EntsorgungslogistikEntsorgungskonzepte erstellen

Wenn der Umgang mit Reststoffen und Abfällen im Unternehmen nicht optimal ist und die Entsorgung hohe Kosten verursacht, sollte ein neues Entsorgungskonzept erstellt werden. In diesem Handbuch-Kapitel werden die Grundlagen dazu erläutert.

Die Entsorgungslogistik mit ihren vielfältigen Aufgaben ist eine Querschnittsfunktion im Unternehmen. Eine zielgerichtete Gestaltung des entsorgungslogistischen Systems kann nur in Abstimmung mit den anderen betrieblichen Funktionsbereichen erfolgen. Insbesondere der Einkauf eines Unternehmens ist mitbestimmend für die Realisierung des Ziels der Minimierung von Abfällen. Denn: Wenn der Einkauf beim Material- und Wareneinkauf bereits darauf achtet, was später potenzieller Abfall sein kann und dann mit aufwendiger Entsorgung verbunden ist, dann lassen sich mit der Beschaffung schon Kosten sparen.

Darüber hinaus müssen mit einem Entsorgungskonzept Lösungen zur Behandlung von Reststoffen und Abfällen aufgezeigt werden. Diese müssen zur bestehenden Organisationsstruktur des Unternehmens passen und auf die Prozesse, Herstellverfahren und den Materialeinsatz abgestimmt sein. Im Folgenden werden die dabei wichtigen Aspekte vorgestellt.

Fachkompetenz aufbauen

Grundlegend ist der Aufbau der Fachkompetenz innerhalb des eigenen Unternehmens. An die Entscheidungsträger eines Unternehmens werden hohe Anforderungen gestellt. Von ihnen werden Fachkenntnisse in der Abfallentsorgung- und Abfallvermeidung erwartet. Die erforderliche Fachkompetenz umfasst:

  • Kenntnisse über eine recyclingorientierte Produktgestaltung (Festlegung geeigneter Materialien und Verringerung des Materialeinsatzes)
  • systematische Bestandsaufnahme zur Minimierung der Reststoffe
  • Berechnung der Abfallstoffe vor dem Einkauf und vor der Entwicklung
  • Gestaltung der produktiven Prozesse und Verfahren, so dass Abfälle bei der Produktion vermieden oder verwertet werden
  • Klärung, unter welchen Voraussetzungen die Abfälle oder Reststoffe von den Herstellern der Rohstoffe zurückgenommen werden; hier spielt oft der Verunreinigungsgrad eine wichtige Rolle
  • Festlegung einer zentralen oder dezentralen Organisation des stoffspezifischen Transport- und Sammelsystems, abhängig von der Verwertungsstruktur des Unternehmens
  • Berechnung der betrieblichen Aufwände, Kosten und Erträge

Innerbetriebliches Entsorgungskonzept erstellen

Die Erstellung und Realisierung eines Entsorgungskonzeptes für ein Unternehmen vollzieht sich in mehreren Stufen. Dabei ist die Mitwirkung des Umweltschutzbeauftragten besonders wichtig. Die einzelnen Schritte sind:

1. Analyse des Ist- Zustandes

  • Bestandsaufnahme innerbetrieblicher Stoff- und Abfallströme
  • Klärung der organisatorischen Zuständigkeiten für Abfallbeseitigung und Verwertung
  • Zusammensetzung der Abfallstoffe und Mengenermittlung
  • Kostenermittlung (Ist-Kosten und zukünftige Kosten)

2. Entwicklung eines alternativen Entsorgungskonzeptes

  • Kontakte herstellen zu öffentlichen und privaten Abfallentsorgern
  • Überprüfung der gesetzlichen Grundlagen
  • Festlegung der innerbetrieblichen Kompetenzen

3. Einführung eines Entsorgungskonzeptes unter Berücksichtigung von

  • Kooperation mit allen internen und externen Stellen sowie dem betrieblichen Vorschlags- und Verbesserungswesen
  • Aus Kosten sollen Erlöse werden (Weiterverwertung und -verarbeitung)
  • Lieferverpflichtung zu umweltschonenden Produkten und Verfahren
  • Vereinbarung von Pfand- und Rücknahmekonzepten mit den Lieferanten und Forderung prüfbarer Nachweise der Lieferanten über umweltfreundliche Entsorgung durch Dritte
  • Reparatur von Teilen und Erhöhung der Haltbarkeit (Pflege, Anstrich, Überdachung)
  • Nutzung von Recyclingbörsen (Wertstoffbörsen, Abfallbörsen)
  • Entscheidung wieder verwendbarer Produkte sowie für umweltfreundliche Logistik und Distributionsverfahren

Abfallkonzepte entwickeln

Wesentlicher Bestandteil des Entsorgungskonzepts ist ein Abfallkonzept. Dabei muss erarbeitet werden:

