EntsorgungslogistikGefahrstoffmanagement und Kennzeichnungspflicht

Besonders kritisch für die Entsorgungslogistik ist der Umgang mit Gefahrstoffen. Hier gelten strenge Regelungen sowie Pflichten zur Kennzeichnung. In diesem Handbuch-Kapitel werden die wichtigen Anforderungen zur Kennzeichnung und im Zusammenhang mit REACH erläutert.

Die Entsorgungslogistik beinhaltet das Gefahrstoffmanagement sowie dessen Kennzeichnungspflicht. Es die Aufgabe des Einkaufs zu prüfen, welche Einkaufsartikel Gefahrstoffe enthalten. Dabei ist zu bedenken, dass es manchmal besser ist, Produkte mit höherem Einkaufspreis auszuwählen, wenn sie weniger Entsorgungskosten verursachen.

Verordnung zur Kennzeichnung und Verpackung

Für die Entsorgungslogistik wichtige Regelungen ergeben sich aus der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008, auch CLP-Verordnung oder GHS-Verordnung genannt. Sie regelt die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen; „Regulation on Classification, Labelling and Packaging of Substances and Mixtures“, kurz CLP. Durch Inkrafttreten der Verordnung im Januar 2009 soll die Einstufung und Kennzeichnung von Gefahrstoffen weltweit nach GHS (Globally Harmonized System of Classification, Labelling and Packaging of Chemicals) harmonisiert werden.

Die Verordnung richtet sich an Lieferanten chemischer Stoffe und Gemische, also an:

  • Hersteller und Importeure von Stoffen
  • Importeure von Gemischen
  • nachgeschaltete Anwender von Stoffen und Gemischen (einschließlich Formulierer)
  • Händler von Stoffen und Gemischen, einschließlich Einzelhändler

Alle Lieferanten müssen sicherstellen, dass ihre Stoffe und Gemische gemäß den Bestimmungen der CLP-Verordnung gekennzeichnet und verpackt sind, bevor sie auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden. Welche Anforderungen dabei gestellt werden, hängt von der Gefährlichkeit der Stoffe und Gemische ab, also von der Klassifizierung als Gefahrstoff. Das wird mit den sogenannten H- und P-Sätzen dargestellt.

H-(Hazard) und P-(Precautionary)-Sätze

Mit der CLP-Verordnung wurden nicht nur neue Gefahrensymbole eingeführt. Auch die bisher bekannten R- und S-Sätze wurden ersetzt und zu H- und P-Sätzen. „H“ steht für Hazard Statements, also Gefahrenhinweise und „P“ für Precautionary Statements, also Sicherheitshinweise.

Gefahrenhinweise (Hazard Statements)

Sie beschreiben die Art und den Schweregrad einer Gefahr, die von einem Stoff oder Gemisch ausgeht. Beispiele für H-Sätze sind

  • H 200 Instabil, explosiv
  • H 201 Explosiv, Gefahr der Massenexplosion
  • H 202 Explosiv; große Gefahr durch Splitter, Spreng- und Wurfstücke
  • H 205 Gefahr der Massenexplosion bei Feuer
  • H 221 Entzündbares Gas
  • H 222 Extrem entzündbares Aerosol

Sicherheitshinweise (Precautionary Statements)

Sie empfehlen Maßnahmen, um schädliche Wirkungen für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt zu vermeiden oder zu minimieren. Diese Sicherheitshinweise sind beim Umgang mit den Chemikalien zu befolgen! Beispiele für P-Sätze

  • P 230   Feucht halten mit …
  • P 232   Vor Feuchtigkeit schützen
  • P 233   Behälter dicht verschlossen halten
  • P 234   Nur im Originalbehälter aufbewahren

Hinweis: R-Sätze und S-Sätze

Bei R-(Risiko)-Sätze und S-(Sicherheits)-Sätze handelte es sich ebenfalls um kodifizierte Warnhinweise zur Charakterisierung der Gefahrenmerkmale von Gefahrstoffen. Sie waren mit einer Übergangsfrist bis 2015 gültig.

Im Rahmen der Entsorgungslogistik sollte die Schnittstelle zum Gefahrstoffmanagement betrachtet werden. Gefahrstoffe wie Chemikalien unterliegen im gesamten Wertschöpfungsprozess einer besonderen Kontrolle. Ein wichtiger Teil ist hierbei die korrekte Kennzeichnung, um ein hohes Schutzniveau für Mensch und Umwelt sicherstellen zu können.

