Arbeit 4.0Der Mensch wird zum Ding

Das Internet der Dinge wuchert sich wie ein Rankgewächs in unseren Alltag. Die Folge: Komplexität und Unübersichtlichkeit nehmen zu.

2014 nutzten 2,95 Milliarden Menschen weltweit das Internet. Die Zahl der vernetzten Geräte wird bis 2020 von 25 auf 50 Milliarden steigen. Auch die Grenze von 4,3 Milliarden möglichen IP-Adressen wird bald schon erreicht, und das heutige Übertragungsverfahren weicht einem leistungsfähigeren, das 340 Sextillionen IP-Adressen ermöglicht. Eine Sextillion ist eine Zahl mit 36 Nullen. Daraus folgt: Jedes Ding unserer Umwelt kann mit einer IP-Kennung ausgestattet und mit anderen Dingen vernetzt werden. Das ist eine der Voraussetzungen, um das Internet der Dinge auf Touren zu bringen.

Big Data bringt Produktivitätsschübe – und verändert das Leben

Schon jetzt werden Dinge des täglichen Lebens mit „intelligenten“ und interaktionsfähigen Mikrochips ausgestattet, die den Menschen unmerklich bei seiner Arbeit unterstützen. Dafür sorgen RFID (Radio Frequency Identification), Strichcodes und Sensoren. Soweit sie mit- und aufeinander wirken, spricht man von einem „Cyber Physical System“. Dabei wird eine gigantische Datenmenge, Big Data, generiert. Das, was Al Gore als Weltgehirn bezeichnet.

Verbunden mit extrem hoher Rechnerleistung ermöglicht Big Data einzigartige Analysemöglichkeiten, die enorme Produktivitätsschübe bringen und Lebensweisen verändern. Für das Handling dieser Datenmenge benötigen allein die USA mindestens 200.000 Daten-Analysten. Hinzu kommen laut McKinsey etwa 1,5 Millionen Daten-Trader, welche die aus dem Internet der Dinge geschöpften Daten verwerten, formatieren und damit Handel treiben.

Datenhandel schafft Überwachungsmärkte

Die Funktionsweise des Internets der Dinge zeigt sich bei meinem E-Book-Reader „Kindle“. Die gewählten Titel, meine Unterstreichungen, die übersprungenen Seiten und die Lesedauer werden an die Amazon-Zentrale weitergeleitet, dort zu Datenpaketen aufbereitet, um sie an interessierte Konzerne zu verkaufen. Diese unterbreiten mir zu meinem Profil passende Angebote. Hier wird zugleich ein neuer Weg realisiert, die Gesetzmäßigkeiten menschlichen Handelns an der Wissenschaft vorbei zu erforschen. Überwachungsmärkte sind neben Überwachungsstaaten getreten.

Sensoren, beispielsweise Codewort-Scanner, sind ein wichtiger Teil des Internets der Dinge. Sie sind das Auge, mit dem Vorgänge aus der realen in die virtuelle Welt gelangen. Wie ein Radar erfassen sie Bewegungen jedweder Art, registrieren Lebensgewohnheiten und nutzen diese, um Menschen mittels neuester Algorithmen zu beeinflussen und zu steuern. So sind etwa die Bewegungen von Mitarbeitern mit dem Handy in der Tasche durch den Werkschutz permanent überprüfbar. Wer sich im Netz bewegt, wird transparent. Die Verknüpfung mit dem Weltgehirn reduziert die Privatsphäre. Wenn selbst die Haustechnik, das Handy, das Auto, ja selbst der menschliche Körper via Internet der Dinge öffentlich werden, erhalten erwünschte und unerwünschte Datensammler rund um die Uhr Informationen zu unseren Lebensgewohnheiten.

Das Internet der Dinge wuchert sich in unseren Alltag

Das Internet der Dinge und Big Data sind der nächste große Schritt in der Menschheitsgeschichte und mit der Erfindung des Buchdrucks und der industriellen Revolution vergleichbar. Das Internet der Dinge dringt wie ein wucherndes Rankgewächs in alle Nischen und Poren der Privat- und Arbeitswelt ein. Es wird zu einem Teil unseres Alltags und der Alltag zu einem Teil des Internets. Die virtuelle und die reale Welt verschmelzen.

Es stellt sich die Frage, ob und inwieweit der Kapitalismus als Produkt der Industriegesellschaft ein adäquater Ordnung- und Funktionsrahmen für die Herausforderungen der Digitalgesellschaft ist, oder ob er strikt zivilgesellschaftlich ausgerichtet werden muss, um die Möglichkeiten des Missbrauchs von Big Data einzuschränken. Wir müssen uns auf einen gewaltigen Zuwachs an Komplexität und damit an Unübersichtlichkeit einstellen. Das Internet der Dinge wird zu einem gewaltigen Innovationsschub führen, denn durch die Verknüpfung von Dingen werden neue Produkte, Dienstleistungen und Softwareprogramme entstehen. In Anlehnung an ein bekanntes Zitat von Aristoteles gilt: „Das Internet der Dinge ist mehr als die Summe seiner Teile.“

Dazu im Management-Handbuch

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