Strategisch denkenWelche Ressourcen und Regeln dem strategischen Denken helfen

Wer eine Strategie verfolgt, muss dafür Ressourcen zur Verfügung stellen. Insbesondere finanzielle Ressourcen, aber auch die Wertschätzung und das Vorantreiben einer Strategie durch das Top-Management sind entscheidend. Worauf Sie bei der Zuweisung von Ressourcen achten sollten und welche Regeln für strategische Entscheidungen hilfreich sind, lesen Sie in diesem Abschnitt des Handbuch-Kapitels.

Strategie braucht Ressourcen

Eine Strategie entwickelt sich dadurch, dass das Unternehmen permanent dafür Ressourcen zur Verfügung stellt und an bestimmte Personen zuweist und für Abteilungen, Projekte oder konkrete Maßnahmen einsetzt. Ressourcen sind beispielsweise:

  • finanzielle Mittel (Investitionen, Budgets)
  • Mitarbeiter und ihr Know-how
  • Informationen
  • Patente oder Lizenzen
  • Rohstoffe, Materialien, Technologien, Infrastruktur
  • Partner und ihr Know-how
  • Image des Unternehmens und des Produkts
  • Werte, Vorstellungen und Ziele der Führungskräfte
  • Anerkennung und Engagement für Mitarbeiter, die in wichtigen Schlüsselpositionen tätig sind, sowie für deren Aktivitäten oder einzelne Projekte

Wichtigste Ressource: Budget für Abteilungen oder Projekte

Finanzielle Ressourcen sind die wichtigste Ressource. Sie werden durch Budgets für die Abteilungen oder Projekte, die Strategien und strategische Initiativen umsetzen sollen, verteilt. Mit der Zuweisung und Freigabe von Budgets wird festgelegt, welche Strategien letztlich verfolgt und umgesetzt werden. Oft passt die Budgetverteilung nicht zu den Strategieplänen und strategischen Absichten eines Unternehmens. Sie erfolgt aufgrund von Machtverhältnissen und Ritualen.

Richtig ist aber, die Budgets aus der Strategieplanung abzuleiten. Führungskräfte müssen immer wieder prüfen, ob die Zuweisung ihren Absichten und Plänen entspricht.

Wie die Strategien verfolgt und umgesetzt werden, ist in vielen Fällen nicht alleine eine Frage des Budgets. Betroffene meinen, dass die Aufmerksamkeit, die Wertschätzung und das Vorantreiben durch das Top-Management für viele Aktivitäten von genauso wichtiger Bedeutung sind.

Strategien durch Zuweisung von Ressourcen entwickeln

Tomo Noda und Joseph L. Bower beschreiben anhand von zwei Fallbeispielen, wie Strategien durch wiederholte Prozesse der Zuweisung von Ressourcen gemacht werden. Ihre Frage ist, wie sich Strategien über mehrere Ebenen im Management entwickeln und umsetzen und was ausschlaggebend für den Erfolg ist. Sie kommen zu folgenden Schlussfolgerungen:

  • Top-Manager haben einen maßgeblichen Einfluss auf die strategischen Initiativen von Managern auf unteren Ebenen. Sie schaffen den Kontext und die Rahmenbedingungen für deren Entscheidungen und Handlungen.
  • Der strategische Kontext und die organisatorischen Rahmenbedingungen beeinflussen die Initiativen und die Triebkraft der untergeordneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zu den Rahmenbedingungen gehören alle formellen und informellen Regeln im Unternehmen.
  • Die organisatorischen Rahmenbedingungen eines Unternehmens sind über die Zeit sehr stabil. Sie beschränken die Möglichkeiten des Top-Managements, wenn sie eine neue strategische Ausrichtung verfolgen und dementsprechend Ressourcen neu zuweisen wollen.
  • Wenn eine neue Strategie verfolgt wird oder ein neues Geschäftsfeld oder Produkt eingeführt werden soll, bestimmen frühere Erfolge und Misserfolge darüber, wie die Strategie im Unternehmen akzeptiert und umgesetzt wird.
  • Das permanente, schrittweise Lernen des Managements und die Feinanpassung der Strategien verändern die Zuweisung von Ressourcen und gehen der Neuformulierung einer Strategie voraus.
  • Das mittlere Management spielt eine entscheidende Rolle in der Formulierung und Umsetzung von Strategien. Es interpretiert den Erfolg von Strategien und trägt seine Sichtweise an das Top-Management weiter. Vereinfacht bedeutet dies: Das Top-Management glaubt das, was es vom mittleren Management gesagt bekommt.

