Arbeit 4.0Kreative Störenfriede

Lassen wir Mitarbeiter Rebellen und Pioniere sein. Nur so gelingt echte Innovation.

Die Technik- und Wissenschaftsgeschichte ist voll von Beispielen der Verfolgung kreativ Andersdenkender. Galileo Galilei ist das berühmteste Beispiel, aber nur eines von vielen. Rudolf Diesel etwa musste bei Gericht erscheinen und die Logik seiner Patente gegenüber seinen akademischen Widersachern beweisen. Wissenschaftler intervenierten beim deutschen Kaiser, den Unsinn des Luftschiffbaus zu unterbinden, da Fliegen den physikalischen Gesetzmäßigkeiten widerspräche. Und der erste Apple-PC wurde von EDV-Experten als Spielzeug verlacht.

Das meiste von dem, was das Leben lebenswert und annehmlich macht, verdanken wir diesen „Träumern“, wie man geringschätzig über sie sprach. Doch diese Träumer waren Pioniere. Sie haben auch heute noch eine wichtige Pionierfunktion, wenngleich die Epoche der Durchbrucherfindungen durch die der leisen und kleinen Innovationen abgelöst wurde. Die Bedeutung und Rolle der initiativen Einzelpersönlichkeit wird auch durch Gruppen- und Projektarbeit nicht geschmälert. Dieser Mitarbeitertyp, in der Managementliteratur als Entrepreneur bezeichnet, ist eigentlich der einzige „echte“ Unternehmer in Unternehmen, die immer mehr zu Behörden verkommen. Er hat den Mut, entschlossen dorthin zu marschieren, wo zuvor noch niemand gewesen ist, während andere lieber die Vergangenheit wiederholen und so die Zukunft ignorieren. Der Mut zum Risiko kennzeichnet diesen Pionier als echten Unternehmer.

Ein Firmenpionier setzt seinen Träumen Termine, so dass daraus Ziele entstehen. Im Gegensatz zum „Unternehmensbeamten“, der nach Macht, Beförderung und Belohnung strebt, motiviert sich der Pionier durch Ziele, Sachinteresse und Zwischenerfolge. Wo andere noch über die Dunkelheit schimpfen, zündet er bereits die Kerze an. Erkannte Freiräume erobert er sich sofort. Der Schriftsteller Bernhard Shaw wusste zwar noch nichts vom „angestellten Unternehmer“, erkannte aber, dass der Fortschritt von unvernünftigen Menschen herbeigeführt wird. Der vernünftige Mensch passt sich seiner Umgebung an, während der Unvernünftige versucht, seine Umgebung sich anzupassen. Solche Mitarbeiter sind Pioniere und Rebellen zugleich, verhalten sich subversiv und verstehen es Regeln zu umgehen.

Doch anstatt den kreativen Funken am Glimmen zu halten, wird seitens des Managements auf Pioniere geschossen. Allzu oft stehen sie im Kugelhagel, ohne dass ihnen unternehmensseitig Schutz gewährt wird. Wer als Führungskraft ein Innovations-Abonnement wünscht, braucht solche Pioniere und sollte sie auch gewähren lassen. Solchen Querdenkern sollte es erlaubt sein, im Untergrund zu arbeiten, da eine zu frühe Publizität das Immunsystem der Firma aktiviert. Unternehmen sind also gut beraten, diese innovativen Störenfriede in Projekte einzubinden, damit sie produktive Unruhe in die Organisation bringen.

Dazu im Management-Handbuch

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