Wichtige Inhalte sind Regelungen zu den zwei Informationsinstrumenten:

  • Sicherheitsdatenblatt
  • Kennzeichnungsetiketten

Sicherheitsdatenblatt

Nach der CLP-Verordnung stellt der Lieferant eines gefährlich eingestuften Stoffes oder Gemisches dem Abnehmer ein Sicherheitsdatenblatt kostenlos zur Verfügung. Das Sicherheitsdatenblatt enthält folgende Rubriken:

  1. Bezeichnung des Stoffes oder Gemisches und Firmenbezeichnung
  2. mögliche Gefahren
  3. Zusammensetzung, Angaben zu den Bestandteilen
  4. Erst-Hilfe-Maßnahmen
  5. Maßnahmen zur Brandbekämpfung
  6. Maßnahmen bei unbeabsichtigter Freisetzung
  7. Handhabung und Lagerung
  8. Begrenzung und Überwachung der Exposition/ persönliche Schutzausrüstung
  9. physikalische und chemische Eigenschaften
  10. Stabilität und Reaktivität
  11. toxikologische Angaben
  12. umweltbezogene Angaben
  13. Hinweise zur Entsorgung
  14. Angaben zum Transport
  15. Rechtsvorschriften
  16. sonstige Angaben

Kennzeichnungsetiketten

Die im Sicherheitsdatenblatt bereitgestellten Informationen finden sich auch auf dem Kennzeichnungsetikett des Produktes wieder, um auf einen Blick sicherheitsrelevante Informationen bereitzustellen. Das Kennzeichnungsetikett beinhaltet folgende Informationen: Symbole, dazugehörige Gefahrenbezeichnungen und H- und P-Sätze. Wie die Kennzeichnung auf Produkten gestaltet werden soll, zeigen folgende Abbildungen 1 und 2:

Abbildung 1: Einsprachiges Kennzeichnungsetikett für einen Stoff (nicht für die breite Öffentlichkeit)
Quelle: European Chemicals Agency: Leitlinien zur Kennzeichnung und Verpackung gemäß Verordnung (EG) Nr. 1272/2008, 2016
Abbildung 2: Einsprachiges Kennzeichnungsetikett eines Gemisches, das sowohl obligatorische als auch nicht-obligatorische ergänzende Informationen enthält (Abgabe an die breite Öffentlichkeit)
Quelle: European Chemicals Agency: Leitlinien zur Kennzeichnung und Verpackung gemäß Verordnung (EG) Nr. 1272/2008, 2016

REACH-Verordnung und ihre Umsetzung

Die REACH-Verordnung, Verordnung (EG) Nr. 1907/2006, steht für „Registration, Evaluation, Authorization and Restriction of Chemicals“. Sie regelt die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe innerhalb der EU. REACH enthält auch Bestimmungen zur Weitergabe von Stoffinformationen innerhalb der Lieferkette. Die Europäische Kommission, die Europäische Chemikalienagentur (European Chemicals Agency, ECHA) in Helsinki als zuständige zentrale Behörde und die EU-Mitgliedstaaten berichten regelmäßig über die Fortschritte. Die erste größere Überprüfung von REACH erfolgte 2012.

Die Verordnung ist seit 2007 in Kraft. Sie soll ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sicherstellen. Hierbei sollen Hersteller, Importeure und nachgeschaltete Anwender die Verantwortung für Ihre Chemikalien übernehmen. Sie müssen sicherstellen, dass Chemikalien, die hergestellt und in den Verkehr gebracht werden, sicher verwendet werden.

Registrierung nach REACH

Chemische Stoffe dürfen in der EU nur hergestellt oder in Verkehr gebracht werden, wenn sie unter REACH registriert sind. „Keine Daten – kein Markt“; dieser Grundgedanke ist die Lehre aus dem früher geltenden Recht, wo für fast alle Stoffe keine systematischen Daten für die Bewertung vorlagen. Heute müssen die Hersteller und Importeure bei der Registrierung die Verwendungszwecke mitteilen und Informationen einreichen, die eine Bewertung des registrierten Stoffs erlauben, zum Beispiel Daten zum Verbleib in der Umwelt, zur Anreicherung in Organismen und zur Giftigkeit.

Die Datenanforderungen für die Registrierung richten sich nach der hergestellten oder importierten Menge des Stoffes. Erreicht die hergestellte oder importierte Menge zehn Tonnen pro Jahr, muss der Hersteller oder Importeur die Sicherheit seines Stoffes selbst beurteilen und die Ergebnisse dieser Sicherheitsbeurteilung einreichen. Je nach Gefährlichkeit und Menge eines Stoffs gelten unterschiedliche Fristen für die Registrierung. Am 1. Juni 2018 werden alle chemischen Stoffe auf dem EU-Markt registriert sein. Für die Registrierung und Anmeldung von Stoffen in Erzeugnissen gelten gesonderte Regelungen.

Die meisten Informationen aus den Registrierungsdaten sind öffentlich verfügbar und können auf der Homepage der ECHA eingesehen werden. Ausgenommen davon sind Informationen, die als Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse gelten.

Evaluierung nach REACH

Sämtliche Registrierungsunterlagen prüft die ECHA auf Vollständigkeit. Für weitere fünf Prozent aller Registrierungsunterlagen prüft die ECHA, ob sie den Anforderungen für Registrierungen entsprechen. Zuständig für die sogenannte Stoffbewertung (Substance Evaluation) sind die EU-Mitgliedstaaten: Sie werten zu ausgewählten Stoffen alle Registrierungsunterlagen und Bewertungen der Unternehmen aus. Die Stoffbewertung kann zum Beispiel zu dem Ergebnis kommen, dass weitere Informationen nachzuliefern sind, dass der Stoff im Rahmen des Zulassungs- oder Beschränkungsverfahrens behandelt werden soll oder dass Handlungsbedarf im Rahmen einer anderen Rechtsvorschrift besteht.

