Arbeit 4.0Homeoffice in der Sackgasse?

Die Zukunft des Arbeitens von zu Hause aus ist ungewiss. Als Hindernis erweisen sich vor allem Vorgesetzte mit Kontroll- und Anwesenheitswahn.

Das Büro ist eine Erblast der Industriegesellschaft, in der Arbeiten und Wohnen räumlich getrennt waren. Heute wird das stationäre Arbeiten mehr und mehr durch ein Überallarbeiten ergänzt. Die Voraussetzungen dafür schuf die Informations- und Kommunikationstechnologie. Arbeitsort und Arbeitszeit entkoppeln sich infolge von E-Work.

E-Work oder Homeoffice bezeichnen jene Form von Arbeit, die mittels moderner Informations- und Kommunikationstechnologie ganz oder zeitweise außerhalb des Unternehmens erbracht wird, wobei man sich die Zeit frei einteilen kann. Die Arbeit kann dabei in der häuslichen Umgebung, unterwegs oder in eigens dafür vorgesehenen Büros außerhalb der Firma verrichtet werden. Eine Verbindung des Homeoffice-Arbeitsplatzes mit dem Unternehmen wird dabei über das Internet und sonstige elektronische Kommunikationsmittel sichergestellt. Diese Arbeitsform eignet sich für alle Tätigkeiten, die am Computer erbracht werden – und das werden immer mehr. Es gibt kaum noch Arbeitsgebiete, die nicht zumindest teilweise für Homeoffice geeignet wären.

Der Trend zum Homeoffice erwies sich als Illusion

2008 veröffentlichte das Frauenhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation eine Studie zur Zukunft der Telearbeit. Danach sollten bis 2013 etwa 13,3 der 40 Millionen abhängig Beschäftigten diese Form der Arbeit praktizieren. Doch 2014 meldete das Statistische Bundesamt einen sich über Jahre hinziehenden Rückgang auf etwa drei Millionen Homeworker. Der Trend zum Homeoffice erwies sich als Illusion.

Wie so oft erwiesen sich Prognosen im Bereich der Zukunft der Arbeit als zu optimistisch. Überhaupt sind Zahlen in diesem Bereich mit Vorsicht zu genießen, denn Telearbeit wird unterschiedlich definiert und demzufolge unscharf beschrieben. In einigen Studien werden nur die klassischen Telearbeitsplätze gezählt, in anderen aber alle Formen mobiler Arbeit. Legt man diesen Ansatz zugrunde, dann müssten auch all diejenigen Führungskräfte berücksichtigt werden, die nach Feierabend nochmals auf ihr Smartphone schauen und E-Mails beantworten.

Anwesenheitswahn von Vorgesetzten steht Homeoffice im Weg

Was die Gründe für den Rückgang des Interesses am Arbeiten von zu Hause aus sind, ist nicht eindeutig geklärt. Der Anwesenheitswahn der Vorgesetzten gilt als das größte Hindernis. In vielen Studien ist zu lesen, dass Führungskräfte einen immensen Kontrollverlust befürchten, wenn ihre Mitarbeitenden fernab des Büros arbeiten. Das ist nach Meinung der Forscher des EU-Projekts „eGap“ der Grund, warum viele Unternehmen beim Homeoffice eher auf die Bremse treten.

Aber auch Mitarbeitende erkennen, dass das Arbeiten von heimischen Wohnzimmer aus nicht so attraktiv ist, wie es dargestellt wird. Sie haben keine Möglichkeit, bei Problemen Kollegen zu fragen oder Ideen im persönlichen Gespräch auszutauschen. Sie bekommen kein unmittelbares Feedback bei guter Leistung und müssen sich selbst helfen. Bei Unwohlsein oder Krankheit legen sich Homeworker hin oder arbeiten mit gebremstem Schaum weiter. Hinzu kommt die Sorge vor Karriereeinbußen infolge der Abwesenheit vom Büro. Das Homeoffice ist also nicht das bequeme Sofa mit dem Laptop auf dem Schoß, sondern ein Ort des Doppelstresses: Homework plus Familywork.

Ob und inwieweit sich die Arbeit im Homeoffice weiterentwickelt, wird von Experten unterschiedlich bewertet. Schon einmal, Anfang der 1990er Jahre, wurden Videokonferenzen und E-Learning heiß gehandelt – kühlten dann aber merklich ab. Beide Themen verloren im Laufe der Zeit ihre Strahlkraft. Dieses Schicksal könnte auch der Arbeit von daheim aus drohen.

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