InnovationsmanagementAnlässe für Innovationen

Jedes Unternehmen muss innovativ sein, um im Wettbewerb Erfolg zu haben. Doch der Aufwand, innovative Produkte, neue Dienstleistungen oder ganz andere Geschäftsmodelle zu entwickeln, ist sehr hoch. Deshalb braucht es häufig einen Auslöser oder konkreten Anlass für Innovationen.

Die Überschrift könnte auch „Zwänge zu Innovationen“ lauten, denn einige Länder haben sich in den vergangenen Jahrzehnten einen Reichtum erarbeitet, auf den kaum jemand wieder verzichten möchte. Das aber bedeutet, dass die Unternehmen in diesen Ländern weiterhin mit international begehrten Produkten und Diensten aufwarten müssen. Sie müssen sich dem internationalen Wettbewerb stellen.

Internationaler Wettbewerb

Denn die Welt ist immer in Bewegung: In den 1960er Jahren haben viele neidvoll auf das „japanische Wirtschaftswunder“ geschaut. In den 1970er und 1980er Jahren haben die „asiatischen Tiger“ erschreckt, und in der Tat spielt beispielweise Südkorea heute in der ersten Liga der High-Tech-Produktion. In den 1990er Jahren warnte man vor der Volksrepublik China, und etwas überheblich lächelnd wurden Maschinen an das Land geliefert und dann die Handtücher und Shirts gekauft. Doch heute zielt das Land mit seiner „Seidenstraßen-Konzeption“ auf eine globale Dominanz und wird demnächst Hochgeschwindigkeitszüge und Flugzeuge liefern und vielleicht ab 2020 in seiner Orbitalstation Plätze anbieten. Der Schlüssel zum Erfolg in diesem Wettbewerb lautet für die meisten Unternehmen: Innovation.

Das mag ja alles stimmen, werden Sie denken, aber solche global-strategischen Überlegungen sollen im Wirtschaftsministerium entwickelt und umgesetzt werden. Falsch: dort wird aus diesen Überlegungen vielleicht ein stringenter Rahmen einschließlich Förderstruktur abgeleitet, aber für Innovationen sind Sie mit Ihrem Unternehmen verantwortlich!

Innovationsmanagement

Innovationsmanagement meint die Initiierung, Planung und Durchführung sowie Kontrolle einer Neuerung im Unternehmen. Während die Invention auf das Hervorbringen einer Neuerung zielt, muss eine Innovation diese Idee realisieren und am Markt durchsetzen. Neue Produkte und Dienste stehen zumeist im Licht der Öffentlichkeit oder zumindest der Nutzer. Neuerungen in Prozess und Organisation sind eher innerhalb des Unternehmens von Bedeutung. Neuerungen können sich aber auch auf die Marktarbeit beziehen.

Innovationsmanagement kann sich auf weltweit neue Entwicklungen im technischen Bereich beziehen und kann dann zu einem Patentschutz führen, Innovationsmanagement kann aber auch die erfolgreiche Adaption längst existierender Entwicklungen zum Ziel haben.

Während die Innovationsstrategie die Ziele, den Rahmen und die Marschrichtung für Innovationen des Unternehmens aufzeigt, schafft das Innovationsmanagement die Grundlagen, Systeme und Werkzeuge, um die Vorgaben der Innovationsstrategie zu erfüllen.

Was Unternehmen zu Innovationen drängt

Sie würden sich vermutlich nicht mit dem Thema „Innovation“ befassen, wenn nicht Ihr Markt Sie zu Überlegungen drängt. Sie würden sich vielleicht keine Gedanken machen, wenn Ihre Kunden Sie nicht auf Unzulänglichkeiten in Ihrem Produkt oder bei Ihren Dienstleistungen ansprechen würden. Oder wenn Ihr Konkurrent nicht mit einer überraschenden Idee punktet. Wenn nicht Ihre Lieferanten Preise erhöhen mussten und Sie die nicht einfach per Aufschlag weiterreichen können. Wenn Ihr (großer) Abnehmer Sie nicht schon wieder mit Forderungen nach schnelleren Entwicklungen, nach niedrigeren Preisen, nach höherer Qualität konfrontiert.

