FachbeitragInterkulturelle Kompetenz

Bewusster Umgang mit fremden Kulturen

Geschäftstermine im Ausland, ein Praxissemester auf einem anderen Kontinent oder aber der Besuch der europäischen Filiale – Reisen ins Ausland sind in vielen Firmen an der Tagesordnung. Die Auswahl der Reisenden beschränkt sich auf das benötigte Sach- und Fachwissen, weniger auf Menschenkenntnis und die Kompetenz, sich in anderen Kulturen zu bewegen. Fettnäpfchen und Stolpersteine sind deshalb vorprogrammiert, denn nichts ist so bunt wie die Welt und die Menschen, die sie ausmachen.

Wie bei allen ersten Begegnungen entscheiden die ersten Sekunden über einen ersten Eindruck. Gilt eine gemeinsame Sprache, ist eine Hürde schon einmal genommen, die nächste besteht im Händedruck. Erlaubt oder nicht erlaubt? Dabei wurde die allererste Frage einer Begegnung gar nicht gestellt: Gilt das deutsche Gebot der Pünktlichkeit?

•          Sachlich

•          Zielorientiert

•          Unlustig

dies sind die Zuschreibungen, die in Deutschland bei Verhandlungen gelten. Sie verursachen die mulmigen Gefühle, die Deutsche haben, wenn sie mit europäischen Partnern oder jenen aus Lateinamerika verhandeln. In diesen Gesprächen wird mehr Wert auf „Nebensächlichkeiten“ gelegt denn auf Fakten und Sachinformationen. Kaffee trinken, miteinander reden und sich kennenlernen sind wichtige Elemente; manchmal ist ein gemeinsames Geschäftsessen entscheidend für eine Zusage und nicht die Qualiätsargumente. Über diese Hürde des Miteinanders springen zu müssen, ist für viele Fach- und Führungskräfte mehr als schwer.

            TIPP: Suchen Sie sich einen Gesprächspartner, der schon einmal mit dieser Abteilung im Ausland zu tun hatte. Fragen Sie ihn nicht nach Fakten, sondern danach, was ihm besonders komisch vorgekommen ist oder worüber er sich gewundert hat. Eine bessere Alternative ist die, sich im  Zielland eine Person zu suchen, die als Guide und Hilfestellung für alle ! Fragen zur Verfügung steht.

Jeder Reiseführer erläutert die kulinarischen Spezialitäten im fernen Land. Gibt es gerade aus religiösen Gründen gewissen Speiserituale, ist es unumgänglich, sich damit auseinanderzusetzen. So fehlen in manchen Ländern Messer und Gabel, in anderen sind bestimmte Gerichte absolut tabu.

Nationalgerichte werden gern von Geschäftspartnern angeboten, weil ein gewisser Stolz damit verbunden ist. Inwiefern diese den deutschen Essgewohnheiten entsprechen, ist vielen nicht bewusst. Um als deutscher Gast keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen, empfiehlt es sich, eine Kostprobe zu nehmen, auch wenn dies schon Überwindung kostet.

Ob Frau oder Mann – dies zieht in vielen Ländern bestimmte Verhaltensweisen nach sich. In arabischen Ländern werden Frauen maximal mit einem Kopfnicken begrüßt, ein Händeschütteln ist Tabu. Jedoch sind Gesprächspartnerinnen aus deutschen Unternehmen durchaus nicht fehl am Platz. Was unterlassen wird, ist jeglicher Körperkontakt zwischen Männern und Frauen.

Selbiges kann Frauen auch in Russland passieren. Hier werden sie nicht mit Handschlag begrüßt, während es zwischen männlichen Geschäftspartnern, die sich schon lange und gut kennen, durchaus zu Umarmungen und einem Wangenkuss kommen kann. Als Gast spielt die persönliche Distanzzone an dieser Stelle keine Rolle. Während die Herzlichkeit im osteuropäischen Raum ehrlich gemeint ist, hat sie in den USA nur Show-Charakter. Ein „friend“ ist kein Freund, sondern jemand, den man kennt. Und lädt ein Amerikaner privat zum Essen ein, so hat er dies nicht automatisch ernst gemeint.

Wie auch in der Heimat sind nicht alle Menschen gleich. Was für den einen gilt, ist für andere gar kein Thema. Deshalb empfiehlt es sich nicht nur, Reiseführer zu lesen und sich zu informieren, sondern auch die eigenen Gewohnheiten in Frage zu stellen und die persönliche Resilienz zu überprüfen. Dann fällt es leicht, mit einem Klischee im Kopf zu starten und sich mit entgegengesetzten Reaktionen konfrontiert zu sehen. Nur Gelassenheit, Souveränität und ein gutes Selbstwertgefühl helfen auch bei Fettnäpfchen und Stolpersteinen.

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