Kapitel 214: Betriebliches Gesundheitsmanagement planenPlanung und Controlling von Maßnahmen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement

Planen Sie alle Aktivitäten zum betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) so, dass die Ziele erreicht und die Rahmenbedingungen eingehalten werden. Prüfen Sie die Wirksamkeit der Maßnahmen, indem Sie geeignete Kennzahlen festlegen, ermitteln und für die Erfolgskontrolle auswerten.

Ziele und Leitlinien für das Gesundheitsmanagement festlegen

Wenn Sie Maßnahmen zum Gesundheitsmanagement planen, richten sich diese an Ihren Zielen und Leitlinien zum betrieblichen Gesundheitsmanagement aus. An erster Stelle dürfte dabei stehen: die Gesundheit und das Wohlbefinden aller Beschäftigten im Unternehmen zu erhalten und zu fördern. Dieses allgemeine Ziel muss für die einzelne Maßnahmenplanung in konkrete Einzelziele heruntergebrochen werden.

Beispiele für Ziele könnten sein:

  • Das Angebot an gesundem Essen in der Kantine soll ausgebaut werden.
  • Alle Arbeitsplätze sollen den ergonomischen Standards und den individuellen Bedürfnissen des Mitarbeiters und der Mitarbeiterin genügen.
  • Es soll mehr Hilfsangebote für Suchtkranke geben.
  • Das persönliche Stresserleben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter soll reduziert werden.
  • Die Krankenquote soll gesenkt werden.
  • Langzeitkranke Personen sollen eine individuelle Betreuung erhalten.
  • Die Kosten für Ausfallzeiten sollen reduziert werden.

Rahmenbedingungen klären

Wie solche Ziele erreicht werden, hängt von den Rahmenbedingungen und den Möglichkeiten im Unternehmen ab. Beachten Sie deshalb unter anderem folgende Aspekte:

Arbeitsmenge

Wenn das Unternehmen kurzfristig viele Aufträge erfüllen muss und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deshalb eine hohe Arbeitslast bewältigen, dann wird sich diese Situation erst einmal nicht ändern lassen.

Ausstattung, Technik, Prozesse

Auch Räume und Technik lassen sich oft nur langfristig an spezielle Anforderungen anpassen. Betriebliche Abläufe, Prozesse und Tätigkeiten sind oft vorgegeben und müssen speziellen Anforderungen genügen, um beispielsweise Qualität sicherzustellen.

Interessen der Beschäftigten

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können unter dem Aspekt betriebliches Gesundheitsmanagement sehr unterschiedliche Vorstellungen, Wünsche und Interessen haben. Es ist nicht immer möglich, alle unter einen Hut zu bringen.

Budget

Schließlich sind die Budgets in Unternehmen begrenzt, wenn es um Maßnahmen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement geht, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen.

Ist-Situation festhalten

Zu Beginn der Maßnahmenplanung sollte immer eine Bestandsaufnahme durchgeführt werden – die dann in regelmäßigen Abständen wiederholt wird. So kann die jährlich einmal durchgeführte Situationsanalyse ein wichtiger Baustein für das Controlling und die Erfolgsmessung zum Gesundheitsmanagement sein.

Im ersten Schritt der Bestandsaufnahme und Analyse der Ist-Situation können Sie vorhandene Dokumente und andere Informationen auswerten. Das sind zum Beispiel:

  • Gesundheitsberichte
  • Gefährdungsbeurteilungen
  • Mitarbeiterbefragungen
  • Fehlzeitenstatistik
  • Altersstruktur der Belegschaft

Für einen Vergleich und eine bessere Einordnung und Bewertung dieser internen Informationen können Sie darüber hinaus Gesundheitsberichte von Krankenkassen und Studien zum Gesundheitsmanagement in Unternehmen auswerten.

Befragung der Mitarbeiter durchführen

Um die Maßnahmen gezielt auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszurichten, ist es oft notwendig, diese selbst zu befragen. Grundlage für die Pläne zum betrieblichen Gesundheitsmanagement sind deshalb Mitarbeiterbefragungen, die darauf ausgerichtet sind, mehr über die physische und psychische Gesundheit der Beschäftigten im Unternehmen und die dafür wichtigen Einflussfaktoren und Stellhebel zu erfahren.

Solche Befragungen können Sie mit einem speziellen Fragebogen zum Gesundheitsmanagement oder in Form von Interviews und Workshops durchführen. Ganz wichtig dabei sind gerade bei gesundheitsrelevanten Themen immer: Vertraulichkeit und Freiwilligkeit.

