EntsorgungslogistikBedeutung der Entsorgungslogistik

Die Entsorgung von Abfällen ist für viele Unternehmen mit hohen Kosten und viel Aufwand verbunden. Deshalb braucht es durchdachte Konzepte mit klaren Zielen, die zeigen, was im Bereich Entsorgungslogistik verbessert oder überhaupt getan werden muss. Mit den Vorlagen in diesem Handbuch-Kapitel machen Sie eine Bestandsaufnahme und erkennen Möglichkeiten für Verbesserung und Optimierung.

Abfallwirtschaft und Entsorgung als Aufgabe im Unternehmen

In den letzten Jahren hat die Entsorgung stark an Bedeutung gewonnen. Für diese Entwicklung waren folgende Einflussfaktoren von Bedeutung:

  • steigende Entsorgungskosten durch knapper werdenden Deponieraum und Akzeptanzprobleme der Müllverbrennung
  • gestiegenes Umweltbewusstsein von Bevölkerung und Unternehmen
  • Umweltverträglichkeit als Wettbewerbsfaktor
  • strengere gesetzliche Rahmenbedingungen
  • immer mehr entsorgungspflichtige Produkte

Bei der betrieblichen Leistungserstellung fallen in Industrieunternehmen Produkte an, die weder in der eigenen Fertigung noch in anderen Betriebsbereichen verwendet werden. Für diese Produkte wird in der Regel der Sammelbegriff Abfall verwendet. Die Abfallentsorgung ist eine zentrale Aufgabe der betrieblichen Abfallwirtschaft.

Die Abfallentsorgung im Sinne des Gesetzes ist die Verwertung und Beseitigung von Abfällen. Sie umfasst die Aufgabenbereiche Abfallverwertung, auch Recycling genannt (Gewinnen von Stoffen oder Energie aus Abfällen), die Ablagerung sowie die hierzu erforderlichen Maßnahmen des Sammelns, Beförderns, Behandelns, Lagerns und die endgültige Entledigung von Rückständen.

Entsorgungslogistik

Die Entsorgungslogistik umfasst alle operativen und dispositiven Tätigkeiten, die auf Rückführung von Realgütern, insbesondere Rückständen, ausgerichtet sind. Unter Rückständen versteht man Güter, die als ungewollte Kuppelprodukte während der Produktentstehung und Produktverwendung anfallen. Daneben sind auch Leergut, Retouren, ausrangierte Betriebsmittel (Maschinen) und Austauschaggregate Gegenstände der Entsorgungslogistik.

Ziele der Entsorgungslogistik

Die Entsorgungslogistik als Funktion im Unternehmen hat eine attraktive Entsorgungsdienstleistung zu gewährleisten. Sie muss die Kosten reduzieren und die Entsorgung möglichst als Profit-Center organisieren und ausbauen. Dazu fordert und fördert die Entsorgungslogistik insbesondere:

  • Zusammenarbeit von Entwicklung, Entsorgung, Einkauf, Produktion, Logistik und Marketing schon in der Entwicklungsphase von Produkten
  • Entwicklung ökologisch und ökonomisch optimaler Produkte, Bauteile und Materialien
  • geringer Energie- und Materialaufwand sowohl in der Herstellung wie auch in der Entsorgung
  • hohe Wieder- und Weiterverwertbarkeit der Produkte und Baugruppen
  • leichte Demontage und Reparaturfreundlichkeit der Produkte
  • Reduzierung der Verpackungskosten
  • optimale Anpassung der Produkte auf die Transportbehälter
  • Standardisierung der Verpackung und Transportbehälter
  • optimale Weiter- und Wiederverwendung gebrauchter Produkte

Gegenstand der Entsorgungslogistik

„Abfall“ dient häufig als Sammelbegriff für alle Arten von Produkten, die für den eigentlichen Betriebszweck nicht mehr benötigt werden. Während Wertstoffe dem Recycling zugeführt werden, gibt es derzeit für Abfälle nur begrenzte technische oder wirtschaftliche Verwertungsmöglichkeiten. Meistens werden sie thermisch verwertet (verbrannt). In der Praxis wird dabei nach A, B und C-Abfällen unterschieden. A-Abfälle haben eine hohe thermische Verwertbarkeit und werden von den Entsorgungsunternehmen bevorzugt entgegengenommen. Dagegen haben C-Abfälle eine geringe thermische Verwertbarkeit. Sie verursachen deshalb insgesamt höhere Kosten.

