomas Wuttke, Peggy Gartner, Steffi Triest.

[jf]

Dazu im Management-Handbuch

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