ZusammenschlussDie europäische Fusionswelle reißt nicht ab

Die Finanzkrise wirkt sich laut der Deloitte-Studie „Staying on Course“ nicht wesentlich auf die M&A-Aktivitäten und -Perspektiven europäischer Unternehmen aus. Knapp zwei Drittel der befragten Firmen wollen sogar so ihre Wettbewerbsposition und internationale Präsenz optimieren. Der größte Teil der Mergers & Acquisitions wird dabei grenzüberschreitend stattfinden, wobei osteuropäische Unternehmen insgesamt internationaler agieren als ihre westeuropäischen Pendants.

Generell wird Europa bevorzugt, doch auch die aufstrebenden Märkte Asiens stehen bei den Investoren im Fokus. Erfolgreiche M&As zeichnen sich dabei vor allem durch eine Due Diligence der weichen Faktoren sowie eine geeignete HR-Strategie aus.

„Der Ausblick auf geplante und erwartete M&A-Aktivitäten der nächsten 18 Monate in Europa zeigt, dass sowohl Unternehmen als auch Private-Equity-Investoren ihre Aktivitäten weiter ausweiten wollen. Unternehmen sichern sich durch Zukäufe und Fusionen einen dauerhaften Erfolg in den globalen Märkten – dementsprechend sind strategische Transaktionen die aktuellen M&A-Treiber. Hauptziel ist meist eine verbesserte Wettbewerbsposition“,

erklärt Fred Strottmann, Partner und Industry Leader M&A bei Deloitte.

M&A-Engagement nimmt deutlich zu

Mehr als 60 Prozent der Unternehmen und 42 Prozent der Private-Equity-Gesellschaften wollen ihre M&A-Aktivitäten in nächster Zeit verstärken. Neben einer optimierten Wettbewerbsposition und einer strategischen Positionierung auf den Weltmärkten stellt auch der Zugang zu talentierten Mitarbeitern eine maßgebliche Motivation dar, während die Kapitalbeschaffung unter anderem aufgrund des starken Euros nicht als problematisch gesehen wird. Generell erwarten Unternehmen geringe negative Einflüsse der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen auf ihre M&A-Pläne. Finanzinvestoren hingegen werden bei der Kapitalbeschaffung noch mehr Vorsicht als bislang walten lassen.

Investitionen am liebsten in Europa

Europa ist die bevorzugte Region für M&A-Aktivitäten europäischer Unternehmen – Finanzinvestoren konzentrieren sich dabei eher auf Westeuropa, zeigen jedoch auch starkes Interesse an osteuropäischen Investitionen. 90 Prozent der westeuropäischen Unternehmen sind dabei auch in den westeuropäischen Märkten aktiv, wobei Osteuropa aber bereits ebenfalls eine prominente Position einnimmt. Osteuropäische Unternehmen hingegen orientieren sich hauptsächlich nach Osteuropa und hier vor allem nach Russland. Nordamerika spielt bei den M&A-Plänen west- wie osteuropäischer Unternehmen derzeit eine geringere Rolle. Generell geht der Trend zu immer mehr grenzübergreifenden Investitionen, doch agieren die Osteuropäer bereits internationaler als ihre westlichen Pendants.

Den größten Anteil am europäischen M&A-Geschehen haben die Konsum- sowie Fertigungsindustrie – noch vor Technologie, Medien und Telekommunikation in Westeuropa und Energie und Rohstoffen in Osteuropa. Doch sind gegenläufige Trends zu beobachten: In Osteuropa legen die M&A-Aktivitäten in der Konsumgüterindustrie spürbar zu, während in Westeuropa das Gegenteil der Fall ist. Zudem steht Osteuropa die Konsolidierungswelle, die Westeuropa schon erlebt hat, noch bevor. Bei der Fertigungsindustrie zeigt aber Westeuropa eindeutig mehr Dynamik, denn Osteuropa muss bei Akquisitionen mit den asiatischen Wachstumsmärkten konkurrieren, die hier eine Top-Position einnehmen.

Weiche Faktoren geben Ausschlag für Erfolg

Mergers & Acquisitions sind stets mit Risiken behaftet. Erfolgreiche Investoren legen in der Due-Diligence-Phase neben den klassischen Bereichen besonderen Wert auf Umweltaspekte und gesetzliche Rahmenbedingungen sowie die vorherrschenden Anti-Korruptionsregulierungen. Fragen nach der Profitabilität und anderen finanziellen Aspekten werden somit um „weiche“ Faktoren erweitert. Doch auch hier lassen sich Unterschiede zwischen west- und osteuropäischen Investoren identifizieren: Letztere richten ihre Aufmerksamkeit eher auf die geltende Gesetzgebung, während Umweltaspekte in den Hintergrund treten.

In der Ausführungsphase einer Transaktion sind es klar Private-Equity-Gesellschaften, die Best Practices vorgeben. Sie planen im Vorfeld die Zeit nach der Fusion, definieren langfristige Ziele und Messkriterien für den M&A-Erfolg. In der Post-Merger-Phase zeichnen sich die Erfolgreichen in erster Linie durch die Beachtung kultureller Faktoren sowie eine konsistente Human-Resources-Strategie aus.

„Der richtige Umgang mit den beteiligten Menschen ist einer der zentralen Erfolgsfaktoren: Eine explizite Strategie muss sicherstellen, dass Schüsselfunktionen dem Unternehmen erhalten bleiben – hierzu ist vor allem eine Kommunikationsstrategie notwendig, die sämtliche Stakeholder einbezieht. ‚Soft skills’ werden heute vielfach noch unterschätzt – am Beispiel erfolgreicher M&As lässt sich ihr Stellenwert aber deutlich erkennen“,

resümiert Christoph Röper, Partner und Leiter der europäischen M&A-Initiative bei Deloitte.

[po; Quelle: Deloitte; Bild: Fotolia.com]

Dazu im Management-Handbuch

Ähnliche Artikel