Umgang mit Alpha-Managern

Alpha-Manager sehen sich als unumstrittene Anführer. Doch ihr Auftreten ist oft auch anstrengend für Kollegen und Mitarbeiter. Ein richtiger Umgang mit diesem Typ Führungskraft vermeidet Konflikte.

Ein Alpha-Mensch als Führungskraft oder als Mitarbeiter im Team kann positive, aber auch negative Folgen für die Zusammenarbeit untereinander und für das Unternehmen haben. Denn dieser Typ Mensch hat einige Stärken, aber auch viele Schwächen. Besonders problematisch ist, dass Alpha-Manager die Meinung anderer kaum gelten lassen, dass sie eigene Fehler oder negative Entwicklungen nicht wahrnehmen und dass sie auf ihre Mitmenschen und Mitarbeiter harsch und unsozial wirken. Die Mitarbeiter im Umkreis eines Menschen, der immer „Bestimmer“ sein will, können dann an seinen Schwächen leicht verzweifeln.

Auf der anderen Seite übernehmen Alpha-Manager gerne die Verantwortung. Sie treiben Dinge voran und arbeiten sehr zielorientiert. Dabei wollen sie von ihrer Umwelt, von den Mitarbeitern und Kollegen genauso wie von ihrem Vorgesetzten, als Führungspersönlichkeit respektiert werden. Gleichzeitig suchen sie Anerkennung. Und das kann der Schlüssel sein, um ohne allzu viel Ärger, Frust oder Stress im Alltag mit ihnen umzugehen.

Beispiel Besprechungen: Alpha-Menschen oder entsprechend geprägte Führungskräfte bringen klar und deutlich ihre Meinung ein, halten diese für die einzig richtige und reagieren auf Kritik sehr empfindlich. Sie erwarten, dass alle ihren Vorschlägen folgen. Doch die müssen nicht die richtigen sein; Mitarbeiter oder Kollegen können eine andere Sichtweise haben und wollen diese auch einbringen.

Einen Zugang findet in einer solchen Situation, wer den Alpha-Menschen als „Leader“ anerkennt, ihm gleichwohl auf Augenhöhe und mit den gleichen Strategien und Verhaltensweisen begegnet. Hilfreich ist, in der Diskussion oder im Gespräch mit einem Alpha-Menschen knappe und klare Fragen zu stellen, damit lässt sich das Gespräch mit ihm in eine gewünschte Richtung lenken. Wenn es um Abstimmungen, Auftragsklärungen zwischen dem Alpha-Vorgesetzten und einem Mitarbeiter geht, kann diese Gesprächsführung ebenfalls hilfreich sein.

Was zeichnet Alpha-Menschen als Führungskräfte aus?

Um die richtige Strategie und Taktik im Umgang mit Alpha-Managern zu finden, muss man wissen, was sie ihren Charakter auszeichnet. Diese Art von Mensch ist insbesondere:

  • selbstbewusst
  • eigensinnig
  • intelligent
  • sehr umsetzungsorientiert
  • sehr fordernd, was die eigene Leistung und die von anderen betrifft
  • sehr direkt kommunizierend
  • sehr diszipliniert
  • kein emotionaler Typ

Diese Eigenschaften und Merkmale sind für Unternehmen sehr wertvoll, denn Alpha-Menschen:

  • treffen zielstrebig Entscheidungen
  • haben eine gute Intuition
  • produzieren Ergebnisse
  • setzen sich hohe Ziele und erreichen diese auch
  • treiben andere zur Leistung an
  • sind selbst sehr produktiv
  • arbeiten fokussiert und objektiv

Alpha-Manager können viel Schaden anrichten

Problematisch ist, dass Alpha-Menschen mit diesen Charaktereigenschaften keine guten Teamplayer sind. Ihre Mitarbeiter, für die sie Vorgesetzte sind, und ihre Kollegen aus anderen Abteilungen sind schnell frustriert und meiden die Zusammenarbeit, wann immer es geht. Das schadet auch dem Unternehmen. Denn:

  • Alpha-Manager sind zu ungeduldig,
  • sie nehmen ihre Mitarbeiter nicht mit, sondern lassen diese zurück,
  • beachten oder akzeptieren zu wenig die Meinung anderer,
  • übersehen deshalb wichtige Details,
  • schüchtern andere ein und missachten Mitarbeiter, die anderer Meinung sind als sie selbst,
  • überfordern ihre Mitarbeiter,
  • behandeln gleichrangige Kollegen herablassend,
  • wirken unnahbar und damit
  • demotivierend.

