Nutzwertanalyse Mit der Nutzwertanalyse die beste Lösung finden

Mit der Nutzwertanalyse zeigen Sie, welche Beiträge eine Handlungsoption oder Lösungsmöglichkeit zu Ihren Unternehmenszielen leistet. Sie bewerten diese Zielbeiträge in Form eines Nutzwerts und finden so die Lösung, die für das Unternehmen den größten Nutzen verspricht. Dafür sollte sich das Entscheidungsgremium dann auch entscheiden.

Was ist eine Nutzwertanalyse?

Die Nutzwertanalyse ist eine Bewertungsmethode. Sie hilft, aus mehreren möglichen Lösungen die herauszufinden, die am besten ist. Dazu wird in mehreren Schritten ermittelt, was die möglichen Lösungen dazu beitragen, dass vorgegebene Ziele erreicht werden. Mithilfe der Nutzwertanalyse können Entscheidungen für oder gegen eine Lösung hergeleitet, begründet und transparent gemacht werden.

Dementsprechend ist die Nutzwertanalyse auch ein Verfahren, mit dem ein Entscheidungsgremium gemeinsam herausfindet, wofür es sich entscheiden soll. Die so getroffene Entscheidung gewinnt an Verbindlichkeit. Alle können aus guten Gründen die Entscheidung mittragen. Das trägt dazu bei, dass eine Entscheidung auch umgesetzt wird.

Was braucht es für eine Nutzwertanalyse?

Damit eine Nutzwertanalyse ein Ergebnis liefert, müssen mehrere Fragen geklärt und es müssen vorab Informationen recherchiert werden. Im Einzelnen sind das:

  • Es braucht eine oder mehrere Lösungen, man sagt auch: Handlungsoptionen oder Alternativen, die zur Wahl stehen.
  • Die möglichen Lösungen und ihre Merkmale, Besonderheiten, Leistungen, Kosten und Konsequenzen müssen möglichst umfassend beschrieben sein.
  • Es muss klar sein, welche Ziele im Zusammenhang mit diesen Lösungen wichtig sind für das Unternehmen oder die entscheidenden Personen (Entscheidungsgremium, Stakeholder).
  • Für jedes Ziel braucht es mindestens ein Kriterium, ein Merkmal oder eine Kennzahl, das zeigt, ob oder wie gut das Ziel erreicht ist; das sind die Bewertungskriterien.
  • Die Ziele können (müssen aber nicht) nach ihrer Bedeutung ein Zielgewicht oder eine Gewichtung erhalten.

Nutzwertanalyse

Die Nutzwertanalyse ist eine Methode zur Entscheidungsfindung. Für zwei oder mehr Handlungsoptionen oder Lösungsalternativen wird der jeweilige Nutzwert ermittelt. Die Option mit dem höchsten Nutzwert gilt als die beste Lösung und sollte gewählt werden.

Der Nutzwert ergibt sich aus dem Maß, zu dem eine Handlungsoption dazu beiträgt, dass ausgewählte Ziele erreicht werden. Der Nutzenbeitrag wird anhand geeigneter Indikatoren oder Kennzahlen ermittelt und gewichtet in Abhängigkeit davon, wie wichtig ein Ziel für die Entscheider ist.

Die Nutzwertanalyse als nicht-monetäres Bewertungsverfahren

Viele betriebswirtschaftliche Bewertungsverfahren nutzen Geldbeträge als Parameter für die Berechnungen zur Vorteilhaftigkeit einer Handlungsoption und damit als Entscheidungsgrundlage. Letztlich geht es dann um Einnahmen und Ausgaben und daraus abgeleitete Kennzahlen wie Kosten, Gewinn, Rendite, Profitabilität oder Amortisation. Diese Verfahren werden deshalb als monetäre Bewertungsverfahren bezeichnet.

Die Nutzwertanalyse ist ein nicht-monetäres Bewertungsverfahren. Damit werden weitere Faktoren und Entscheidungsparameter in die Bewertung und Beurteilung einer Handlungsoption einbezogen. Denn viele Entscheidungen basieren auf Kriterien, die sich nicht in Geldbeträgen messen oder ausdrücken lassen – oder nur mit einem großen Messaufwand oder mit einer groben Schätzung.

Beispiele für solche monetär nicht messbaren Entscheidungskriterien sind:

  • Kundenzufriedenheit
  • Mitarbeiterzufriedenheit
  • Zeitersparnis
  • Produktqualität
  • Imageverbesserung
  • Einhaltung von Compliance-Regeln

Solche qualitativen Kriterien werden bei der Nutzwertanalyse in die Bewertung einbezogen, obwohl sich nicht berechnen lässt, welchen genauen Beitrag sie zu Umsatz, Kosten oder Gewinn leisten. Da bei der Nutzwertanalyse ein Nutzwert berechnet wird, müssen andere, jeweils passende und aussagekräftige Kenngrößen oder Indikatoren herangezogen werden, die sichtbar machen, wie gut oder wie schlecht eine Handlungsoption, Entscheidungsalternative oder Lösungsmöglichkeit das jeweilige Kriterium erfüllt.

Wie unterschiedliche Ziele und Präferenzen berücksichtigt werden

Für die Nutzwertanalyse braucht es klare Ziele und Bewertungskriterien. Meist haben die Entscheider aber sehr unterschiedliche Vorstellungen darüber, was wichtig und was weniger wichtig ist. Deshalb ist es schwierig, dass ein Entscheidungsgremium mit mehreren Personen die relevanten Ziele eindeutig gewichtet, weil jede Person ihre eigenen Meinungen und Präferenzen hat. So würde jeder Entscheider einer Handlungsoption einen anderen Nutzwert zuschreiben. Mit der Nutzwertanalyse werden diese unterschiedlichen Zielvorstellungen zusammengeführt.