Tipp: Vorgehen und Methoden für Mitarbeiterbefragungen

Im Handbuch-Kapitel zur Mitarbeiterbefragung finden Sie ausführliche Erläuterungen zum Vorgehen bei einer Mitarbeiterbefragung mithilfe eines Fragebogens.

Um zum Beispiel die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz abzufragen, kann der Fragebogen eingesetzt werden, der im Rahmen von COPSOQ (Copenhagen Psychosocial Questionnaire) erstellt und wissenschaftlich validiert wurde. Er basiert auf einem arbeitswissenschaftlichen Modell und einer Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen den Merkmalen der Arbeitssituation (Belastungen) und den Reaktionen der arbeitenden Menschen (Belastungsfolgen und Beanspruchungen).

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Instituten und Beratungen, die spezielle Fragebögen zum Gesundheitsmanagement oder zum Arbeits- und Gesundheitsschutz in Unternehmen entwickelt haben und entsprechende Befragungen und Analysen durchführen.

Strategie und Maßnahmen planen

Aus den Ergebnissen der Ist-Analyse und der Mitarbeiterbefragung leiten Sie die wichtigen Handlungsfelder, Strategien und Maßnahmen für Ihr betriebliches Gesundheitsmanagement ab. Diese sollten darauf ausgerichtet sein, die erkannten Problemfelder und Schwachstellen zu beseitigen, gute Ansätze zu stärken und zu verbessern und bereits Erreichtes zu bewahren und zu fördern.

Mögliche Handlungsfelder für das Gesundheitsmanagement sind:

  • technische Maßnahmen am Arbeitsplatz
  • gesundheitsförderliche Angebote für die Beschäftigten
  • Maßnahmen, die auf das persönliche Gesundheitsverhalten der Mitarbeiter ausgerichtet sind
  • Maßnahmen zur betrieblichen Wiedereingliederung von Langzeitkranken
  • Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz
  • Abbau von Gefahrenpotenzialen im Unternehmen
  • Maßnahmen, die auf Suchtkrankheiten ausgerichtet sind
  • Maßnahmen, die auf das Führungsverhalten von Vorgesetzten ausgerichtet sind
  • Maßnahmen, die auf eine bessere Zusammenarbeit, Teamarbeit und Teamentwicklung ausgerichtet sind

Was genau in diesen Handlungsfeldern angegangen und umgesetzt wird, ist immer speziell auf die Situation im Unternehmen auszurichten. Manche Maßnahmen werden in Form umfangreicher Projekte realisiert, andere sind kontinuierliche Aktionen und wieder andere sind punktuelle und einfache Maßnahmen, die direkt umgesetzt werden.

Für umfassende Maßnahmen nutzen Unternehmen oft Testfelder, ausgewählte Unternehmensbereiche, um die Wirksamkeit von Maßnahmen zu prüfen. Später erfolgt dann ein Roll-out im Unternehmen. Andere Maßnahmen werden dezentral von einzelnen Mitarbeitern oder Teams direkt umgesetzt.

Kennzahlen zum Gesundheitsmanagement zusammenstellen

Was auch immer im Unternehmen zum Gesundheitsmanagement geplant und durchgeführt wird – es soll zu den Zielen und Leitlinien beitragen. Ob und wie viel eine Maßnahme beiträgt, müssen spezielle Kennzahlen sichtbar machen. Deshalb müssen Sie für jede einzelne Maßnahme klären, wie und woran Sie erkennen, ob sie im Sinne des Gesundheitsmanagements erfolgreich ist und einen Beitrag dazu leistet.

Beispiel: Kennzahlen für ergonomische Arbeitsplätze

Mit der Mitarbeiterbefragung wurde ermittelt, dass viele Beschäftigte Rückenleiden durch langes und einseitiges Sitzen haben. Oft kommt es zu Ausfällen und Krankschreibungen wegen Rückenproblemen. Deshalb ist geplant, höhenverstellbare Schreibtische und ergonomische und rückengerechte Sitzmöbel zu beschaffen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Anwendung zu schulen (Rückenschule).

