Social SEO mit Google und Facebook

Google gegen Facebook. Warum und wie die beliebteste Suchmaschine dem sozialen Netzwerk künftig gefährlich werden könnte, lesen Sie in dieser Einschätzung.

2011 hatte Google angekündigt, mit „Google+“ ein neues soziales Netzwerk auf den Markt zu bringen. Motivation war sicherlich der Kampf gegen Facebook, das mit derzeit über eine Milliarde Mitglieder das größte soziale Netzwerk darstellt. Gleichzeitig geht es dem Unternehmen aber auch darum, die führende Marktposition als Suchmaschinenbetreiber weiter auszubauen. 

Trotz deutlicher Marktdominanz – in Deutschland 88,6 Prozent – beobachtet Google die Aktivitäten der Konkurrenz von Microsoft sehr genau. Erst im Mai 2011 hatte der amerikanische Soft- und Hardware-Hersteller seine Zusammenarbeit mit Facebook verstärkt und den Suchdienst „Bing“ innerhalb des sozialen Netzwerks integriert. Hintergrund: Bei einem nachhaltigen Erfolg dieses Konzepts, geraten die Werbeeinnahmen von Google in Gefahr, die immerhin 98 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen.

Auch „soziale“ Faktoren spielen bei der SEO künftig eine Rolle

Microsoft und Facebook prägten den Begriff der „sozialen Suche“ (Social SEO) und leiteten damit ein neues Zeitalter der Internetsuche ein. Hier wurden bei Suchanfragen über die Suchmaschine „Bing“ individuelle und sozial-relevante Komponenten wie „Like-Button“ oder persönliche Daten aus dem Facebook-Profil in die Relevanzbeurteilung einbezogen. Das hatte letztendlich Auswirkungen auf die Position in den Suchergebnisseiten. Eine aus vielerlei Hinsicht positive Entwicklung, da die Suchergebnisse künftig noch besser auf Relevanz beurteilt werden können. Diese Entwicklung wird entsprechende Auswirkungen auf die Branche der Suchmaschinenoptimierer haben, denn: Wo bislang hauptsächlich technische und inhaltliche Faktoren Einfluss auf die Positionierung in den Suchergebnislisten hatten, werden zukünftig auch „soziale“ Faktoren berücksichtigt.

Grundlage für Social SEO ist die Tatsache, dass die Präsenz und Aktivität innerhalb sozialer Netzwerke heute bereits eine große Rolle in der Online-Marketing-Strategie von Unternehmen spielen. Allein über Facebook generieren viele Webseiten den Großteil ihres Traffics: Jedes „Like“, jedes Teilen und auch jeder Kommentar erreichen weitere potenzielle Besucher. Doch selbst Experten sind sich uneinig über die Auswirkungen dieser „sozialen“ Signale auf das Suchmaschinen-Ranking. Und selbstverständlich lässt sich Google auch hier nicht in die Karten beziehungsweise Suchalgorithmen schauen. Die Sorge vor einer Manipulation ist zu groß.

Manipulationen für besseres Suchmaschinen-Ranking

Im Wettlauf um die vorderen Positionen in den Suchergebnislisten von Google versuchen sich viele Suchmaschinenopimierer mittels Manipulationen einen Vorteil zu verschaffen. Nicht selten gelingt das, andere wiederum werden entdeckt und aus dem Datenbankbestand der Suchmaschine gelöscht. Unstrittig ist dabei, dass jede Manipulation in erster Linie der Suchmaschine selbst schadet. Liefert diese auf eine Suchanfrage manipulierte und nicht relevante Ergebnisse, erleidet sie einen Imageschaden, nicht der Webseitenbetreiber der manipulierten Seite! 

Die Grundidee von Social SEO ist dann vielversprechend, wenn die Inhalte aus sozialen Netzwerken tatsächlich auf die Beurteilung der Relevanz Einfluss nehmen. So ließe sich zusätzlich ein glaubwürdiger Eindruck über die Qualität der Webseite gewinnen. Die Schwierigkeit, und auch wiederum die große Chance für „Google+“ besteht darin, die Profile in den sozialen Netzwerken zu verifizieren. Schon jetzt gibt es einen großen Anteil sogenannter „Fake Accounts“, also Profile, hinter denen sich keine reale Person verbirgt.

Gewiefte Suchmaschinenoptimierer legen sich eine Vielzahl dieser „Fake Accounts“ an und bewerten die zu optimierende Webseite entsprechend positiv. Auch in diesem Fall arbeitet Google an Antworten beziehungsweise Lösungen, die das eigene soziale Netzwerk stärken. Ein erster Vorbote dieser Entwicklung ist die Möglichkeit für Autoren, Blogger oder Journalisten, eigenen Content mit dem „Google-Authorship-Markup“ zu kennzeichnen. Dies ist ein HTML-Code-Schnipsel, der Google die Verknüpfung zwischen Autor und dem Artikel vereinfachen soll. Grundvoraussetzung hierfür ist eine verifizierte E-Mail-Adresse und ein „Google+“-Profil.

Eine weitere Möglichkeit sind so genannte „Rich Snippets“. Hierbei handelt es sich ebenfalls um einen HTML-Code-Schnipsel, mit dem sich Inhalte mit weiteren Informationen wie beispielsweise Sternebewertungen versehen lassen können. Auf diese Weise fließen die Anzahl und die Bewertungen selbst in die Relevanzbeurteilungen ein.

Warum sich Facebook über Google den Kopf zerbrechen sollte

Durch Social SEO erreichen die Suchergebnisse einen neuen Grad der Personalisierung. Die Bedeutung der klassischen Suchmaschinenoptimierung wird zukünftig stark abnehmen. Google hat mit seinem „+1-Button“ auf den „Like-Button“ von Facebook bereits reagiert. Es ist auch anzunehmen, dass diese Buttons direkten Einfluss auf die Positionierung im Google-Ranking haben werden. Ebenfalls erscheint es konsequent, dass Google „Empfehlungen“ über „Google+“ einen höheren Stellenwert beim Ranking zuspricht als beispielsweise einer Empfehlung durch Facebook. 

Wenn „Google+“ es tatsächlich schaffen sollte, die Einrichtung der erwähnten „Fake Accounts“ zu unterbinden, steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich an, dass sich die Suchergebnisse nachhaltig verbessern. Zusätzlichen Anschub bekommt die Entwicklung durch die Negativmeldungen von Facebook. Nach dem Börsengang muss das soziale Netzwerk sein Angebot stark kommerzialisieren, während „Google+“ überhaupt keine Gewinne erwirtschaften muss. 98 Prozent des Umsatzes wird ja aus Werbeschaltungen generiert. Sollte es Google schaffen, mit seinem sozialen Netzwerk Nutzer noch enger an sich zu binden, wird sich dies nicht nur stabilisierend, sondern auch wachstumsfördernd auf die weitere Unternehmensentwicklung auswirken.

Vermutlich werden viele Inhaber der rund 200 Millionen Gmail-Konten die neuen Funktionen ausprobieren und auch der gemeine Nutzer wird sich mittelfristig mit „Google+“ beschäftigen. Zudem hat Google noch einen Trumpf im Ärmel: Durch die gezielte Aktivierung von Meinungsführern, in diesem Fall seriöse Suchmaschinenoptimierer, entwickelt sich ein Multiplikationseffekt. SEO-Agenturen werden sich vermutlich mit Social SEO auseinandersetzen und es schließlich zum festen Bestandteil der SEO-Strategie machen. Damit wächst zusätzlich die Anzahl der „Google+“-Profile.

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