Strategien basieren auf einfachen Regeln

Erfolgreiche Unternehmen haben einfache Regeln aufgestellt, die als Richtschnur und Beurteilungsmaßstab für ihre weitreichenden Entscheidungen und Handlungen dienen. Dazu gehen sie zunächst in zwei Schritten vor:

  1. Sie greifen sich einzelne Themen, strategische Schlüsselprozesse, heraus, wo sie die größten Potenziale und Handlungsmöglichkeiten sehen, um die strategischen Ziele zu erreichen; zum Beispiel: Produktinnovationen, Kooperationen oder Markenbildung.
  2. Sie fokussieren sich so lange auf diesen Schlüsselprozess, wie er zum Erfolg führt, also wesentliche Beiträge zur Zielerreichung leistet. Dabei sind spezielle Regeln maßgeblich, die dem Management die Vorgabe für die Entscheidungen liefern.

Welche Regeln hilfreich sind, lässt sich nur im Einzelfall entscheiden. Es sollten nicht zu viele, aber auch nicht zu wenige sein. Als Orientierung dient: zwischen drei und sieben. In stabilen Märkten können es eher mehr sein, um die Effizienz zu verbessern. In turbulenten Märkten sollten es eher weniger Regeln sein, um flexibel zu bleiben. In jedem Fall sollten die Anzahl und die Art der Regeln immer pragmatisch festgelegt sein. Mögliche Regeln können sein:

  • Es kommt darauf an, dass wir Kundenanfragen sehr schnell lösen.
  • Kein Produkt verlässt das Unternehmen, das nicht auf Herz und Nieren geprüft wurde.
  • Tüfteln und Experimentieren ist in der Entwicklung ausdrücklich erlaubt; am Ende des Jahres muss dabei mindestens ein vielversprechendes Produkt herauskommen.

Wie Sie Regeln für strategische Entscheidungen finden

Da die Regeln immer zu den eigenen strategischen Zielen, aber auch zum Umfeld, zum Markt, zu den Branchenkräften und zu den Potenzialen im Unternehmen passen müssen, gibt es nur allgemeine Anhaltspunkte, wie sie gefunden werden können. Sie können selten erfunden oder konstruiert werden; meistens ergeben sie sich aus Erfahrungen und vor allem auch aus Misserfolgen in der Vergangenheit. Oft handelt das Management schon seit Längerem nach diesen Regeln, ohne dass sie explizit formuliert sind; dann gilt es, sie zu identifizieren und festzuhalten. Vergleicht man die Regeln, die sich erfolgreiche Unternehmen gegeben haben, findet man folgende Muster: Die Regeln beschreiben vor allem,

  • wie der Schlüsselprozess umgesetzt werden muss, sie machen klare Vorgaben zum Vorgehen und sind auf die Merkmale der Einzigartigkeit des Prozesses ausgerichtet;
  • in welchem Rahmen Entscheidungen getroffen werden sollten, welche Kriterien dabei immer eingehalten werden müssen, was im Fokus steht und was nicht;
  • welche Prioritäten maßgeblich sind, um Potenziale und Chancen zu beurteilen und Handlungsmöglichkeiten auszuwählen;
  • was die zeitlichen Vorgaben für die Vorgehensweise sind, was synchronisiert werden muss oder wann etwas abgeschlossen sein muss;
  • unter welchen Bedingungen etwas abgebrochen oder geändert wird.

Beispiele: Regeln für strategische Entscheidungen

  • Wer seine Kundenorientierung verbessern will, legt fest, in welcher Zeit Anfragen gelöst sein müssen.
  • Wer mit Akquisitionen wachsen will, legt fest, welche Größe und welche Qualifikation die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens haben sollen, das gekauft wird.
  • Um die Effizienz in der Produktion zu steigern, gilt: Es werden die Aktivitäten vorangetrieben, die nach einem Jahr die höchste Rendite erwirtschaftet haben.
  • Um schneller mit innovativen Produkten am Markt zu sein, gilt: Jede Neuentwicklung muss in einem Jahr abgeschlossen sein.
  • Die Regel, um das Projektmanagement zu verbessern, heißt: Wenn eine Schlüsselperson das Projektteam verlässt, wird das Projekt abgebrochen.

