Arbeit 4.0Selbstbedienungsgesellschaft

Kunden nehmen Unternehmen immer mehr Arbeit ab. Werden wir in Zukunft „arbeitslos“?

Schon 1939 warnte John Maynard Keynes vor einer Krankheit, die er „technologische Arbeitslosigkeit“ nannte. 1994 erneuerte der renommierte  US-Publizist Jeremy Rifkin diese Warnung. In seinem Buch  „Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft“ vertrat er die These, dass Arbeitslosigkeit kein konjunkturelles Phänomen mehr, sondern eine Begleiterscheinung des technologischen Wandels sei. Produktion und die Produktivität steigen, aber die Arbeitsplätze werden abgebaut, selbst in China. Rifkin wurde als kontraproduktiver Pessimist gebrandmarkt.

2013 traten Andrew McAfee und Erik Brynjolfson vom MIT an die Öffentlichkeit und erklärten, die digitale Revolution würde mehr Jobs vernichten als sie neue schaffe. Die Ökonomen warnten vor tektonischen Verschiebungen in der Arbeitswelt. Davon seien nicht nur die Menschen am Fließband betroffen, sondern zunehmend auch Dienstleister. Der Kunde nimmt der Wirtschaft die Arbeit ab, sei es an den Tanksäulen, bei Online-Überweisungen, beim Bezahlen an den neuen Self-Scannerkassen, beim Fahrkartenverkauf oder an den DHL-Abholboxen. Zugleich wurden und werden immer mehr konsumorientierte Serviceleistungen durch Eigenarbeit ersetzt. Die Waschmaschine ersetzte die Wäscherin und die Werkzeuge aus dem Baumarkt ersetzen den Handwerker. Der englische Sozialwissenschaftler Jonathan Gershuny schlug schon 1980 vor, den Begriff Dienstleistungsgesellschaft durch „Selbstbedienungsgesellschaft“ zu ersetzen.

Und heute? Deutschland macht sich auf den Weg in die „Industrie 4.0“.  Industriemanager denken das, was vor einigen Jahren noch undenkbar erschien: hochautomatisierte Fabriken, vernetzte Fertigungsstätten, in denen Produkte genauso auf den Kunden zugeschnitten werden wie früher beim Schreiner oder Schneider; sich selbst steuernde und regulierende Maschinen, Betriebsmittel und Lagersysteme; intelligente Produkte mit eigenem „Gedächtnis“; eine hochflexible Produktion mit dezentraler Produktionssteuerung. Nach den Produktivitätssprüngen durch Taylorismus, Fließband und Lean-Produktion wird nun ein weiterer großer Schritt möglich. Mit etwa 30 Prozent wird der anvisierte Produktivitätsfortschritt taxiert.

Hat Arbeit noch eine Zukunft oder erwartet uns eine Zukunft ohne Arbeit? Natürlich wissen die MIT-Forscher, dass die digitale Revolution weltweit neue Arbeitsplätze schuf. Arbeitssoziologen machen darauf aufmerksam, dass es immer Arbeit geben wird, solange es Menschen und sinnvolle Aufgaben gibt. Jede Arbeit brachte neue Arbeit hervor. Aber was ist, wenn auch die neu geschaffene Arbeit größtenteils informatisiert und automatisiert verrichtet werden kann? Viele IT-basierte Tätigkeiten sind im Endeffekt nichts anderes als Algorithmen. Je nach dem Grad ihrer Strukturierung können solche Jobs auch von einer Maschine erledigt werden. Aus dem Kampf Mensch gegen Technik könnte also die Technik als Gewinner hervorgehen. Das bedeutet zwar kein Ende der Arbeit, wohl aber den Schluss der bezahlten und tarifvertraglich geregelten Normalarbeit.

Dazu im Management-Handbuch

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