Arbeit 4.0Erfolgsrhetorik und Binsenwahrheiten

Die Beraterbranche suggeriert oft Heilsversprechen. Doch oft sind das durch Marketing aufgeblähte Allgemeinplätze oder Superlative. Auf Dauer bringt das keinen Erfolg.

Der Wechsel der Führungsmoden vollzieht sich mit Hochgeschwindigkeit. Auf Lean-Management folgte Business Reengineering. An die Stelle von Wertanalysegruppen sind Qualitätszirkel getreten. Transaktionsanalyse ist out, Neuro-Linguistisches Programmieren in. Die Rezeptflut wird von einer Begriffslawine begleitet. Sie besteht aus Schlagwörtern, Anglizismen, Superlativen und Wortnebeln. Wer sich auf Deutsch ausdrückt, gerät in Gefahr, dass man seine fachliche Kompetenz anzweifelt. Kaum wurde das eine Konzept eingeführt, folgt ein neues und angeblich noch besseres. Es wird nicht einfach nur Erfolg versprochen, sondern Spitzenleistungen, Mega-Success und Quantensprünge.

Autor ist nicht immer gleich Autorität

Viel Rhetorik, oft wenig Inhalt. Effekthascherei kommt vor solider Recherche und Analyse. Die Autoren sind zumeist PR-erfahrene Publizisten und Berater, seltener Unternehmer oder Wissenschaftler. Sie werden als herausragende Persönlichkeiten dargestellt, besonders bei Beratungs- und Trainingsthemen. Man baut auf die Assoziation „Autor ist gleich Autorität“. Das bestätigen die angeheuerten Claqueure, die auf der Rückseite der Bucheinbände in Testomonials die Klugheit des Autors und Einmaligkeit des jeweiligen Buchs bezeugen.

In den Büchern werden angebliche Erfolgsfaktoren dargestellt, fragwürdige Studien zitiert und Korrelationen als Kausalität ausgegeben. Ausgesuchte Unternehmen dienen als Zeugen, Marketingberater formulieren einen erfolgversprechenden Titel und fertig ist ein Rezeptbuch für Führungskräfte und Möchtegern-Manager. Wer es nicht liest, hat angeblich einen gravierenden Wettbewerbsnachteil. Manager sorgen sich, vielleicht etwas Wichtiges zu unterlassen, sich deswegen unangenehmen Fragen stellen zu müssen oder als unmodern dazustehen. Wirtschaftstrainer und –berater stürzen sich auf die Bücher, die ihnen die Chance bieten, ihren Kunden etwas Neues soufflieren zu können.

So entstehen Management-Trends

Trendmacher Unternehmensberater. Die Situation ähnelt dem, was Goldmacher absolutistischen Fürsten versprachen. Viele Monarchen fielen darauf herein. Managern ergeht es nicht viel anders. Sie sind Getriebene: vom Wettbewerb, von Banken, Finanzanalysten, Journalisten, Finanzbeamten. Sie benötigen möglichst schnelle Lösungen. Da kommen die Goldmacher mit ihren zumeist diffusen und mehrdeutigen Empfehlungen gerade recht.

Sind diese amerikanischen Ursprungs wie Balanced Scorecard, Business Reengineering, Business Performance oder Lernende Organisation, sind die Grundlagen für einen Trend gelegt, und die US-amerikanische Marketingwalze überrollt die europäische Management-Domain. Mit einigen Jahren Verzögerung schwappten Themen wie Simplifizierung, Prozessoptimierung, Vertrauen und Unternehmenskultur über den Atlantik, um von publizistischen Wiederkäuern in Redaktionen und bei Seminarveranstaltern rezipiert zu werden. Wenn sich dann das Topmanagement großer Unternehmen der angebotenen Themen annimmt und der Me-too-Effekt einsetzt, besteht die Chance, eine kurzlebige Mode oder gar einen Trend zu kreieren.

Erfolgsregeln garantieren keine Wettbewerbsvorteile

Ein genauer Blick zeigt, dass es sich bei vielen Erfolgsregeln fürs Management oft nur um Binsenwahrheiten und Allgemeinplätze handelt, die fast immer passen. Darum ist man gut beraten, ihnen mit großer Skepzis zu begegnen. Sie sind nicht schlichtweg falsch, aber auch nicht unbedingt richtig im Sinne einer Erfolgsgarantie. Niemand wird die Notwendigkeit von Maßnahmen wie Kundenorientierung, Qualitätsförderung, Mitarbeiterentwicklung oder Risikofreude bestreiten. Sie sind als Schmierstoff für den Erfolg wichtig. Aber auf lange Sicht ist es letztlich der Markt, der über Sieg oder Niederlage entscheidet. Auf Dauer lässt sich ein Wettbewerbsvorteil aufgrund dieser oder jener Erfolgsregel nur schwer aufrecht erhalten.

Dazu im Management-Handbuch

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