Arbeit 4.0Wanted: Projektkompetenz

Unser Alltag ist voll von Projekten. Selbst die Ehe ist eines: manchmal schwierig, manchmal zeitlich begrenzt. Auf jeden Fall unsicher.

Die DIN 69 901 beschreibt, wann ein Vorhaben zum Projekt wird: Es muss gewichtig, schwierig, einmalig, zeitlich begrenzt, durch einen erheblichen Umfang gekennzeichnet und mit Unsicherheiten behaftet sein. So gesehen ist der menschliche Alltag voll von Projekten. Überall stößt man auf sie. Eine Diplom- oder Doktorarbeit ist ebenso ein Projekt wie das im Entstehen befindliche Buch eines Schriftstellers. Selbst die Ehe ist ein Projekt, denn die meisten der vorstehend genannten Merkmale treffen auf den Bund fürs Leben zu. IKT-Dienstleister oder Handwerker übernehmen Aufträge, die je nach Komplexität kleine oder größere Projekte sind. Die Projektifizierung zieht sich mittlerweile quer durch alle Branchen und Bereiche.

Der Übergang von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft führt zwangsläufig zu einem Anstieg von Projektarbeit. Viele Unternehmen sind auf dem Weg vom reinen Produkthersteller zum Komplett-Diensteanbieter, oder anders ausgedrückt: zum produzierenden Dienstleister. Die Dienstleistung besteht zu einem großen Teil aus umfassenden Problemlösungen. Dafür dient Projektarbeit. Es gibt aber auch Unternehmen, die ausschließlich Projekte abwickeln wie etwa Bauunternehmen oder Softwareschmieden. Besonders in wissensintensiven Branchen verlagert sich die Arbeit immer mehr in Projektgruppen. Spezialisten kommen in Projekten zusammen, wickeln sie ab und gehen wieder auseinander. Jeder ist heutzutage auf das Wissen des Anderen angewiesen.

Die verkürzte Lebensdauer von Produkten und der Zwang zu Innovationen bringen es mit sich, dass Neues schnell erdacht, entwickelt und vermarktet werden muss. In einem PKW stecken etwa 50 Prozent produktbegleitende Dienstleistungen, die überwiegend von Projektgruppen erbracht werden. Die wachsende Bedeutung von Projekten beinhaltet entsprechende Qualifikationserfordernisse im Projektmanagement. Man muss wissen, wie man ein Projekt bearbeitet: von der Auftragsklärung über die Zielformulierung und Projektsteuerung bis hin zur Realisation. Im Projektmanagement vereinigen sich viele Managementtechniken, -methoden und –werkzeuge. Wer sie kennt und anwendet, verfügt über das, was man neuerdings Projektkompetenz nennt.

Damit ist es aber nicht zum Besten bestellt. Nach einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement schätzen über die Hälfte der befragten Top-Manager den Projektmanagement-Reifegrad im eigenen Unternehmen als mittelmäßig oder schlecht ein, während die Bedeutung von Projektarbeit von über Zweidrittel als hoch bewertet wird. Vereinzelt bereiten sich Schulen und Hochschulen auf den Prozess der Projektifizierung vor und vermitteln Lernstoff projektbasiert. Sie haben erkannt: Faktenpauken geht an der Realität und den Anforderungen des Lebens vorbei. Menschen werden im Großen und Kleinen mit Problemen und Aufgaben konfrontiert. Das dazu nötige Faktenwissen nützt nichts, wenn der methodische Instrumentenkasten fehlt. Um den Anforderungen einer projektbasierten Wirtschaft zu entsprechen, müssen schon frühzeitig die zum Projektmanagement notwendigen Fähigkeiten trainiert werden. Diese Erkenntnis hat sich leider noch immer nicht durchgesetzt.

Dazu im Management-Handbuch

Ähnliche Artikel

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
OK