CoachingCoachen von Menschen in der Matrix

In Matrix-Organisationen müssen Mitarbeiter befähigt werden, aus der Komfortzone zu treten. Ratschläge wie „Beschwere dich!“ oder „Geh zum Chef!“ sollten Coachs nicht direkt geben.

Ich bin oft in Konzernen unterwegs, in denen eine Veränderung die nächste jagt. Erst Zentralisierung, dann Dezentralisierung, dann wieder Zentralisierung. Dann eine Umstrukturierung. Hier noch ein neuer Prozess, da ein Umbau. Die Firma schläft nie. Nichts ist so beständig wie der Wandel. Als Coach höre ich ständig: „Wir müssen zukunftsfähig sein.“ „Früher war alles besser.“ „Ich will so bleiben wie ich bin, darf aber nicht.“ Die Leute in meinen Workshops sehen zwar alle anders aus und reden anders, aber die Themen sind doch immer die gleichen: Veränderung ist ganz schön anstrengend. Man muss seine Komfortzone verlassen und sich neu einrichten.

Coachs begleiten Menschen in der Matrix

Eine Matrix-Organisation braucht Bewegung. Das ist ihre Natur. Ob man das nun will oder nicht. Und solange sie nicht abgeschafft und durch andere Designs ersetzt wird, gelten ihre Regeln. Die größte Herausforderung für mich als Coach ist dabei gar nicht, dass die Matrix-Organisation komplex ist, als kompliziert erlebt wird und eine ganze Menge Probleme verursacht. Das Schwierigste ist es, Menschen dabei zu begleiten, wie sie in ihrer Organisation Brücken nach allen Seiten hin bauen können – keine Barrieren durch kollektive Jammerei. In der Matrix muss sich jeder einen Weg bahnen. Von oben darf da nur bedingt Hilfe erwartet werden. Oben hat nämlich ganz andere Probleme.

Die Organisation über den Menschen ändert sich und sie verändert auch die Menschen unter ihr. Andersherum gestalten Menschen aber auch ihre Organisation. Beide beeinflussen sich gegenseitig. Doch viele bleiben lieber in einer Habachtstellung anstatt unternehmerisch unterwegs zu sein. Manche Coachs unterstützen diese Haltung durch übertriebenes Zuhören. Stattdessen sollten sie – sollten wir – deutlich mehr mitbringen als übliche Gesprächstaktiken, mentale Techniken oder zwischenmenschliche Konfliktlösungen. Man muss ein Gebilde wie die Matrix schon nachvollziehen, aber nicht glatt ziehen wollen.

Mitarbeiter müssen sich ihren eigenen Weg schlagen

Das, was Coachs ihren Klienten auf keinen Fall raten sollten, ist: „Beschwere dich! Transportiere deine Probleme nach oben! Dafür ist das Management verantwortlich.“ Das sind Coachs, die von einer Matrix keine Ahnung haben. Menschen in einer Matrix-Organisation muss man sagen, dass sie sich ihre Wege selbst schlagen müssen. Dass sie als Mitunternehmer, als Mitgestalter unterwegs sind. Irgendwo und irgendwann rennen sie dabei auch mal gegen eine Wand, aber sie unternehmen wenigstens etwas.

Das sollten sie natürlich nicht kopflos tun, sondern sich mit relevanten Stakeholdern abstimmen, damit es hinterher keinen Boomerang gibt. Aber eines ist klar: Menschen in der Matrix dürfen nie ihrer eigenen Verantwortung enthoben werden! Und Coachs dürfen die Verantwortung nie einseitig nach oben schieben. Jeder in der Matrix macht diesen Tanz mit. Manche holpern und stolpern, aber jeder muss seine Schritte machen, denn nur dann bewegt sich der Koloss überhaupt.

Gute Coachs bringen Klienten zum Laufen

Coachs müssen hier ebenso wendig sein wie ihre Klienten. Sie dürfen nicht den Retter spielen wollen, der als Nachrichtenagent die Beschwerden von unten nach oben transportiert. Ab und an schon, aber nicht ausschließlich. Coachs müssen als strategische, mikropolitische Akteure Klienten helfen, ihren Weg durch und in der Matrix zu ermöglichen, manchmal auch mit fiesen, manipulativen Lösungen. Gute Rhetorik hat noch niemandem geschadet! Gute Coachs sind abgebrüht, gestählt und wundern sich nicht über die Zustände. Die finden sie normal. Gute Coachs holen ihre Klienten aus der Komfortzone und bringen sie zum Laufen, nicht zum Jammern. Was alle Player daraus machen, ist ein anderes Thema.

Dazu im Management-Handbuch

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