CoachingÜber den eigenen Schatten springen

Was man als Coach seinen Klienten geben will, sollte man zuerst selbst üben. Im Alltag. Immer wieder aufs Neue.

Kürzlich las ich in der „mobil“, die Kundenzeitschrift der Deutschen Bahn, ein Interview mit Thomas Gottschalk. Auf die Frage, „Sie waren 30 Jahre lang quasi der Chefunterhalter der Nation. Welche Sehnsucht der Deutschen bedienen Sie?“, antwortete der ehemalige Entertainer: „Ich habe etwas, was man sich im Wesentlichen nicht antrainieren kann: Ich mag Menschen. Im Unterhaltungsgeschäft sollte man eigentlich meinen, dass das bei allen so ist. Ist es aber nicht. Meine Verbrüderungsmentalität ist Vielen, auch in meiner unmittelbaren Umgebung, nicht ganz geheuer. Der Deutsche neigt ja zu einer gewissen Skepsis seinen Mitmenschen gegenüber, einer vorsichtigen Distanz. Die habe ich nie gehabt. Mir ist erst mal jeder willkommen, der mir begegnet.“

Auch mal die Privatsphäre anderer überschreiten

Das hat gesessen. Nähe zu Menschen war mir in meinem Coaching-Beruf, und auch außerhalb, immer wichtig. Oft haben Leute gedacht, ich wolle ihnen etwas verkaufen, nur weil ich freundlich war oder sie beim Ansprechen angelächelt habe. Über die Jahre bin zwar auch ich vorsichtiger geworden und respektiere die „Privatsphäre“ anderer, weil ich glaube, nicht aufdringlich sein zu wollen.

Wenn es mich aber packt, setze ich mich einfach darüber hinweg, quatsche zum Beispiel wildfremde Menschen an, lächele, mache ein Kompliment. Überwinde meinen inneren Schweinehund. Würde ich das nie tun, wäre ich erstens nicht verheiratet, würde zweitens meinen Beruf nicht erfolgreich ausüben, und würde drittens sehr viele tiefe Begegnungen mit anderen Menschen missen.

So springt der Funke über

Erst neulich hatte ich einige erfrischende menschliche Begegnungen, wie schon lange nicht mehr. Zum Beispiel mit einer indonesischen Mama am Frankfurter Flughafen, die zur Hochzeit ihrer Kinder flog. Mit einer Coach-Kollegin im Zug, die sich „zufällig“ neben mich setzte, so dass wir ins Gespräch kamen. Oder mit einem humorvollen Taxifahrer in Berlin, mit dem ich über die Schrullen von Politikern lachte.

Was hat das alles mit Coaching zu tun? Es bedeutet: Trainiere dich selbst. Übe Offenheit, Tiefgang, Mut, Selbstbewusstsein, Herzlichkeit, Zuwendung, Neugier, Wertschätzung. All das, was du deinen Klienten geben kannst beziehungsweise geben willst. Raffiniere selbst deine Skills, bevor du von deinem Klienten Mut und Selbstbewusstsein erwartest, selbst aber kneifst. Sei authentisch, dann springt der Funke über, den du provozieren willst.

Dazu im Management-Handbuch

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