Arbeit 4.0Digital ohne Personal

Algorithmen bestimmen immer öfter Arbeiten und Leben. Zu erwarten ist eine auf Robotern basierte Innovationsexplosion.

Computer vernichten keine Arbeitsplätze, sondern schaffen neue. Diese Gewissheit tragen wir noch immer mit uns herum. Wie lange noch? Der Angriff der Computer in Form von Robotern auf die menschliche Arbeitskraft hat doch schon längst begonnen. Es begann mit Produktionsrobotern und setzt sich fort mit selbstfahrenden Rasenmähern, Staubsaugern und Autos. In japanischen Restaurants wird Sushi von Robotern gerollt und über Fließbänder serviert. Das „Henn-na Hotel“ im japanischen Sasebo wird von humanoiden Robotern betrieben. Wie weit die Entwicklung ist, zeigt die Rückverlagerung der Produktion aus Billiglohnländern in die Hochlohnstaaten. Die Automatisierungseffizienz ist so hoch, dass Indien oder China keinen Kostenvorteil mehr bieten.

Neue Jobs durch neue Technologien?

Die deutsche ING-DiBa hat auf methodischer Grundlage einer amerikanischen Großstudie herausgefunden, dass 59 Prozent der von ihr untersuchten Berufe von fortschreitender Technologisierung betroffen sind. Das gilt insbesondere für administrative Tätigkeiten, Hilfsarbeiter, Mechaniker, Maschinenführer und Fahrzeugführer. In Summe sind 6,3 Millionen Arbeitsplätze bedroht. Die deutsche Arbeitsministerin legt nach: Jeder achte Job sei bedroht, schreibt Andrea Nahles in einem Gastbeitrag der Frankfurt Rundschau. Alles halb so schlimm, meinen wiederum andere. Wegen der neuen Technologien würden ja auch neue Jobs entstehen. So war es früher und so werde es wieder sein. Nein, erwidert Martin Ford, Autor des Buchs „Aufstieg der Roboter“ und Gewinner des Financial Times and McKinsey Business Book Awards 2015. Computer würden schon sehr bald routinemäßige und berechenbare Aufgaben besser erfüllen als die derzeit dafür beschäftigten Menschen. Sie würden die minder qualifizierten Jobs verdrängen.

Algorithmen bahnen sich ihren Weg durch riesige Datenmengen

Produktionsroboter haben es aber auch auf gut bezahlte und hochqualifizierte Arbeitsplätze abgesehen. Selbst IT-Berufe werden Opfer hochintelligenter Algorithmen. „Software frisst die Welt“ meint der Netscape-Gründer Marc Andreessen. Die Software „Stats Monkey“ etwa bietet davon einen Vorgeschmack. Sie schreibt komplette Sportberichte aus Rohdaten. Ähnlich dürften die US-Geheimdienste Berichte aus Code-Begriffen abgehörter Telefonate generieren. Wir haben gelernt, dass Computer nur das tun, wofür man sie programmiert hat.

Deep Blue vermittelte uns schon 1996, als er den Schachweltmeister Kasparow besiegte, eine Vorstellung zukünftiger Entwicklungen. Heute bahnen sich lernfähige Algorithmen ihren Weg durch diverse Datenhalden, erkennen Zusammenhänge und entwickeln daraus ihre eigenen Programme. Dank ihrer Fähigkeit, enorme Datenmengen sekundenschnell zu verarbeiten, können sie bei ihren Analysen sogar über den Tellerrand schauen. Mit einem leistungsfähigen Computer auf dem Schreibtisch, astronomischen Datenmengen nebst passender Software in der Cloud werden Managerinnen und Manager schon bald risikobehaftete Entscheidungen absichern und ihre diversen Zuträger in den Stäben brotlos machen. Ähnliches droht Assistenzkräften, wenn Google sein patentiertes Korrespondenzsystem auf den Markt bringt. Hier werden E-Mails automatisch auf der Grundlage schon verschickter Schriftstücke geschrieben, und das im üblichen Schreibstil und der Tonalität des Absenders.

An der Schwelle zur roboterbasierten Innovationsexplosion

Der Vorsprung des Menschen vor der Technik schrumpfe, warnen Experten. Wir stehen an der Schwelle zu einer roboterbasierten Innovationsexplosion. Schon bald wird sich ein intelligenter Algorithmus melden, der die von uns angehäuften Big-Data-Berge gründlich analysiert und sich dabei selbst trainiert. Das spätestens ist der Zeitpunkt, an dem wir das Schaltprogramm von Arbeit, Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend überdenken müssen.

Dazu im Management-Handbuch

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