Beziehung zwischen Vorgesetzten und MitarbeiternWie Vorgesetzte und Mitarbeiter ihre Beziehung verbessern

Vorgesetzte sollten den ersten Schritt gehen, um den Teufelskreis einer schlechten Beziehung zu durchbrechen. Dazu sollten sie ihr eigenes Verhalten reflektieren und für das Team ein Good-Will-Konto einrichten. Genauso müssen klare Regeln und Grenzen vereinbart und von allen eingehalten werden.

Vorgesetzte müssen mit der Verbesserung der Beziehung beginnen

Vorgesetzte tragen mehr Verantwortung als ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dieser Verantwortung müssen Vorgesetzte auch gerecht werden. Unter anderem dadurch, dass sie die Beziehung zu ihren Mitarbeitern in eine normale Bahn bringen und den Teufelskreis aus Vorurteilen und einseitiger Wahrnehmung durchbrechen. Sie müssen sich ihrer Defizite in punkto eigener Vorurteile und Wahrnehmungsfehler bewusst werden und diese abstellen. Wie können sie das leisten?

Wer neu in die Funktion eines Vorgesetzten kommt, der sollte vor allem genau hinschauen und zuhören:

  • Sie sollten sich intensiv mit der jeweiligen Situation auseinandersetzen und die Kräfte, die eine Rolle spielen, verstehen. Was erwarten die Mitarbeiter von ihnen? Wie sehen sie die Situation in ihrem Team? Welche Aufgaben und Herausforderungen stehen an?
  • Besonders wichtig: Wie war das Verhältnis der Mitarbeiter zum unmittelbaren Vorgänger? Und welche Erfahrungen haben die Mitarbeiter grundsätzlich mit anderen Vorgesetzten gemacht?

Als Führungskraft sollten Sie möglichst vorurteilsfrei mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sprechen. Hören Sie heraus, was diese bewegt, welche Einstellungen sie haben. Bedenken Sie dabei, dass Mitarbeiter nicht alles offen ansprechen und sagen werden, was sie beschäftigt. Investieren Sie deshalb ausreichend Zeit in Einzelgespräche und beobachten Sie Ihre Mitarbeiter zunächst nur, wie sich diese im Alltag verhalten, was sie (Ihnen und anderen gegenüber) sagen, und wie sie sich in das Team einbringen.

Sorgen Sie dafür, dass alle auf ein Good-Will-Konto einzahlen und davon profitieren

Richten Sie als Führungskraft für sich und Ihr Team ein sogenanntes Good-Will-Konto ein. Hier machen Sie Einzahlungen etwa in der Form von Hilfestellung, positiver Rückmeldung, Förderung der Mitarbeiter, Zeit fürs Zuhören, Beteiligung an Entscheidungen etc. Die Auszahlungen gehen zunächst an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber bald werden diese ebenfalls Einzahlungen leisten etwa in der Form von Loyalität, Hilfe, wenn es darauf ankommt, Weitergabe von Informationen oder besonderes Engagement und Unterstützung. Diese Einzahlungen und Auszahlungen auf das Good-Will-Konto machen die Zusammenarbeit im Team erheblich leichter.

Wenn das Konto nicht immer wieder gefüllt oder ungleich in Anspruch genommen wird, sollten Sie eingreifen – bei den Mitarbeitern, aber auch bei sich selbst. Legen Sie ihre Mitarbeiter gedanklich nicht gleich in vorgefertigte Schubladen ab, auch wenn sie Ihre Erwartungen nicht erfüllt haben. Geben Sie denen weitere Chancen, den Anschluss zu finden, die vielleicht von früheren Erfahrungen mit (vermeintlich) schlechten Chefs besonders geprägt sind; sie bekommen einen Kredit aus dem Good-Will-Konto.

Vorgesetzte und Mitarbeiter brauchen gemeinsame Regeln und sollten die Grenzen kennen

Legen Sie auch Regeln und Grenzen fest. Diese können von Vorgesetzten vorgegeben oder gemeinsam festgelegt werden. Wenn die Regeln gebrochen oder Grenzen überschritten werden, müssen Sie das Gespräch mit dem Mitarbeiter suchen – möglichst schnell. Wichtig dabei ist:

  • Sagen Sie, was Sie festgestellt haben; das sollte für Sie und den betroffenen Mitarbeitern tatsächlich sichtbar oder wahrnehmbar sein.
  • Sagen Sie dem Mitarbeiter, was Sie an seinem Verhalten oder an seiner Leistung stört und warum Sie nicht zufrieden sind.
  • Geben Sie ihm Gelegenheit, sein Verhalten oder seine Leistung zu begründen, sodass Sie erkennen können, was dahintersteckt.
  • Erst dann können und sollten Sie das Ereignis bewerten.

Erst diese Rückmeldung kann helfen, die Situation zu klären, die Meinungen auszutauschen und sich gegenseitig respektvoll zu verhalten. Ob damit alle Probleme gelöst werden, ist nicht sicher. Aber in vielen Fällen ist es ein Anfang.

Tipp: Regeln für den Umgang miteinander

Weitere Erläuterungen zu Regeln und Vorgehensweisen, um die Zusammenarbeit im Team und mit Ihren Mitarbeitern zu verbessern, finden Sie in den folgenden Handbuch-Kapiteln: Teamentwicklung, Konfliktmanagement, Gespräche mit Mitarbeitern führen, Feedback geben.

Das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und ihren Mitarbeitern ist immer von Missverständnissen, Vorurteilen oder gar Konflikten bedroht. Es ist Aufgabe beider Partner, sie immer wieder sich selbst sichtbar zu machen, zu reflektieren und einzudämmen. Führung ist ein nicht endender Prozess der Beziehungspflege.

Praxis

Stärken und Schwächen der Mitarbeiter einschätzen

Machen Sie sich gezielt Notizen über Stärken und Schwächen (gleichermaßen) der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Beschreiben Sie als Vorgesetzte oder Vorgesetzter Ihre Wertung jedes einzelnen Mitarbeiters:

  • Was halten Sie für gut?
  • Was ist nicht so gut oder schlecht?

Achten Sie bei Ihrer Bewertung einzelner Mitarbeiter an dieser Stelle besonders darauf, dass Sie für jede Person auf beiden Seiten der „Leistungsbilanz“ genau gleich viele Punkte aufgezählt haben. Die Bewertung enthält also bei beiden folgenden Kategorien gleich viele Einträge:

  • Das schätze ich an Mitarbeiter XY.
  • Das stört mich an ihm.

Machen Sie außerdem immer klar, was Sie erwarten, welche Ziele Sie verfolgen und welche Regeln Ihnen wichtig sind. Die Aussagen müssen für alle klar, offen und konsistent sein. Zeigen Sie immer, dass Sie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichermaßen respektieren – ganz unabhängig davon, was sie im Einzelfall leisten.

Nutzen Sie die folgende Vorlage, um an Ihrer Beziehung zu Mitarbeitern und Vorgesetzten zu arbeiten. Denn eine gute Beziehung ist nicht nur wichtig für das Unternehmen, sondern vor allem für Ihr persönliches Befinden und Ihre Arbeitszufriedenheit.