EntsorgungslogistikBeispiele zur Entsorgung von Abfällen und Reststoffen

Entsorgung im Unternehmen meint mehr als Abfälle sammeln und sich deren entledigen. Deshalb hat die Entsorgungslogistik auch viel mehr Möglichkeiten und Aufgaben. Im Kern geht es darum, Abfälle zu vermeiden und falls sie doch entstehen: sie richtig zu trennen und in die geeigneten Prozesse zu führen. Hier finden Sie einige Beispiele.

Überblick über die verschiedenen Arten der Entsorgung

Der Abfallbeauftragte im Unternehmen hat auf die richtige Entsorgung zu achten. In einem metallverarbeitenden Unternehmen sind zum Beispiel Schrott, Metallausschüsse, Metallspäne unterschiedlichster Art, Hausmüll, Verpackungen, Papiere und Kartons, Folien, Plastik, Bioabfälle und Kartons zu entsorgen.

Weitere Aufgabenbereiche für den Abfallbeauftragten sind:

  • der Verkauf von Edelschrott (Elektronikbörse, Computersoftware, Hardware)
  • die Optimierung von Entsorgungsleerfahrten
  • die Lieferantenbeurteilung: Lieferanten von umweltgerechten Produkten werden bevorzugt
  • die Standardisierung von Behältern und Werkzeugen (VDA-Einheitsbehälter, ISO-Container, Paletten), Einsatz von Containern

Alles, was unmittelbar Zweck der Herstellung und Produktion eines Unternehmens ist, wird als Produkt oder Nebenprodukt bezeichnet; alles, was darüber hinaus entsteht oder anfällt, als Abfall. Das sind „alle Stoffe oder Gegenstände, derer sich ihr Besitzer entledigt, entledigen will oder entledigen muss“ (§3 KrWG). Je nachdem, wie dieser Abfall behandelt wird, unterscheidet das Gesetz Abfälle zur Beseitigung und Abfälle zur Verwertung; letztere werden hier auch als Reststoffe oder Wertstoffe bezeichnet.

Die nachfolgende Tabelle 1 benennt die dabei relevanten Begriffe und zeigt eine organisatorische Gliederung der Entsorgungsmöglichkeiten.

Tabelle 1: Möglichkeiten und Aufgabenbereiche der Entsorgungslogistik

Entsorgungsstrategien

Die folgende Tabelle 2 zeigt die unterschiedlichen Entsorgungsstrategien mit möglichen praktischen Anwendungen. Aufgabe der Entsorgungslogistik und der Abfallwirtschaft im Unternehmen ist es, für alle Materialien, Stoffe, Teile, Produkte, Anlagen oder Geräte, die entsorgt werden sollen, den richtigen Entsorgungsweg zu finden und diesen als Entsorgungsstrategie zu verfolgen. Maßgeblich dabei sind:

  • gesetzliche Anforderungen
  • Kosten und Erträge
  • Umweltschutz und Gesundheitsschutz im Unternehmen
  • Auswirkungen auf das Unternehmensimage

Wichtig: Es gilt der Grundsatz Vermeidung vor Reduzierung vor Verwendung vor Verwertung vor Beseitigung.

Tabelle 2: Unterschiedliche Entsorgungsstrategien, Beispiele und Inhalte

Einsatzmöglichkeiten in der Industrie am Beispiel Automobil

Ab dem Jahr 2015 dürfen bei ausgedienten Autos nur noch 5 Prozent ihres Gesamtgewichts als Abfall übrigbleiben, denn die EU-Kommission will die Recyclingquote bei Autos auf 95 Prozent erhöhen. Mindestens 85 Prozent der Materialien müssen durch Materialrecycling wiederverwendet, 10 Prozent dürfen energetisch verwertet und nur noch 5 Prozent deponiert werden.

Dies kann unter anderem durch eine recyclinggerechte Fahrzeuggestaltung und durch den Aufbau von Stoffkreisläufen und Verwertungsmöglichkeiten erreicht werden. Beispielsweise wird beim Hersteller Daimler im Rahmen der umweltgerechten Produktentwicklung das Recycling bei der Konstruktion der Fahrzeuge berücksichtigt. Ansatzpunkte sind die Gewichtsreduzierung, der Einsatz von nur wenigen und umweltverträglichen Kunststoffen, die hohe Recyclingfähigkeit der Materialien und Betriebsstoffe sowie die Verwendung von Sekundärwerkstoffen für weniger beanspruchte Karosserieteile.

Beispiel: Materialeinsatz in der V-Klasse

In der V-Klasse lassen sich mehr als 85 Prozent der Materialien und Betriebsstoffe verwerten und für nochmals 5 Prozent besteht weiteres technisches Potenzial. Das Kunststoffrecycling wird durch die Verringerung der Werkstoffvielfalt erleichtert. Große Kunststoffteile, wie die Stoßfänger oder der Unterbodenschutz, werden nur noch aus einer Kunststoffsorte hergestellt. Viele Bauteile, wie Abdeckleisten, Ölfilter, Verkleidungsteile und schwarze Innenteile, können ganz oder teilweise aus recycelten Kunststoffen hergestellt werden.