Um den Erfolg der Maßnahmen zu messen und zu prüfen, werden folgende Kennzahlen erhoben:

  • Anteil der rückengerechten Schreibtische und Sitzmöbel an der Gesamtzahl der Möbel
  • Nutzungsgrad der Stühle
  • Anteil der rückengesunden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

Die Kennzahlen müssen durch Zählen, Messen, Schätzen oder mithilfe einer Mitarbeiterbefragung erhoben werden. Einige Kennzahlen sind nur ein indirekter Indikator zur Messung der Zielerreichung. Im Beispiel für ergonomische Arbeitsplätze sagt die Zahl der Möbel allein noch nichts zum Effekt auf die Gesundheit aus. Deshalb muss durch Befragung ermittelt werden, ob Rückenleiden in der Belegschaft im Laufe der Zeit zurückgehen. Die jeweiligen Kennzahlen, die ermittelt, gesammelt und ausgewertet werden, müssen also auf das jeweilige Ziel, die Maßnahme und den Aufwand zur Messung ausgerichtet sein.

Weitere Indikatoren und Kennzahlen können unabhängig von einzelnen Maßnahmen, die Situation im Unternehmen im Hinblick auf Gesundheit und Wohlbefinden der Beschäftigten sichtbar machen. Sie geben ein Gesamtbild vom betrieblichen Gesundheitsmanagement im Unternehmen. Im Folgenden einige Beispiele.

BGM-Kennzahlen zur Mitarbeiterstruktur

Die Zusammensetzung der Belegschaft im Unternehmen ist eine wichtige Rahmenbedingung für die Bedingungen und Möglichkeiten zum betrieblichen Gesundheitsmanagement. Die Mitarbeiterstruktur kann abgebildet werden durch:

  • Altersdurchschnitt der Belegschaft
  • Altersstruktur, Häufigkeitsverteilung nach Altersklassen
  • Kennzahlen zur Diversity in der Belegschaft
  • Ausbildung und Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

BGM-Kennzahlen zum Arbeitsplatz und zum Aufgabenbereich

Die Anforderungen am Arbeitsplatz lassen sich darstellen durch:

  • Art der Arbeit; körperlich, geistig, besondere körperliche Belastungen (Lärm, Temperatur, Luft, Strahlung etc.)
  • Menge der Arbeit
  • Zusammenarbeit mit anderen Personen (intern und extern)

Hinweis: Um die Belastungen am Arbeitsplatz zu messen, werden Gefährdungsbeurteilungen durchgeführt und entsprechende Kennzahlen und Messwerte erfasst.

BGM-Kennzahlen zum Verhalten der Mitarbeiter

Das persönliche Verhalten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Erhalt ihrer eigenen Gesundheit spielt eine wichtige Rolle, wenn es um den Gesundheitszustand insgesamt geht, aber auch wenn es um Möglichkeiten geht, diese zu verbessern. Indikatoren für das „gesunde Verhalten“ der Beschäftigten sind beispielsweise:

  • Raucherquote
  • Anteil der Beschäftigten mit Übergewicht (Adipositas)
  • Beschäftigte mit Suchtkrankheit
  • Anteil Beschäftigte, die einmal pro Woche Sport treiben
  • Anteil Beschäftigte, die sich gesund ernähren
  • Anteil der Beschäftigten, die Angebote zum Gesundheitsmanagement in Anspruch nehmen

BGM-Kennzahlen zum Krankenstand

Dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter krank werden, ist zunächst nichts Besorgniserregendes. Problematisch wird es, wenn die Zahl der Betroffenen hoch ist oder die Art der Krankheiten auf besondere Gefährdungen im Unternehmen schließen lässt. Mögliche Kennzahlen sind dementsprechend:

  • Krankenquote
  • Dauer der Krankheit, durchschnittliche Falldauer
  • Arbeitsunfähigkeit langfristig
  • Anzahl der Beschäftigten, die krankheitsbedingt ihre Arbeit aufgeben mussten

Bei den Arten der Krankheiten kann unterschieden werden:

  • Wie häufig kommen welche Krankheiten vor? Rücken, Stress, Bluthochdruck, Kreislauf, Depression etc.
  • Gibt es viele Kurzzeitfälle?
  • Gibt es viele chronische Erkrankungen?
  • Betrifft es die Jüngeren oder die Älteren häufiger?
  • Ist der Schwerpunkt „der Rücken“ oder „die Psyche“?
  • Gibt es eine Grippewelle?

Hinweis: Daten zu unterschiedlichen Krankheiten lassen sich im Unternehmen nicht ermitteln, da mit der Krankmeldung keine Informationen dazu übermittelt werden. Gegebenenfalls können Krankenkassen entsprechende Angaben machen, wenn Datenschutz und Anonymität gewahrt sind.

