InnovationsmanagementWiderstände im Innovationsprozess

Veränderungen und Neuerungen sind in vielen Unternehmen nicht beliebt. Sie erfordern ein Umdenken und Verhaltensänderungen. Auch die Rahmenbedingungen können für Neuerungen hinderlich sein und Innovationen erschweren. Wichtig ist, diese Widerstände zu erkennen und zu wissen, wie sie überwunden werden können.

Was Innovationen erschweren kann

Es gibt viele Widerstände und Hemmnisse für erfolgreiche Innovationen. Der VDI beklagt, dass es seit Jahren nicht mehr genug Ingenieure gibt. Hochschulen beklagen, dass die Zahl der eingeschriebenen Studierenden nur ungenügend steigt und die Zahl der Studienabbrecher unverändert hoch ist.

Doch wie sieht das konkret in den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) aus? Anlässe für Innovationen gibt es genug: Der Markt fordert ständige Weiterentwicklung der Angebote oder umfangreichere Leistungen für den gleichen Preis. Die Kunden wollen einfache Anwendungen, neue Funktionen und bessere Materialien. Umsatz und Gewinn lassen sich auf die althergebrachte Weise nicht mehr steigern. Hinzu kommen die eigenen Ideen zur Angebotsverbesserung und die Umsetzung langgehegter Vorstellungen für Veränderungen.

Doch obgleich in den Medien die Innovationskraft des Mittelstandes ständig gelobt wird und auch die Politiker dieses Mantra ständig wiederholen, sind doch gravierende Mängel festzustellen. Um Protesten vorzubeugen: Ja, in vielen kleinen und mittleren Unternehmen werden hervorragende Innovationsleistungen vollbracht. Und gerne wird die wunderbare Geschichte vom kleinen Arthur Fischer zum Weltmarkführer in der Dübeltechnik zitiert. Aber es gibt zwei nicht wegzudiskutierende Mängel:

  • Zum ersten zögern viel zu viele KMU, obwohl Innovationen nötig sind; nur rund ein Viertel dieser Unternehmen kann mit Innovationen innerhalb der letzten drei Jahre aufwarten.
  • Zweitens führen viel zu viele Innovationsanstrengungen nicht zum gewünschten Erfolg. Die Misserfolgsquote ist hoch.

Probleme kleiner und mittelständischer Unternehmen mit Innovationen

Studien und Erfahrungen aus der Innovationspraxis zeigen auf, dass folgende Mängel im Innovationssystem von kleinen und mittelständischen Unternehmen eine Rolle spielen:

Die Innovationsstrategie ist unentwickelt

Blitzgescheite Ideen werden in den Lücken des normalen Tagesgeschäftes in Angriff genommen. Es wird nicht geprüft, in welchem Umfang das neue Produkt, der neue Dienst am Markt Anerkennung finden wird und wie die Umsätze aussehen können. Es wird nicht geprüft, ob gleichwertige Ideen bei der Konkurrenz umgesetzt werden oder ob im Patentfonds bereits Lösungen vorliegen. Es wird nicht der vermutliche Aufwand für die Ausführung der Idee bis zum Prototypen abgeschätzt und mit den verfügbaren Ressourcen abgeglichen. So sterben die Innovationsanstrengungen irgendwann ab, die Folge ist ein Friedhof der Prototypen.

Die Innovationskraft ist unzureichend

Die Problemlösungen – und es sind ja im Laufe des Innovationsprozesses immer wieder Probleme zu lösen – werden „aus dem Bauch“ erarbeitet. Von der Vielzahl von Kreativitätstechniken wird am liebsten Brainstorming genannt und bei genauerer Nachfrage entpuppt sich diese Lösungserarbeitung als übliche Arbeitsberatung. Es wird auch nicht geprüft, ob durch Recherche der Aufwand zur Lösung reduziert werden könnte. Die Bewertung des vorliegenden Lösungsansatzes geschieht gleichfalls „aus dem Bauch“; objektive Lösungsbewertungen werden selten eingesetzt.

Das Innovationskapital ist ungenügend

Die Kapitalausstattung wird generell als verbesserungswürdig anerkannt. Innovationsprojekte werden in der Regel aus dem Eigenkapital finanziert und sind daher oft begrenzt. Diese Begrenzung ist nicht ganz freiwillig, da Fremdkapitalgeber die unbekannten Risiken scheuen. Das liegt einmal in der Natur der Sache: keiner kann den Erfolg eines Innovationsprojektes garantieren. Zum anderen fehlt es in den KMU an einem belastbaren Risikomanagement. Weder Banken noch Risikokapitalgeber bauen allein auf die Überzeugungen des Geschäftsführers.