Im Fahrzeugbau werden bei Daimler immer weniger Gefahrstoffe, wie zum Beispiel Schwermetalle, eingesetzt. Blei, Chrom IV und Quecksilber, Stoffe die zum Beispiel bei der Starterbatterie, als Legierungszusatz oder bei Xenon-Scheinwerfern verwendet werden, können fast vollständig kontrolliert verwertet oder entsorgt werden.

Durch den Einsatz intelligenter Wartungssysteme, die die tatsächliche Beanspruchung des Motors ermitteln, werden bei Mercedes die Ölwechselintervalle ausgedehnt. So sparen die neu zugelassenen Mercedes-PKW schätzungsweise über eine Million Liter Motorenöl jährlich.

In der Automobilindustrie werden außerdem Motoren und Getriebe aufgearbeitet, die die gleiche Garantie wie Neuteile bekommen. In Zusammenarbeit mit ihren Zulieferern werden bei Daimler mehr als 1.000 Teile aufgearbeitet und als Tauschteile für zeitwertgerechte Reparaturen verwendet.

Entsorgungsstrategien im McDonalds-Konzern

Das Abfall-Management-System der McDonalds GmbH erfolgt nach dem Grundsatz: „vermeiden – vermindern – verwerten – entsorgen“. Das 1991 eingeführte Recyclingsystem gilt in allen McDonalds Filialen und wird ständig angepasst. Über 40 Prozent des anfallenden Abfalls kann durch das eigene Recyclingsystem einer Wiederverwertung zugeführt werden.

In den Restaurants werden Kartonagen, Verpackungsfolien, organische Abfälle, gebrauchtes Frittieröl, Zeitungen, Beleuchtungskörper und PET-Flaschen getrennt gesammelt und für das Recycling bereitgestellt. Diese Abfälle werden dann zwei- bis dreimal pro Woche von Recyclingunternehmen abgeholt.

Über 50 Prozent des Abfalls werden von den Gästen verursacht. Das sind Papier, Kunststoff, Kartonagen, Feuchtigkeit und zu einem geringen Teil Essensreste. Die Kartonagen werden in Papier- und Kartonagenfabriken zu neuem Karton aufbereitet. Die Verpackungsfolien werden nach einer Reinigung in Granulat umgewandelt und für neue Produkte aus Polyethylen wie Kehrrichtsäcke, Filmspulen oder Computergehäuse verwendet.

Die eingesetzten Service oder Takeaway-Verpackungen erfüllen die Vorgaben zur Umweltverträglichkeit und bestehen im Durchschnitt zu 80 Prozent aus Papier und Karton und zu 20 Prozent aus Kunststoff. Die Papier- und Kartonverpackungen bestehen zu 56 Prozent aus Recyclingfasern.

Das gebrauchte Frittieröl von McDonald ist ein wertvoller Energieträger und ein Rohstoff zur stofflichen Wiederverwertung. Ein Teil des gebrauchten Frittieröls wird als Rohstoff für neue Produkte benutzt, ein anderer Teil wird nach einem Reinigungsprozess als Treibstoff in Lastwagen verwendet, und ein weiterer Teil wird in einem Blockheizkraftwerk in Wärme und elektrische Energie umgewandelt.

Der größte Teil des Wassers in den Restaurants wird zur Reinigung verwendet. Die Produkte bei McDonald werden in speziell dafür vorgesehenen Transportverpackungen an- und abtransportiert (entsorgt), was den Transport vereinfacht.

Praxisbeispiel Merck – Verpackung Titripac

Bei Merck spielt die Verpackung eine große Rolle. Das Unternehmen verfügt daher über eine eigene Packmittelentwicklung und Packmittelzertifizierung. Volumetrische Lösungen, welche der chemischen Analyse dienen, werden im Titripac angeboten. Dies ist eine Verpackung bestehend aus einem Karton in dem sich ein Beutel mit angeschlossenem Dosierhahn befindet. Dadurch kann die Lösung direkt aus der Verpackung genau dosiert verwendet werden.

Die Konkurrenz bietet dieses Produkt in Glasflaschen an. Die innovative Verpackung von Merck reduziert das Entsorgungsvolumen für die Firma Merck und macht zusätzliche Gerätschaften überflüssig.

Praxis

Klären Sie für alle Materialien, Stoffe, Teile, Produkte, Anlagen oder Geräte in Ihrem Unternehmen, die entsorgt werden sollen:

  • Welche Entsorgungsstrategie wird bereits verfolgt?
  • Welche Strategie kann verbessert werden im Sinne von: Vermeidung vor Reduzierung vor Verwendung vor Verwertung vor Beseitigung.
  • Welche Maßnahmen sind dafür notwendig?
  • Wie müssen die Maßnahmen bewertet werden in Bezug auf rechtliche Anforderungen, Kosten und Erträge, Beitrag zum Umweltschutz und Gesundheitsschutz?

Sammeln Sie dazu unter anderem Beispiel aus anderen Unternehmen. Ermitteln Sie, wie andere Hersteller Ihrer Branche oder ähnlicher Branchen vorgehen. Erläuterungen dazu finden Sie im Handbuch-Kapitel Benchmarking.

Nutzen Sie für die Entwicklung und Beschreibung Ihrer Entsorgungsstrategie sowie für die Maßnahmenplanung die folgenden Vorlagen.

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
OK