Merkmale und Rahmenbedingungen für das strategische Denken

Jede Regel sollte konsequent eingehalten werden. Nur dadurch erlangt sie ihren Wert. Doch es ist auch wichtig, zu erkennen, wann ein Schlüsselprozess nicht mehr der entscheidende ist und wann eine Regel nicht mehr funktioniert. Sie müssen dann angepasst oder eliminiert werden. Stattdessen kann ein anderer Schlüsselprozess mit anderen Regeln ins Blickfeld rücken. Das Timing für den Wechsel ist entscheidend.

Die folgende Übersicht fasst die Merkmale und Rahmenbedingungen unterschiedlicher Ansätze für das strategische Denken zusammen:

Position bestimmeneigene Kompetenzen nutzeneinfache Regeln anwenden
Logik der StrategieErreiche eine bestimmte Stellung.Setze die vorhandenen Kompetenzen (Ressourcen) ein.Nutze die Möglichkeiten.
Strategische Schritte

Identifiziere einen attraktiven Markt.

Bestimme eine Position, die sich verteidigen lässt.

Baue diese Position aus und verteidige sie.

Entwickle eine Vision.

Schaffe die Kompetenzen.

Setze diese Kompetenzen auf den relevanten Märkten ein.

Gehe in einen konfusen Markt.

Verändere dich ständig, bleibe in Bewegung.

Packe die Gelegenheiten beim Schopf.

Bring es zum Abschluss.
Strategische FrageWo sollten wir sein?Was sollten wir sein?Wie sollen wir vorgehen?
Quelle des Vorteilseinzigartige, vorteilhafte Position mit straffer Struktureinzigartige, vorteilhafte Kompetenzen, die nicht zu kopieren sindSchlüsselprozesse und einfache Regeln
Funktioniert am besten beikaum Veränderung und übersichtliche Märkteetwas Veränderung und übersichtliche Märkterasche Veränderungen in undurchsichtigen Märkten
So lange kann der Vorteil währenlangfristiglangfristignicht vorhersehbar
Risikoschwierig, die Position zu ändern, wenn sich das Umfeld ändertneue Kompetenzen können nicht schnell genug entwickelt werden, wenn sich das Umfeld ändertManager sind zu zögerlich beim Nutzen von Möglichkeiten, die sich zeigen
LeistungszielProfitabilitätlangfristige DominanzWachstum

Tabelle 1: Merkmale und Rahmenbedingungen für das strategische Denken

[Quelle: Kathleen M. Eisenhardt, Donald N. Sull: Strategy as simple Rules, Harvard Business Review, 1/2001]

Praxis

Strategien durch Zuweisung von Ressourcen entwickeln

Überlegen Sie zunächst: Was sind die drei wichtigsten Ressourcen für Ihre zukünftige Entwicklung?

Sie können mit der Tabelle 1 herausarbeiten, wo Sie Ihre Ressourcen zuweisen und auf welche Aktivitäten Sie sich konzentrieren. Ziel dabei ist, dass alle entscheidenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen konsistente Strategien verfolgen, um gemeinsam den Erfolg sicherzustellen. Es soll aber auch gewährleistet werden, dass wenig erfolgreiche Strategien angepasst werden.

Nutzen Sie für diese Aufgabe die folgende Vorlage.

Damit die Ressourcen für die einzelnen Strategiemaßnahmen richtig zugeordnet werden können, ist zu überprüfen, wo Schwerpunkte liegen sollen. Dazu sollten Sie die Bedeutung der Umfeldbereiche, wichtiger Trends und Entwicklungen (im Bereich Politik, Technologie, Märkte, Umwelt, Gesellschaft etc.) analysieren und in Beziehung setzen zu Ihren Strategien.

Zudem müssen Sie die wichtigen Ziele Ihres Unternehmens daraufhin prüfen, inwiefern die ausgewählten Strategien dazu beitragen, dass diese Ziele auch erreicht werden. Für beide Aufgaben können Sie die folgenden Excel-Vorlagen nutzen: 

Regeln als Richtschnur für strategische Entscheidungen benennen

Überlegen Sie zunächst: Welche strategischen Kernprozesse sind in Ihrem Unternehmen maßgeblich?

Und danach:

  • Können Sie Regeln benennen, die für Ihre strategischen Entscheidungen bislang Richtschnur waren? Welche sind das?
  • Welche Regeln halten Sie für die Zukunft für angemessen?

Nutzen Sie für Ihre Reflexion die folgende Vorlage.