BGM-Kennzahlen zu Arbeitsunfällen

Besondere Bedeutung haben die Fälle, bei denen ein Unfall im Unternehmen (oder auf dem Weg dorthin oder auf Dienstreisen) der Grund für den Ausfall von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist. Diese werden auch aus Sicht des verpflichtenden Arbeitsschutzes gesondert erfasst. Mögliche Kennzahlen sind:

  • Arbeitsunfälle pro Tag
  • Arbeitsunfälle je Abteilung
  • Ausfallzeiten in Tagen durch Arbeitsunfälle

Außerdem kann nach Art der Arbeitsunfälle unterschieden werden.

BGM-Kennzahlen zu psychischen Belastungen

Ausfälle durch besondere psychische Belastungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen im betrieblichen Gesundheitsmanagement immer mehr an Bedeutung. Hier kommt es darauf an, die Ursachen von Stressfaktoren zu erkennen und deren Folgen zu identifizieren. Mögliche Kennzahlen sind entsprechend:

  • Belastung durch Arbeitsmenge
  • Ausfall von Pausen
  • Überstunden, mehr als 55-Stunden pro Woche
  • Stress durch Unter- oder Überforderung
  • Fehlerhäufigkeiten
  • Anzahl Schichtarbeit, Wochenendarbeit, Rufbereitschaft
  • Teilzeit, befristete Arbeitsverträge
  • fehlende soziale Beziehungen
  • falsches Verhalten der Führungskräfte
  • Fälle von Mobbing
  • Konflikte

Betriebliche Eingliederungsmaßnahmen (BEM)

Sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter längere Zeit wegen einer Krankheit nicht im Unternehmen, müssen besondere Eingliederungsmaßnahmen stattfinden, wenn die Betroffenen wieder arbeitsfähig sind und zurückkommen. Die Bedeutung des betrieblichen Eingliederungsmanagements kann gemessen werden durch:

  • Anzahl der betroffenen Fälle
  • Dauer für die Wiedereingliederung
  • Abbruchrate

BGM-Kennzahlen zur Attraktivität von Maßnahmen

Neben den Kennzahlen, die Problemfelder und Problemfälle sichtbar machen, können auch Kennzahlen ermittelt werden, die Lösungen und Verbesserungen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement anzeigen. Das sind unter anderem die Anzahl der Angebote zu BGM-Maßnahmen, wie zum Beispiel:

  • Workshops im Team
  • Schulung der Führungskräfte
  • Schulung der Mitarbeiter
  • Rückenschule
  • Massage
  • Fitness-Kurse
  • Gesundes-Essen-Tage
  • Diätkurse

Neben den Angeboten muss die Nachfrage gemessen werden: Wie viele haben an den entsprechenden Angeboten teilgenommen? Was ist eingeschlafen, was hat sich etabliert?

BGM-Kennzahlen zu wirtschaftlichen Effekten des Gesundheitsmanagements

Auch wenn die Gesundheit der Beschäftigten das wesentliche Ziel des betrieblichen Gesundheitsmanagements ist, so müssen aus Unternehmenssicht immer auch die wirtschaftlichen Effekte durch Krankheit, Unfälle, Fehlbelastungen etc. erkannt und gemessen werden. An diesen Effekten zeigt sich letztlich die Wirksamkeit von BGM-Maßnahmen für das Unternehmen. Mögliche Kennzahlen sind:

  • Ausgaben für Entgeltfortzahlungen
  • Kosten des Krankenstands
  • Investitionen in ergonomische Arbeitsplätze
  • Investitionen in Maßnahmen zur Gesundheitsförderung
  • Kosten für laufende Maßnahmen: Rückenschule, Massagen, Yoga, Fitness-Kurse
  • Kosten für Kantine/ gesundes Essen
  • Fluktuation in der Belegschaft

Neben der Höhe der Kosten kann auch das Verhältnis der Gesundheits- und Krankenkosten zu weiteren Kennzahlen aufschlussreich sein. Beispiele sind:

Gesundheitsförderungskoten = Kosten ungestörter Arbeitsstunden
= Kosten für Gesundheit und Arbeitsschutz / (Soll-Arbeitsstunden pro Jahr – Ausfallstunden pro Jahr)