Weitere Objekte, die zur Entsorgungslogistik zählen, sind:

  • bewegliche Sachen, deren sich der Besitzer entledigen will, oder deren Entsorgung im öffentlichen Interesse ist,
  • Abluft, das heißt nicht gefäßgehaltene gasförmige Stoffe (geregelt durch das Bundesimmissionsschutzgesetz)
  • Abwasser, das heißt alle Stoffe, die in Gewässer, Kanalisationen und Kläranlagen eingeleitet werden
  • Leergut, das heißt Verpackungen und Transporthilfsmittel

Diese Objekte der Entsorgungslogistik lassen sich unterteilen nach:

  • der Art des ökonomischen Basisprozesses
  • ihrer Verwertbarkeit
  • ihrer Gefährlichkeit
  • ihrem ökonomischen Wert

Für alle diese Objekte gilt der Grundsatz: Vermeidung vor Verwertung und Entsorgung.

Nachhaltigkeit

Neben der Entsorgung spielt die Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle innerhalb und in der Außenwirkung und Außenwahrnehmung des Unternehmens. Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde erstmals von Hans Carl von Carlowitz (1645- 1714) in seinem Werk zur Forstwirtschaft 1713 genannt. Damals fand eine massive Waldabholzung statt. Hans Carl von Carlowitz empfahl daher eine „nachhaltige“ Waldbewirtschaftung; das heißt, es sollte jährlich nur die Menge an Holz aus dem Wald entnommen werden, die in der gleichen Zeit wieder natürlich nachwächst. Oft wird der Begriff der Nachhaltigkeit in Verbindung mit den Compliance Regeln (Code of Conduct) gebracht. Ein Produkt, das günstig im Einkauf ist, aber hohe Kosten in der Entsorgung verursacht, ist beispielsweise nicht nachhaltig.

Hintergrund: Entsorgungswirtschaft

Ökologische Probleme, die Verknappung der Ressourcen, erhöhte Kosten der Entsorgung und ein verändertes Umweltbewusstsein sind Gründe für die Bedeutung der Entsorgungslogistik im Unternehmen. Nach einer Studie der britischen Ellen MacArthur Foundation könnten alleine die Nahrungsmittel-, Verpackungs- und Kleidungsindustrie pro Jahr rund 700 Mrd. US-Dollar sparen, wenn sie ein besseres Recycling durchführen würden. Diese Branchen haben ein weltweites Marktvolumen von 3,3 Billionen US-Dollar, und nur etwa 20 Prozent der Rohstoffe werden momentan wiederverwertet. In Deutschland produzieren die Haushalte pro Kopf und Tag 1,2 Kilogramm, pro Jahr also 450 Kilogramm Abfall, die entsorgt werden müssen.

Praxis

Klären Sie für Ihr Unternehmen:

  • Welchen Stellenwert haben Abfall, Recycling, Entsorgung und Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen?
  • Wer im Unternehmen ist für das Thema Entsorgung verantwortlich und wer kümmert sich um alle operativen Maßnahmen?
  • Welche besonderen Probleme oder Risiken erkennen Sie im Bereich Entsorgung und Entsorgungslogistik in Ihrem Unternehmen?
  • Wie werden diese bislang gelöst?
  • Haben Sie einen Abfallbeauftragten, der sich um diese Fragen kümmert, oder benötigen Sie einen Abfallbeauftragten?
  • Verwenden Sie Gefahrenstoffe im Unternehmen, in der Produktion oder im Lager?
  • Müssen Mitarbeiter nach den gesetzlichen Vorschriften entsprechend regelmäßig geschult oder unterwiesen werden?
  • Haben Sie eine Projektgruppe bestehend aus Entwicklung, Einkauf, Produktion, Logistik und Qualitätsmanagement, die sich übergreifend mit Vermeidung und Behandlung von entsorgungspflichtigen Stoffen befasst?
  • Haben Sie bereits ein Abfallverwertungskonzept installiert?
  • Wissen Sie die Höhe der Erträge und Kosten ihre Abfälle?

Nutzen Sie die folgenden Vorlagen, um Ihre Ziele für die Entsorgungslogistik zu formulieren und um eine Bestandsaufnahme durchzuführen.

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