Das Innovationsmarketing ist nicht professionell

Zum einen kommt hier der Kapitalmangel erst recht zur Geltung; die Faustregel, dass die Aufwendungen für die Entwicklung des Projektes verzehnfacht werden müssen, um am Markt Erfolg zu sichern, wird für übertrieben erachtet. Und wenn schon Geld fehlt, dann kommt man doch nicht auf die Idee, dass auch das Marketing ein Feld der Innovation sein kann. Und zur Entschuldigung zieht man sich zurück: Ich bin doch Techniker.

In Gesprächen mit Innovationsberatern der IHK und der Handwerkskammer (der Autor pflegt seit Jahren ein inniges Verhältnis zu diesen Spezialisten) bestätigen sich leider die aufgeführten Mängel. Schlimmer noch: Viel zu häufig weichen Selbstbild der KMU und kritische Einschätzung der Innovationsberater beträchtlich voneinander ab. Entscheidend ist die immer und immer wieder getroffene Feststellung, dass das Potenzial der kleinen und mittleren Unternehmen im Vergleich zu den Großunternehmen Defizite aufweist.

Der Anteil von KMU mit kontinuierlicher Innovationstätigkeit in den letzten drei Jahren lag bei einem Fünftel, der der Großunternehmen bei drei Viertel. Der Anteil der Innovationsaufwendungen von KMU bezogen auf den Umsatz lag bei gut 3 Prozent, der der großen Unternehmen bei fast 6 Prozent. Soweit die Defizite im internen Vergleich.

Widerstände und Treiber der Innovation im Unternehmen erkennen

Bevor Sie sich Ihrem Innovationsmanagementsystem zuwenden, sollten Sie eine selbstkritische Inventur machen. Rekapitulieren Sie, wie viele Innovationen in den letzten fünf Jahren bei Ihnen in Angriff genommen wurden. Lassen Sie sich nicht vom Begriff „Innovationen“ abschrecken. Jede Neuerung, auch eine Übernahme von einem Vorbild oder Ideengeber, verändert Ihre Routineprozesse und zählt zu den Innovationen. Fokussieren Sie sich nicht nur auf Produktentwicklungen oder neue Dienstleistungen. Auch Wandelprozesse in Ihrer Produktion, in Ihrer Logistik, Verwaltung, in Ihrem Marketing zählen dazu. Die Ausgründung einer Vertriebsgesellschaft oder ein Profitcenter zählen dazu, genauso wie organisatorische Veränderungen, um die produktive Zeit im Verhältnis zur unproduktiven zu verbessern oder neue Ideen Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stimulieren.

Prüfen Sie, wie viele Wandelprozesse in Angriff genommen wurden und welche Erfolge sie hatten. Werfen Sie nicht die Flinte ins Korn, wenn Ihre Erwartungen – aus welchen Gründen auch immer – sich nicht erfüllten. Mehr als jeder zweite Innovationsversuch führt laut Fraunhofer-Institut Systemtechnik und Innovationsforschung nicht zum Erfolg. Aber selbst aus Misserfolgen kann man lernen und es künftig besser machen. Wenn Sie am eigenen Leib erfahren haben, dass die meisten Flops gar nicht technische Fehlentwicklungen zum Grund haben, sondern fehlende Kundenorientierung und interne organisatorische Defizite, dann werden Sie ganzheitlicher an Ihre nächsten Planungen gehen. Aber auch den Moden alleinseligmachender Managementmethoden werden Sie kritischer gegenübertreten.

Bleiben Sie also optimistisch trotz gelegentlicher Misserfolge. Es ist klar, dass auch äußere Einflüsse dem Innovationswillen entgegenstehen können. In der großen Krise nach 2008 konnte die Statistik einen deutlichen Rückgang des Innovationsgeschehens konstatieren. Inzwischen ist das alte Niveau wieder erreicht, allerdings nicht bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Praxis

Wenn Sie quantitative und qualitative Prozesse zum Innovationsmanagement in Ihrem Unternehmen für die letzten drei Jahre Revue passieren lassen:

  • Zu welchem Ergebnis kommen Sie dann für Ihre Innovationsleistungen und Ihre Innovationsergebnisse?
  • Überprüfen Sie die gegenwärtigen Projekte: In welchem Stadium der Entwicklung sind Ihre Entwicklungsprojekte und welche Hemmnisse treten einem Erfolg entgegen?

Halten Sie Ihre Überlegungen und Ihre Erkenntnisse in der folgenden Vorlage fest.

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