Alpha-Menschen haben zu sehr vielen Dingen eine vorgefertigte Meinung, halten diese für richtig, und meist haben sie damit Erfolg. Und gerade deshalb sehen sie nicht ein, dass sie auch mal irren können. Aus diesem Grund sind Alphas schlechte Coaches und schlechte Lehrer. Das kann dazu führen, dass die Mitarbeiter sich von ihnen abwenden oder eine Kultur der „Ja-Sager“ entsteht – unabhängig davon, was dann tatsächlich gemacht wird.

So geben manche Mitarbeiter ihren Alpha-Managern recht, um vor ihnen ihre Ruhe zu haben, machen dann aber doch das, was sie selbst für richtig halten oder eben gar nichts. Das merkt auch der Alpha-Manager, so dass die Situation leicht eskaliert und zu einem Konflikt werden kann. Ein solcher Teufelskreis sollte aufgebrochen werden.

Wie geht man als Mitarbeiter oder Kollege mit Alpha-Managern richtig um?

Mit Zahlen, Daten, Fakten kommen

Zunächst muss man seine Aufmerksamkeit gewinnen – am besten durch Zahlen, Daten und Fakten, die einen wichtigen Sachverhalt auf den Punkt bringen. Geschickterweise wird dabei auch auf seinen Alpha-Status und sein Expertenwissen verwiesen: „Sie kennen sich doch gut aus … Sie sind doch Experte in … Ich habe da ein paar Zahlen, die …“. Der Einstieg in das Gespräch muss gleich zum Thema hinführen, denn der Alpha-Manager will sich nicht mit Smalltalk abgeben.

Gemeinsame Ziele ansprechen

Ebenfalls ist hilfreich, sich auf konkrete Ziele zu beziehen, die dem Alpha-Manager wichtig sind: „Für Sie ist doch wichtig, dass … Wir wollten doch bis Ende der Woche hinbekommen, dass …“. Der Alpha erkennt, dass seine Ziele übernommen wurden und dass auch der Gesprächspartner sehr zielorientiert vorgeht.

Systemische Fragen stellen

Hilfreich kann auch sein, mit systemischen Fragen zu arbeiten. „Wie beurteilen Sie, …?“ „Was ist für Sie der wichtigste Aspekt?“ „Worauf sollten wir Ihrer Meinung nach besonderen Wert legen?“ „Welches Ergebnis wollen Sie erreichen?“ „Welche Prioritäten setzen Sie in Bezug auf …?“ „Welche Kriterien müssen unbedingt erfüllt werden …? Mit solchen Fragen werden der Alpha-Mensch und sein Expertenwissen wertgeschätzt und gewissermaßen „aufgeschlossen“.

Mit anderen Experten konfrontieren

In hartnäckigen Fällen wird der Alpha-Mensch mit Aussagen anderer „Experten“ konfrontiert, die ihn durchaus verletzen sollen; er soll sich dadurch angegriffen fühlen. Hier wird an die natürliche Wissbegierde und an den Wettbewerbsinstinkt des Alpha-Menschen angeknüpft: „Herr Müller hat das überprüft. Er kommt zu dem Ergebnis, dass …“. „Gerade die Studie von XY belegt, dass …“.

Dann den eigenen Standpunkt einbringen

Im weiteren Verlauf geht es dann darum, den eigenen Standpunkt und das, was man selbst vorbringen oder einbringen will, damit zu verknüpfen: „Gerade deshalb sollten wir diesen Aspekt beachten, der …“. „Dieser Punkt kann dafür einen wichtigen Beitrag leisten …“. „Ließe sich das nicht verbinden mit …“. Dabei sollte beachtet werden, eine klare Sprache zu sprechen. Also „Wir müssen …“, statt „Wir könnten“. Und „vielleicht“ oder „eigentlich“ als Sprachweichmacher überzeugen den Alpha-Menschen selten.

Nur wenn der Alpha-Manager sich davon überzeugen lässt, wird er bereit sein, in einen Prozess der eigenen Veränderung einzusteigen. Diese innere Bereitschaft muss vorliegen. Man muss seine Sprache sprechen, also mit harten Zahlen, Daten und Fakten argumentieren, das Wesentliche in Grafiken zusammenfassen und wichtige Aussagen und Erkenntnisse fokussieren, drastisch formulieren, zuspitzen und in „kämpferische“ Metapher packen. Schließlich lassen sich daraus mögliche Maßnahmen für eine Verhaltensänderung ableiten. So wird er im Idealfall seine Schwächen verringern, ohne seine Stärken zu verlieren.

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