  • welche Materialien und Stoffe in der Produktion benötigt werden, die im Produktionsprozess zu Abfall oder Reststoff werden können
  • welche Abfälle anfallen
  • welche Mengen diese pro Jahr und im Zeitverlauf (über mehrere Jahre) umfassen
  • wie oft und wann die Abfälle entsorgt werden müssen
  • in welcher Form diese entsorgt werden müssen oder können; zum Beispiel Wiederverwendung, Weiterverwendung, Weiterverwertung, Entsorgung, Zerlegung und stoffliches Recycling
  • Erlöse, die mit dem Verkauf werthaltiger Reststoffe erzielt werden können
  • Entsorgungskosten für Abfälle

Ein wesentlicher Aspekt des Abfallkonzepts ist, durch Abfallvermeidung und damit verbundene Maßnahmen dafür zu sorgen, dass die Entsorgungskosten für Abfälle minimiert oder eliminiert werden. Möglicherweise lassen sich diese schon vor Einsatz der Stoffe vermeiden. Wichtig ist, die kostenpflichtigen Abfallstoffe jedes Jahr kontinuierlich zu reduzieren.

Die Entsorgungslogistik ist ein immer wichtig werdender Teil der Logistik im Unternehmen und bedarf immer größerer Aufmerksamkeit. Sie ist zu Beginn oft mit hohen Kosten verbunden. Durch eine genaue Ist-Analyse des Abfallaufkommens und der Abfallströme lassen sich jedoch Strategien entwickeln, wie diese Kosten reduziert werden können. Daraus können durch geeignete Maßnahmen sogar Erlöse aus dem Abfall erzielt werden. So wie jeder andere Bereich des Unternehmens muss auch dieser ständig weiterentwickelt werden.

Entsorgung als Thema in Marketing, Vertrieb und Produktmanagement

In den Einkaufsabteilungen spielt die Recyclingfähigkeit der Produkte bereits in der Beschaffung eine wichtige Rolle. Hohe Entsorgungs- oder Recyclingkosten sind im Nachhinein den Einkaufspreisen zuzurechnen und erhöhen diese. Viele Firmen verlangen bereits bei der Ausschreibung von Aufträgen das Vorliegen praxiserprobter Entsorgungskonzepte von potenziellen Lieferanten. So kamen bei Großaufträgen von mehreren tausend Computern, die von großen Kommunen geordert wurden, nur die Firmen in die engere Wahl, die bereits im Vorfeld ein erprobtes Entsorgungskonzept für die Computer vorgelegt hatten.

Unternehmen, die schlüssige Konzepte haben zur Abfallvermeidung, Abfallverringerung, Entsorgung und zu Rücknahme und Recycling ihrer eigenen Produkte, können dies für Marketing und Vertrieb nutzen. Sie machen sich damit für ihre Kunden zu einem wertvollen Partner, weil diese wiederum Entsorgungskosten reduzieren können.

Schließlich kann im Rahmen eines Entsorgungskonzepts geprüft werden, ob das Unternehmen selbst Reststoffe und Abfälle für die Produktion nutzen kann. Möglicherweise lassen sich damit sogar ganz neue Produkte entwickeln und vermarkten. Einzelne Unternehmen wie zum Beispiel die Firma Freitag hat dies zum Geschäft gemacht: Aus alten LKW-Planen werden Taschen und Mappen hergestellt. Der deutsche Bergsportausrüster VAUDE entwickelt und vertreibt recycelte Taschen, die zum überwiegendem Teil aus ehemals alten PET-Plastikflaschen bestehen. Die PET-Mehrwegflaschen werden bis zu 25-mal wieder befüllt für Taschen und Rucksäcke weiterverwendet.

Die Oberfläche des Stoffes fühlt sich an wie echter Stoff, weich und strukturiert. Das Futter der Taschen und Rucksäcke besteht zu 100 Prozent aus recycelten PET-Flaschen. Beim Außenmaterial werden 55 Prozent PET-Garn mit 45 Prozent Polyester verwoben. Eine VAUDE-Tasche besteht damit, je nach Größe und Ausstattung aus etwa 12 Flaschen. 

Für das Unternehmen hat die Vermeidung von Abfallstoffen Priorität. Daneben müssen die Lieferanten in den Abfallkreislauf mit einbezogen werden. Deshalb sollte bei der Lieferantenbeurteilung der Punkt Entsorgung und Recycling mit aufgenommen werden, um die optimale Entsorgung auf die gesamte Wertschöpfungskette und Supply Chain zu beziehen.

Praxis

Entwickeln Sie ein Entsorgungskonzept für Ihr Unternehmen. Klären Sie dabei die folgenden Aspekte.