Und dann sind da noch die Rahmenbedingungen und die knappen Ressourcen. Die Mindestlöhne machen Ihnen zu schaffen? Arbeitskräfte fehlen Ihnen? Die staatliche Bürokratie zwackt einen immer größeren Teil Ihrer Arbeitszeit für sich ab. Von den Steuern und Abgaben nicht zu sprechen? Wasser oder Strom werden teurer, die Verkehrsleistungen gleichfalls? Und die gewünschten Finanzierungen? Die Zinsen sind zwar unglaublich attraktiv, aber die Banken unglaublich zögerlich, wenn auch nur ein einziges Risiko zu bestehen scheint.

Innovatives Denken als persönlicher Anreiz

Zum Glück heißt dieser Handbuch-Abschnitt nicht „Zwänge zu Innovationen“, denn Sie sind ja von Natur aus ein kreativer Mensch. Sie sind Unternehmerin oder Unternehmer oder in einer Leitungsfunktion, weil Sie sich verwirklichen wollen. Schon immer waren Probleme Ihnen nicht ein Graus, sondern eine lockende Herausforderung.

Sie sind der Tüftler, dem ein Problem aufgestoßen ist und die angebotenen Lösungen ungenügend scheinen. Sie sind der Techniker, der nicht an das Ende der Entwicklung in Ihrem Fachgebiet glaubt. Und Sie sind die Leiterin, die nicht nur den Markt im Blick hat, sondern auch Verbesserungsmöglichkeiten im Unternehmen. Sie sind die Marketingfrau, die mit dem bisherigen Auftritt des Unternehmens unzufrieden ist. Sie sind der Logistiker, dem Umwege ein Gräuel sind und der nach Optimierungen sucht. Kurz: Mit diesem Handbuch-Kapitel werden alle (potenziellen) Innovatoren angesprochen, die nach neuen Lösungen suchen; nicht nur Techniker.

Innovationskultur

Studierende werden mitunter mit der Frage konfrontiert, welche Erfindung Thomas Edisons sie für die wichtigste halten. Und dann geht der Streit los, ob es der Phonograph oder die Glühlampe, ob es das Edison-Gewinde oder die wiederaufladbare galvanische Zelle ist, der Drehrohrofen oder der Elektrizitätszähler. Aber so großartig fast alle seiner Erfindungen sind, so werden sie doch überragt durch die Erfindung, wie man erfindet. Seine Laboratorien in Menlo-Park, die Auswahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit hoher Kompetenz, die Akzeptanz von verrückten Ideen, ihre Bewertung und die Planungen zu ihrer Umsetzung, der Streit um Lösungsansätze, die unendliche Geduld bei den Versuchsreihen, die Hinnahme von Fehlschlägen und die vehemente Umsetzung von Erfolgen in Marktgewinne, kurz, sein Innovationsmanagement!

Alle im Unternehmen können dazu beitragen, den Erfolg im internationalen Wettbewerb heute und morgen zu sichern, und Innovationen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die gute Nachricht ist, dass dafür nicht Erdöl oder Seltene Erden fehlen, sondern dass Sie in Ihrem Unternehmen auf eine unendliche Ressource zugreifen können: die Kreativität und Intelligenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Stöhnen Sie also nicht, wenn die Gewinnziele bei steigenden Zulieferkosten und sinkenden Abnehmerpreisen nicht zu sichern sind. Jammern Sie nicht, dass die Forderungen nach absoluter Sicherheit nicht zu erfüllen sind. Geben Sie nicht auf, wenn das neue Produkt durch ein noch neueres kannibalisiert wird. Professionalisieren Sie Ihr Innovationsmanagement.

Praxis

Wenn Innovationen für Ihr Unternehmen eine genauso entscheidende Rolle spielen wie für viele andere, dann sollten Sie im ersten Schritt ermitteln, welche Zwänge, welche Motive für Innovationen bei Ihnen eine Rolle spielen und welche Funktion und Aufgaben Sie persönlich dabei haben.

In der folgenden Vorlage finden Sie dazu einige relevante Aspekte und Fragestellungen, die Ihnen beim Zusammenstellen von Einflussfaktoren, Rahmenbedingungen und Treibern helfen. Sie können diese anpassen und erweitern. Außerdem sollten Sie die jeweiligen Faktoren bewerten und die Bedeutung für Ihr Unternehmen und Ihr Innovationsmanagement damit beurteilen und sichtbar machen.

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