Außerdem können Nutzwerte oft nicht durch geeignete Kennzahlen abgebildet werden. Denn die Ziele, die verfolgt werden, lassen sich nicht mit einem eindeutigen Messwert verknüpfen. Wenn es beispielsweise darum geht, einen Beitrag zum Ziel „Kundenzufriedenheit“ zu leisten, kann der Nutzwert einer Handlungsoption, der die Zielerreichung ausdrückt, nur indirekt gemessen werden. Zum Beispiel als:

  • Schulnote, die Kunden vergeben
  • Wahrscheinlichkeit, mit der Kunden das Unternehmen weiterempfehlen (Net Promotor Score)
  • Anteil der Kunden, die sich nicht beschweren

Mit der Nutzwertanalyse wird für jedes Ziel mindestens ein Bewertungskriterium, ein sichtbares Merkmal (Indikator) oder eine Kennzahl, gefunden, aus der sich der Nutzwert berechnen lässt.

Deshalb gilt: Die Ergebnisse der Nutzwertanalyse basieren immer auf den Meinungen, Präferenzen und Einschätzungen derjenigen Personen, die sie anwenden. Sie kann dabei wichtige Einflussfaktoren und Hintergründe aufzeigen, die für eine gute Entscheidung maßgeblich sind. Insbesondere unterstützt die Methode das Entscheidungsgremium dabei, komplexe Sachverhalte und Entscheidungsfragen besser zu durchleuchten und mithilfe einer schrittweisen Bewertung eine von allen akzeptierte Rangfolge der Lösungen zu finden.

Praxis

Workshop durchführen zur Nutzwertanalyse

Da Nutzwertanalysen für komplexe Entscheidungsprobleme eingesetzt werden, bei denen vor allem nicht-monetäre Bewertungskriterien wichtig sind, sollten Sie die Entscheidungsträger in den Prozess der Bewertung einbeziehen. Möglich ist, dafür einen gemeinsamen Workshop durchzuführen, in dem eine Nutzwertanalyse durchgeführt wird und damit Lösungen bewertet und Entscheidungen getroffen werden.

Die Vorgehensweise bei der Nutzwertanalyse wird im folgenden Abschnitt dieses Handbuch-Kapitels ausführlich beschrieben; zunächst allgemein, dann anhand eines Beispiels. Diese Vorgehensweise ist Grundlage für den Ablauf des Bewertungsworkshops mit Ihrem Team und Ihren Entscheidern. Als Verantwortlicher und Moderator dieses Prozesses sollten Sie folgende Aspekte beachten:

Formulieren Sie zunächst die Entscheidungssituation:

  • Was soll entschieden werden?
  • Was sind Anlässe und Hintergründe dieser Entscheidung?
  • Wer kann diese Entscheidung treffen?
  • Wer wirkt bei der Entscheidungsfindung mit?
  • Wer trägt letztlich die Verantwortung für die Folgen, die aus der Entscheidung resultieren?

Informationen recherchieren

Tragen Sie dann alle Informationen zusammen, die Sie für Ihre Nutzwertanalyse benötigen. Das sind:

  • Informationen zu und Beschreibung der Handlungsoptionen
  • Liste der Ziele und Bewertungskriterien der Entscheider und der Stakeholder; gegebenenfalls mit Erläuterungen
  • Indikatoren, die zeigen, wie gut oder schlecht eine Handlungsoption im Hinblick auf die Ziele und Bewertungskriterien ist
  • für jede Handlungsoption und jeden Leistungsindikator: Was trägt die Option zur Zielerreichung bei? Messung oder Einschätzung der Ausprägungen der Leistungsindikatoren

Entscheidungssituation klären

Beschreiben Sie die Entscheidungssituation. Fassen Sie dazu alle Informationen zur Entscheidung in der folgenden Vorlagen zusammen.

Halten Sie mit der folgenden Vorlage die Informationen für alle Personen im Entscheidungsgremium sowie für die Teilnehmenden an Ihrem Bewertungsworkshop fest. Das ist die Tischvorlage für den Workshop und die Nutzwertanalyse.

Erstellen Sie für den Workshop als Einstieg in die Diskussion und in die gemeinsame Arbeit mit der Nutzwertanalyse eine Tabelle mit:

  • den möglichen Handlungsoptionen, Lösungen, Alternativen oder Entscheidungsmöglichkeiten (Spalten der Tabellen)
  • den wichtigsten Zielen und ihren Bewertungskriterien, soweit diese vorab bekannt oder geklärt sind; diese werden im Workshop dann geprüft, ergänzt und priorisiert

Als Grundlage dient die folgende Vorlage (Excel-Tabelle).

Mit dem Beginn des Workshops stellen Sie diese Informationen für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor. Diese verstehen, worum es geht und was die Fakten sind. Dabei können Sie erläutern, wie Sie bei der Informationsrecherche vorgegangen sind, welche Informationen als gesichert angesehen werden können, welche geschätzt und welche prognostiziert wurden.

Im folgenden Abschnitt wird ausführlich erläutert, wie Sie dann Schritt für Schritt vorgehen und eine Nutzwertanalyse durchführen. Damit berechnen Sie die einzelnen Nutzwerte Ihrer Handlungsoptionen und bestimmen die beste Option als Grundlage für die Entscheidungsfindung.