Ausfallzeitkosten pro Vollzeitäquivalent und Tag
= (Anzahl erkrankter MA x Dauer der Erkrankung) + (Anzahl verunfallter MA x Dauer der Nachunfallzeit) x Durchschnittsgehalt pro Tag / Summe Vollzeitäquivalente

Kennzahlen-Dashboard zum Gesundheitsmanagement

Die Kennzahlen, die Sie im Rahmen des Controllings zum betrieblichen Gesundheitsmanagement laufend verfolgen und analysieren wollen, können Sie in einem Kennzahlen-Dashboard zusammenstellen. Wie jedes andere Kennzahlen-Dashboard sollte auch das BGM-Kennzahlen-Dashboard übersichtlich sein und die Informationen auf einen Blick darstellen, die wichtig sind für:

  • Planung von Maßnahmen
  • mögliche Verbesserungen
  • aktives Eingreifen durch Führungskräfte bei Problemfällen (Steuerung)

Damit das Dashboard übersichtlich bleibt, werden Kennzahlen zu Themen und Gruppen zusammengefasst. Für das Gesundheitsmanagement könnten folgende Themen relevant sein:

  • Krankenquote und Unfälle
  • Verhalten von Beschäftigten
  • Angebote an BGM-Maßnahmen und ihre Nutzung
  • Investitionen und Kosten für BGM

In jedem Themenblock werden ein bis vier Kennzahlen dargestellt, die aus Sicht des Unternehmens und der BGM-Verantwortlichen wichtig sind. Abbildung 1 zeigt ein Beispiel, wie ein Kennzahlen-Dashboard aufgebaut sein kann.

Abbildung 1: Kennzahlen-Dashboard für das betriebliche Gesundheitsmanagement (Beispiel)

Tipp: Wie Sie ein Kennzahlensystem erstellen und im Kennzahlen-Dashboard darstellen

In den Handbuch-Kapiteln zu Kennzahlensystemen, Kennzahlen-Dashboard und Balanced Scorecard finden Sie zahlreiche Beispiele für Aufbau, Struktur, Inhalte und Gestaltung von Kennzahlen-Dashboards sowie viele Excel-Vorlagen als Baukasten für Ihr Dashboard.

Praxis

Ist-Analyse und Bestandsaufnahme durchführen

Führen Sie eine Ist-Analyse zum betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) durch:

  • Werten Sie Berichte und andere Dokumente aus, die bereits für Ihr Unternehmen erstellt wurden.
  • Ziehen Sie Studien und Ratgeber hinzu, die von Krankenkassen, Berufsverbänden und anderen externen Akteuren angeboten werden.
  • Führen Sie eine Gefährdungsanalyse durch oder nutzen Sie die Ergebnisse der letzten Gefährdungsbeurteilungen zum Arbeitsschutz.
  • Werten Sie bestehende Daten aus dem Personalwesen aus.

Fassen Sie alle Daten und Informationen zusammen und prüfen Sie, was Sie bereits sagen können zum Gesundheitsmanagement in Ihrem Unternehmen und welche Fragen noch offen sind.

Prüfen Sie, inwiefern eine Mitarbeiterbefragung dazu beiträgt, weitere wichtige, aber noch offene Fragen zu beantworten. Führen Sie bei Bedarf eine Mitarbeiterbefragung durch. Folgende Vorlage dient als Muster, wie ein Fragebogen aufgebaut sein kann und welche Inhalte er haben kann.

Beachten Sie dabei die Regeln für eine gute Fragebogengestaltung. Mehr dazu erfahren Sie im Handbuch-Kapitel zur Mitarbeiterbefragung.

Maßnahmenplan für das BGM erstellen

Entwickeln Sie einen Maßnahmenplan zu Ihrem betrieblichen Gesundheitsmanagement. Führen Sie diesen laufend fort, passen Sie die Planung an und prüfen Sie dazu die Effekte der Maßnahmen. Passen Sie Maßnahmen bei Bedarf an, streichen Sie Angebote aus dem Programm, nehmen Sie neue Angebote auf. Entwickeln Sie mithilfe der folgenden Vorlage einen BGM-Maßnahmenplan und pflegen Sie diesen regelmäßig.

