Über einhundert Länder weltweit lassen inzwischen die IFRS-Regelungen als Rechnungslegungsprinzipien zu oder machen sie sogar zur Vorgabe. Dabei hatte es das IASC immer sehr schwer, seinen Standards auch eine rechtliche Verbindlichkeit zu verschaffen; viele Länder hatten eigene Regelungen und sie wollten ihre Unternehmen nicht durch zusätzliche Vorgaben belasten.

Doch inzwischen hat die Europäische Union mit einer Verordnung vom 19.7.2002 (1606/2002) den IFRS Rechtsverbindlichkeit verliehen. Die Standards sind damit auch nationales Recht der Mitgliedsstaaten. Sie gelten bislang aber nur für kapitalmarktorientierte Unternehmen, die dem Recht eines Mitgliedstaates unterliegen und deren Wertpapiere am jeweiligen Bilanzstichtag in einem beliebigen Mitgliedstaat zum Handel in einem geregelten Markt zugelassen sind. Sie müssen für Geschäftsjahre, die nach dem 1.1.2005 beginnen, ihre Abschlüsse nach IFRS erstellen. Dies betrifft alle internationalen Rechnungslegungsstandards, mit Ausnahme von IAS 32 und IAS 39, sowie die entsprechenden Interpretationen. Diese EU-Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem Mitgliedstaat; damit wurden die Standards automatisch zu nationalem Recht. Die Anerkennung neuer oder überarbeiteter IFRS erfolgt durch ein besonderes EU-Rechtsetzungsverfahren.

Die EU veröffentlicht die anerkannten IFRS im Amtsblatt der Europäischen Union in allen Amtssprachen der Europäischen Union. Nach der EU-Verordnung sind die IFRS aber nicht, wie in IFRS selbst vorgeschrieben, in der englischen Originalfassung verbindlich, sondern in der Amtssprache des jeweiligen Mitgliedstaates. Damit ist für deutsche und österreichische Unternehmen im Rahmen der EU-Verordnung die im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlichte deutsche Fassung der IFRS verbindlich. Die EU nimmt die Übersetzung der IFRS in die Amtssprachen teilweise selbst vor. Es werden immer wieder Klagen über die mangelnde Qualität dieser EU-Übersetzung geäußert.

In der Schweiz hat am 11.11.2002 die Zulassungsstelle der Schweizer Börse (SWX) entschieden, dass alle inländischen börsennotierten Nichtbanken des Hauptsegments ab 2005 die IFRS oder US-GAAP (die Rechnungslegungsvorschriften nach amerikanischem Recht) einzuhalten haben. Für in Nebenindizes notierte Unternehmen ist wahlweise die Bilanzierung nach den Fachempfehlungen zur Rechnungslegung (FER), IFRS oder US-GAAP vorgeschrieben. Die Swiss GAAP FER lehnen sich bei weniger strengen Vorschriften eng an die IFRS an.

Umsetzung in Deutschland

Alle Unternehmen können ihren Konzernabschluss freiwillig nach IFRS aufstellen, sofern sie allen sonstigen Pflichten zur Rechnungslegung nachkommen; diese ergeben sich insbesondere aus dem Handelsgesetzbuch (HGB). Den Unternehmen ist es gestattet, ergänzend zu ihrem HGB-Jahresabschluss einen zusätzlich freiwillig erstellten IFRS-Einzelabschluss im Bundesanzeiger zu veröffentlichen.

Gleichzeitig will die Bundesregierung das deutsche Bilanzrecht modernisieren und die deutschen Rechnungslegungsstandards den internationalen Regeln annähern. Mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) soll das HGB zu einer Alternative zu IFRS werden. Damit soll es kleinen und mittelständischen Unternehmen leichter gemacht werden, ihre Abschlüsse weiterhin nach HGB zu erstellen und dennoch internationale Anforderungen an die Rechnungslegung zu erfüllen.

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