Winfried W. Weber (Hrsg.)Versteht die Realwirtschaft noch, was die Finanzwirtschaft tut?

Zwischen Unternehmen, die Produkte herstellen oder Dienstleistungen erbringen, und denen, die mit viel Geld jonglieren, ist ein tiefer Graben entstanden. Die Autoren loten diesen aus und zeigen Brücken auf. Sie machen sichtbar, welche Verantwortung Manager tragen - in der Tradition des Management-Vordenkers Peter Drucker.

Ziel und Zweck der Finanzwirtschaft ist das Geld und seine Vermehrung. Auch mit dem Risiko, dass es vernichtet wird. Die Fülle der Finanzinnovationen der letzten Jahre hat dazu geführt, dass dieses Risiko größer geworden ist und seit der sogenannten Bankenkrise ist dies ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gelangt.

Die Manager der Realwirtschaft wollen auch Geld verdienen, aber sie produzieren eben auch hilfreiche Produkte, oder sie helfen oder unterhalten Menschen. Von der Finanzwirtschaft erwarten sie Kredite, wenn sie Geld benötigen oder sichere und rentable Anlagen, wenn sie welches übrig haben. Was sie erkennen müssen, ist eine Finanzwirtschaft, die sich vor allem um sich selbst dreht und in der die Realwirtschaft nur noch am Rande vorkommt oder der sie unverständliche und riskante Produkte verkaufen kann.

So sind tiefe Gräben entstanden, die Winfried Weber, Professor der Hochschule Mannheim, und seine Autoren in diesem Sammelband ausloten und die sie überbrücken wollen. Sie sehen sich aber weniger als Ratgeber, sondern als Spurensucher und Reflektierer. Und sie tun dies aus ihrer jeweiligen Perspektive, insbesondere der Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Bezüge, die Weber und seine Autoren herstellen, sind sehr anregend, hintergründig und differenziert. Sie stellen Beziehungen zwischen unterschiedlichen Wissenschaftsfeldern und zwischen Theorie und Praxis her.

Grundlegend ist dabei immer auch das Denken Peter Druckers, der Management nicht nur aus der Praxis der alltäglich notwendigen Entscheidungen und Handlungen sieht, sondern auch aus ihrer institutionellen und gesellschaftlichen Perspektive. So sind alle Beiträge dieses Buches entstanden im Rahmen eines Executive Round Tables der Peter Drucker Society of Mannheim.

Im ersten Teil analysieren Winfried Weber, Joseph Maciarello, Dirk Baecker, Amar Bihdé, Christine Bortenlänger und Dieter Puchta die Funktionen, Verwerfungen, Irritationen und Gräben der Finanz- und Realwirtschaft. Sie beschreiben und erläutern aus ihrer jeweiligen Perspektive, wie sich dieses Verhältnis entwickelt hat und worin die Probleme (und mögliche Lösungen) seit der Bankenkrise bestehen. Dabei geht es ihnen nicht nur um den wirtschaftlichen, sondern immer auch um den gesellschaftlichen und kulturhistorischen Aspekt.

Im zweiten Teil des Buches interviewen Winfried Weber und die Redakteurin der Süddeutschen Zeitung Dagmar Deckstein eine Reihe von Experten aus der Wissenschaft, der Realwirtschaft und der Finanzwirtschaft. Dazu gehören unter anderem

  • die Banker Karl Matthäus Schmidt, Lutz Raettig und Nikolaus Närger
  • den Unternehmer Ernst Prost (Liqui Moly)
  • den Managementvordenker Henry Mintzberg

Zu diesen Interviews stellt Weber Beiträge des Trendforschers Axel Gloger, des Unternehmensberaters Herman Simon (Autor von „Hidden Champions“) und des ehemaligen Telekom-Personalvorstands Thomas Sattelberger.

Diese Beiträge bieten dem Leser eine Fülle von anregenden Gedanken, spitzer Meinungen und differenzierter Erfahrungen. So entsteht ein vielschichtiges Bild von Management, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen. Immer wieder wird dabei auch herausgearbeitet, welche Verantwortung Manager der Real- und der Finanzwirtschaft aus gesellschaftlicher Perspektive tragen – und wo und warum manche dieser Verantwortung nicht nachkommen. Wenn junge Menschen in der Ausbildung zum Betriebswirt oder Manager dieses Buch lesen, werden sie vielmehr über die Welt der Wirtschaft lernen können als durch manches Lehr- und Formelbuch.

Versteht die Realwirtschaft noch, was die Finanzwirtschaft tut?
Sordon, Verlag, 2013, 256 Seiten
ISBN-10: 3981022882
ISBN-13: 9783981022889
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