Organisation

Klären Sie:

  • Welche Aufgaben muss die Entsorgungslogistik in Ihrem Unternehmen übernehmen?
  • Welche Fachabteilung und welche Stellen werden mit diesen Aufgaben betraut?
  • Wem wird die Entsorgungslogistik unterstellt? Wo ist sie im Organigramm verankert?
  • Wer trägt in der Geschäftsleitung die Verantwortung dafür, dass die Entsorgungslogistik ihre Verpflichtungen erfüllt?
  • Welche Befugnisse hat die Entsorgungslogistik im Zusammenwirken mit anderen Fachabteilungen?
  • Wie sind die Schnittstellen mit den anderen Fachabteilungen organisiert? Wie erfolgt der Informationsfluss? Wie die Abstimmung?
  • Welche Werkzeuge braucht die Entsorgungslogistik? Auf welche Daten und Informationen hat sie Zugriff?

Nutzen Sie die folgenden Vorlagen, um die Aufgaben im Rahmen der Entsorgungslogistik zu planen:

Den Prozess der Entsorgungslogistik können Sie im Detail wie jeden anderen Prozess in Ihrem Unternehmen planen und steuern. Alle Details dazu finden Sie im Handbuch-Kapitel Prozessmanagement. Dort ist die folgende Vorlage zur Prozessplanung im Detail erläutert. An dieser Stelle können Sie die folgende Vorlage leicht an die Ziele und Anforderungen zur Entsorgungslogistik in Ihrem Unternehmen anpassen.

Prozesse und Abfallaufkommen

Klären Sie, woraus sich das Abfallaufkommen in Ihrem Unternehmen ergibt. Erstellen Sie Mengengerüste und Pläne zu folgenden Aspekten:

  • Materialien und Stoffe, die in der Produktion benötigt werden und die im Produktionsprozess zu Abfall oder Reststoff werden können
  • Art der Abfälle, die anfallen
  • Mengen dieser Abfälle pro Jahr und im Zeitverlauf (über mehrere Jahre)
  • Zeitpunkte, zu denen diese Abfälle entsorgt werden müssen
  • Art der Entsorgung dieser Abfälle; zum Beispiel Zuführung zu Wiederverwendung, Weiterverwendung, Weiterverwertung, Deponie, Zerlegung oder stoffliches Recycling
  • Erlöse, die mit dem Verkauf werthaltiger Reststoffe erzielt werden können
  • Entsorgungskosten für Abfälle

Stellen Sie diese Informationen in den folgenden Vorlagen zusammen. Die Beispiele dienen als Grundlage für die Erstellung von Abfallbilanzen. Die einzelnen Tabellen können betriebsspezifisch angepasst werden. Wichtig ist, dass einmal begonnen wird, ein Konzept zu erstellen und die entsprechenden Daten zu ermitteln.

Mit der folgenden Excel-Vorlage können Sie die Entsorgung der einzelnen Abfälle in Ihrem Unternehmen individuell planen und steuern. Sie legen Kostenstellen, Entsorger und Abfallarten fest und definieren dann einzelne Entsorgungsprojekte. Für jedes Projekt können Sie Abfallmengen sowie Erlöse und Kosten angeben und dann die Projekte analysieren. In unterschiedlichen Reports machen Sie Auswertungen, damit Sie jederzeit den Überblick haben.

Abfallbilanz, Entsorgungskonzept und Maßnahmenplanung

Planen Sie dann, was Sie für Vermeidung, Verwendung, Verwertung und Entsorgung von Abfällen im Einzelnen tun wollen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in Berlin hat dafür Vorlagen und Formblätter entwickelt, um betriebliche Abfallwirtschaftskonzepte und Abfallbilanzen zu erstellen und abfallwirtschaftliche Eckdaten zu erfassen. Die Formblätter (als Excel-Dateien) wurden für unterschiedliche Wirtschaftszweige ausgearbeitet:

  • Büro, Haustechnik, Kantine, Verwaltung
  • Metall - und Elektrounternehmen
  • Druckereigewerbe
  • Kfz-und Tankstellengewerbe

Die folgenden Excel-Vorlage ist ein Beispiel für ein solches Formblatt. Hier werden zahlreiche mögliche Maßnahmen genannt, die auf die unterschiedlichen Abfälle und ihre Herkunftsbereiche in Metall - und Elektrounternehmen ausgerichtet sind.

Weitere Excel-Vorlagen finden Sie unter: Betriebliche Abfallwirtschaftskonzepte und Abfallbilanzen: Erarbeitung eines Konzeptes mit Formblättern

Entwickeln Sie außerdem eine Abfallbilanz und eine Dokumentation zur Entsorgung der Abfälle mithilfe der folgenden Vorlage.

Kostenplan

Stellen Sie schließlich die Kosten für Entsorgung und für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen zusammen. Nutzen Sie dazu die folgende Excel-Vorlage.

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