Kündigung10 kuriose Kündigungsgründe

Beleidigung, Diebstahl und Arbeitsverweigerung sind die Klassiker unter den Kündigungsgründen. Doch es gibt Arbeitgeber, die kündigen wegen der skurrilsten Dinge.

Die folgenden zehn Kündigungen wurden von Arbeitgebern tatsächlich ausgestellt. Die Begründungen für die Kündigungen bemühten jeweils auch die Arbeitsgerichte.

Handy aufladen bei der Arbeit

Im Büro kurz das Handy aufladen machen die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Warum auch nicht? In Oberhausen führte das für einen Angestellten jedoch zur Kündigung. Der Arbeitgeber rechtfertigte seine Kündigung mit „Stromdiebstahl“. Allerdings erfolglos: Das Arbeitsgericht bewertete diesen Kündigungsgrund als nicht berechtigt, da der Streitwert bei etwa 0,014 Cent lag.

Arbeit unter Alkohol und Drogen

Im März 2017 stand ein Fließband im Münchner BMW-Werk kurze Zeit still. Grund dafür waren zwei Arbeitnehmer, die stark alkoholisiert und von Drogen berauscht zur Arbeit kamen und während dieser dann am Fließband kollabierten. Der Schaden für BMW belief sich auf einen fünfstelligen Betrag. Die Kündigung gab es allerdings nur für einen der beiden Mitarbeiter, der andere wurde versetzt.

Beim Alter verschätzt

Einer Auszubildenden wurde das Schätzen des Alters beruflich zum Verhängnis. Sie schätzte das Alter der Lebensgefährtin ihres Chefs höher als es tatsächlich war und kassierte dafür die Kündigung. Die Begründung: Beleidigung und respektloses Verhalten in Verbindung mit kleinen Fehlern bei der Arbeit. Die beiden Parteien trennten sich und einigten sich auf einen Vergleich.

Feuerwerk auf dem Dixi-Klo

Vor dem Arbeitsgericht Krefeld verhandelten die Richter 2010 einen Fall mit Knalleffekt. Ein Bauarbeiter brachte in einer mobilen Baustellentoilette einen Feuerwerkskörper zum Explodieren, während ein Kollege dort sein Geschäft verrichtete. Dieser zog sich schwere Verletzungen und Verbrennungen im Genitalbereich zu. Für den den Knallkörper zündenden Bauarbeiter endete der schlechte Scherz mit einer fristlosen Kündigung. Auch 15 Jahre Betriebszugehörigkeit und eine ausgebliebene Abmahnung konnten das nicht mehr ändern (Az. 2 Ca 2010/12).

Fragwürdige Lektüre am Arbeitsplatz

Weil ein Mitarbeiter des Bezirksamts während der Arbeitszeit die Originalausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ las, wurde ihm ohne Abmahnung gekündigt. Der entlassene Arbeitnehmer klagte aus diesem Grund gegen das Land Berlin. Das Urteil: Als Repräsentant des Landes müsse er in besonderer Weise für die freiheitlich-demokratische Grundordnung nach dem Grundgesetz einstehen. Das Hakenkreuz auf der Originalausgabe stellt ein verfassungswidriges Symbol dar, sodass der Mitarbeiter schwerwiegend gegen seine Verpflichtung verstoßen habe.

Wenn der Glaube den Job kostet

Beim LAG Hamm (Az. 4 Sa 2230/10) stand Arbeitsrecht gegen Glauben. Ein Callcenter-Mitarbeiter verabschiedete Anrufer stets mit dem Satz: „Vielen Dank für Ihren Einkauf. Jesus hat Sie lieb“. Nach zahlreichen Aufforderungen, diese Floskel zu unterlassen, folgte die fristlose Kündigung für den Telefon-Missionar. Die Kündigungsschutzklage auf Glaubensfreiheit blieb erfolglos. Es konnte nicht belegt werden, dass eine Unterlassung des Abschiedsgrußes zu einem Gewissenskonflikt geführt hätte.

Weiterleitung beruflicher E-Mails an den Privataccount

In Frankfurt wurde einem leitenden Angestellten gekündigt, weil er geschäftliche E-Mails mit betrieblichen Informationen und personenbezogenen Daten von Kunden an seinen Privataccount weiterleitete, um zuhause damit weiter zu arbeiten. Auch das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg sah die Kündigung als berechtigt an. Gemäß dem Urteil besteht in der Weiterleitung von E-Mails mit betrieblichen Informationen eine schwerwiegende Pflichtverletzung. Die fristlose Kündigung sei legitim gewesen, da das geschäftliche Interesse des Arbeitgebers unmittelbar gefährdet gewesen sei.

Das Deutschlandlied geträllert

Während Geschäftspartner aus den USA anwesend waren, trällerte ein Angestellter aus Köln lautstark die erste Strophe des Deutschlandliedes. Nach der musikalischen Darbietung gab es statt Applaus nur eine fristlose Kündigung. Laut dem Landesarbeitsgericht Köln hätte zwecks Interessenabwägung auch eine Abmahnung gereicht. Die Kündigung wurde als unwirksam beurteilt.

Arbeiten im Schneckentempo

Eine angestellte Architektin bei einer Kreisverwaltung in Hessen wurde nach mehrmaliger Ermahnung gekündigt, weil sie zu lange für ihr Gutachten brauchte. Kalkuliert waren 40 Tage. Als sie nach 96 Tagen immer noch nicht fertig war, folgte die Kündigung, der das Gericht stattgab.

Mangelnde Körperhygiene

Eine Kündigung gab es auch für einen Architekten in der Probezeit bei der Stadt Köln. Ihm wurde aufgrund mangelnder Körperhygiene gekündigt. Natürlich sah sich der Architekt in seiner Intimsphäre verletzt, konnte aber auch nicht auf seine Menschenwürde pochen – die Kündigung wurde wirksam.

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