Die gemeinsame Liste der Stoffe (Community Rolling Action Plan, CoRAP), zur Stoffbewertung wird jährlich fortgeschrieben und ist auf der Homepage der ECHA zu finden.

Zulassung (Autorisierung) und Beschränkung

Behörden können ausgewählte Stoffe in einem formalen Verfahren als „besonders besorgniserregend“ (SVHC) identifizieren. Dazu muss ein Stoff eines oder mehrere der folgenden Kriterien erfüllen:

  • krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend oder
  • giftig und langlebig in der Umwelt und in Organismen anreichernd oder
  • sehr langlebig in der Umwelt und sehr stark in Organismen anreichernd oder
  • ähnlich besorgniserregende Eigenschaften (zum Beispiel hormonelle Wirkung)

Besonders besorgniserregende Stoffe werden unter REACH in die Kandidatenliste aufgenommen. Aus der Kandidatenliste priorisiert die EU-Kommission Stoffe für die Zulassungspflicht. Es wird ein Datum festgelegt, ab dem diese Stoffe nur noch in Bereichen verwendet werden dürfen, für die die ECHA eine Zulassung erteilt hat. Eine Zulassung ist zeitlich befristet. Das Ziel ist, diese Stoffe durch weniger besorgniserregende Stoffe zu ersetzen.

Eine weitere Möglichkeit, chemische Stoffe unter REACH zu regulieren, sind Beschränkungen. Beschränkungen können für die Herstellung, das Inverkehrbringen oder für einzelne Verwendungen von Stoffen ausgesprochen werden. Im Gegensatz zur Zulassung bezieht sich eine Beschränkung nicht unbedingt auf einen besonders besorgniserregenden Stoff. Beschränkungen können dann erlassen werden, wenn die Herstellung, das Inverkehrbringen oder Verwendungen eines chemischen Stoffes ein unannehmbares Risiko für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt mit sich bringen. Dieses Risiko muss dann gemeinschaftsweit behandelt werden. Beschränkungen werden zum Beispiel auch dann notwendig, wenn die betreffenden Chemikalien über importierte Produkte in die EU gelangen können.

Bei den Entscheidungen über Zulassungen und Beschränkungen werden auch die sozioökonomischen Folgen und die möglichen Auswirkungen der Ersatzstoffe betrachtet.

Informationsweitergabe in der Lieferkette

Für alle chemischen Stoffe müssen innerhalb der Lieferkette, also ausgehend vom Hersteller oder Importeur über Weiterverarbeiter und Zwischenhändler bis hin zum endgültigen Verkäufer, Informationen weitergegeben werden; insbesondere alle verfügbaren Informationen, die notwendig sind, um eine sichere Verwendung des Stoffes zu gewährleisten. Für die gefährlichsten Stoffe erfolgt die Informationsweitergabe in standardisierter Form über sogenannte Sicherheitsdatenblätter.

Stoffe in Erzeugnissen

Nach REACH ist ein Erzeugnis ein Gegenstand, der bei der Herstellung eine spezifische Form, Oberfläche oder Gestalt erhält, die in größerem Maße als die chemische Zusammensetzung seine Funktion bestimmt. Enthält ein Erzeugnis einen besonders besorgniserregenden Stoff in einer Konzentration über 0,1 Gewichts-Prozent, dann muss diese Information von jedem Lieferanten an seinen Abnehmer in der Lieferkette weitergegeben werden. Verbraucher und Verbraucherinnen müssen auf Anfrage ebenfalls über das Vorhandensein dieses Stoffes informiert werden.

Praxis

Prüfen Sie, inwieweit die Produkte Ihres Unternehmens von der Kennzeichnungspflicht und Zulassungspflicht nach REACH betroffen sind. Die entsprechenden Anforderungen sollten umgesetzt sein.

Für die Entsorgungslogistik wichtig sind die Gefahrstoffe, die Ihr Unternehmen von Lieferanten bezieht und die Sie entsprechend den Anforderungen behandeln müssen. Oft sind damit besonders hohe Kosten verbunden, wenn Sie solche Gefahrstoffe entsorgen wollen.

Klären Sie:

  • Welche Gefahrstoffe bezieht Ihr Unternehmen von Lieferanten?
  • Können diese Gefahrstoffe durch andere, ungefährliche Stoffe ersetzt werden?

Dokumentieren Sie die Prozesse zum Umgang mit den Gefahrstoffen.

  • Wo erkennen Sie Schwachstellen oder Möglichkeiten zur Verbesserung?
  • Was muss getan werden?

Ausführliche Leitlinien, Ratgeber und Checklisten für Unternehmen, die Verpflichtungen gemäß den EU-Rechtsvorschriften im Chemikalienbereich unterliegen, finden Sie auf der Webseite der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA):

https://echa.europa.eu/de/support

Um Ihre Sicherheitsdatenblätter zu erstellen, können Sie sich am Ablauf aus der folgenden Vorlage orientieren.

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