Kennzahlen zum BGM zusammenstellen

Klären Sie, mit welchen Kennzahlen Sie die Effekte der geplanten Maßnahmen prüfen können. Die folgenden Excel-Vorlagen sind für unterschiedliche Kennzahlen vorbereitet, wie sie in diesem Abschnitt des Handbuch-Kapitels (siehe oben) genannt sind. Abbildung 2 zeigt ein Beispiel, wie Sie eine BGM-Kennzahl festlegen, im Zeitverlauf messen und in einem Diagramm darstellen können. Dabei sind Zielwerte ergänzt, die zeigen, welcher Wert aus Sicht des Unternehmens erreicht werden soll (grüne Linie) und bei welchem Wert Handlungsbedarf besteht (rote Linie).

Abbildung 2: BGM-Kennzahl Anteil der Mitarbeiter, die an Kursen zur Gesundheitsförderung teilnehmen

Nutzen Sie die folgenden Vorlagen und passen Sie diese an Ihre Kennzahlen an. Sie haben damit eine einfache Übersicht über den Verlauf der jeweiligen Kennzahl und damit über den Erfolg.

Kennzahlen zur Arbeitssituation:

Kennzahlen zu Krankheitsfällen:

Kennzahlen zum Arbeitsschutz:

Kennzahlen zu den Beschäftigten und gesundheitsrelevantem Verhalten:

Kennzahlen zur Attraktivität von BGM-Maßnahmen:

Kennzahlen zu Investition und Kosten:

Wirtschaftlichkeit von BGM-Maßnahmen prüfen

Wenn Sie Investitionen und Kosten für das betriebliche Gesundheitsmanagement erfassen und auswerten, sollten Sie klären, was die für Sie wichtigen Fragestellungen sind. Beispiele sind:

  • Wird das Budget eingehalten?
  • Wird im Branchenvergleich mehr oder weniger investiert in BGM?
  • Gibt es Möglichkeiten, Kosten zu sparen, ohne dass die Leistungen zum BGM davon betroffen sind?

Mögliche Aspekte für Kosteneinsparungen sind:

  • Reduzierung der durch Arbeitsunfälle verursachten Gesamtkosten
  • Reduzierung der Ausfallzeiten und der durch Betriebsunterbrechungen verursachten Kosten
  • Reduzierung der Kosten für Versicherungsprämien
  • Reduzierung der Abwesenheitszeiten und der Mitarbeiterfluktuationsrate

Außerdem sollten Sie bei der Betrachtung der Wirtschaftlichkeit von BGM-Maßnahmen die langfristigen Effekte beachten. Dazu zählen beispielsweise die Steigerung des Ansehens bei Kunden, Attraktivität als Arbeitgeber auf dem Jobmarkt.

BGM-Kennzahlen in einem Dashboard aufbereiten

Die vielen möglichen Kennzahlen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement sind hilfreich und notwendig, um einzelne Maßnahmen zu prüfen und zu bewerten und um einzelne Aktivitäten zu steuern und zu verbessern. Gleichzeitig brauchen Sie aber auch einen Gesamtüberblick.

Entwickeln Sie dazu ein Dashboard für die wichtigsten BGM-Kennzahlen für Ihr Unternehmen oder Ihren Verantwortungsbereich. Welche Kennzahlen Sie für das Dashboard auswählen, hängt von den Zielen ab, die für Sie besonders wichtig sind. Deshalb sollten Sie:

  • die wichtigen Ziele zum BGM benennen,
  • klären: „Woran erkennen wir, ob das jeweilige Ziel erreicht ist?“,
  • dazu eine geeignete Kennzahl definieren: Messwert, Messintervall, Istwert, Sollwert,
  • eine hilfreiche Visualisierung für die Kennzahl festlegen (siehe Beispiele in Abbildung 1),
  • das BGM-Kennzahlen-Dashboard zusammenstellen,
  • die Werte regelmäßig pflegen, aktualisieren,
  • Ergebnisse analysieren und im Team besprechen und
  • Maßnahmen ableiten und umsetzen.

Das Modell der Balanced Scorecard (BSC) kann beim Controlling zum Gesundheitsmanagement helfen, sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Stellen Sie mit dem BSC-Modell und der folgenden Vorlage alle wichtigen Ziele zusammen und klären Sie, mit welchen Kennzahlen Sie die Zielerreichung erkennen können.

Nutzen Sie die folgende Vorlage als ein Muster für Ihr Kennzahlen-Dashboard zum betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Weitere Excel-Vorlagen für Kennzahlen-Dashboards finden Sie in den Handbuch-Kapiteln zu Kennzahlensystemen, Kennzahlen-Dashboard und Balanced Scorecard.

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