FachbeitragRückschaufehler

Betrachten wir Ereignisse im Nachhinein, neigen wir dazu, sie systematisch falsch zu bewerten. Wir sagen: „Das musste ja so kommen!“, oder: „Das war doch vorhersehbar!“ Warum hat aber dann damals niemand diese Entwicklung vorhergesehen?

Mit unserem heutigen Wissen, vor allem mit dem Wissen über den Ausgang der Geschichte, ist es leicht, die Bankenkrise von 2007 oder den Ausbruch eines Weltkriegs, ja sogar die Ereignisse vom 11. September 2001 vorherzusehen. Nur damals, kurz bevor sich die Ereignisse abspielten, lagen diese Informationen nicht vor oder sind im Wust anderer Informationen untergegangen.

Hindsight Bias

Den Fehler, den wir bei der Bewertung einer „Vorhersage der Vergangenheit“ machen, nennt man „Rückschaufehler“ oder, auf Englisch und deshalb viel wissenschaftlicher, „Hindsight Bias“. Wenn wir diesen Fehler machen, denke wir fälschlicherweise, wir seien viel schlauer als die Menschen damals, weil diese die Entwicklung nicht bemerkt haben, während sie für uns klar auf der Hand liegt.

Eine andere Klasse des Rückschaufehlers wird durch folgende Überzeugung ausgedrückt: „Glück und Pech sind auf lange Sicht gerecht. Man kann einmal Glück haben, ja sogar mehrmals. Wer aber die ganze Zeit Glück zu haben scheint, muss etwas richtig machen. Genauso wie jemand, der die ganze Zeit Pech zu haben scheint, grundsätzliche Fehler macht.“ Aber stimmt das?

1.000 Firmen gehen Pleite

Machen wir einmal ein Gedankenexperiment: 1.000 Firmen werden gegründet. Nun muss der Geschäftsführer jeder Firma alle 2 Jahre eine Entscheidung treffen, die die Firma entweder prosperieren oder insolvent werden lässt. Für diese Entscheidung liegen wie im wirklichen Leben nie genügend Daten vor. Zum Glück haben die Geschäftsführer alle eine guten Business-School besucht, die ihnen beigebracht hat: „Wenn Sie nicht genügend Daten haben, um eine Entscheidung rational begründet treffen zu können, treffen Sie sie trotzdem. Würfeln Sie!“ Und so würfeln die Geschäftsführer und alle 2 Jahre gehen zufällig verteilt die Hälfte der Firmen Bankrott, der anderen Hälfte geht es umso besser. Nach ca. 20 Jahren ist noch eine Firma übrig (wegen 2^10=1024). Der Geschäftsführer dieser Firma ist nun der Shooting-Star der Branche, er hat 20 Jahre lang richtige Entscheidungen getroffen, und auch er selbst ist inzwischen davon überzeugt: „Ich wusste das immer schon vorher!“ Wenn er jetzt in Rente gehen kann, hat er wirklich Glück gehabt, denn er hat in seinem Geschäftsleben nie eine falsche Entscheidung mit weitreichenden Folgen gefällt. Sein Ruf wird ihn also überleben, möglicherweise wird er sogar Gastdozent an einer Uni.

Nun wird kein Geschäftsführer eine weitreichende Entscheidung treffen, indem er würfelt, zumindest wird er das nicht zugeben. (Es soll allerdings Wirtschaftsbosse geben, die zur Wahrsagerin gehen.) Aber Zufall spielt bei einer Entscheidung immer eine große Rolle.

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