CoachingWalking in my shoes?

Müssen Coachs die Probleme ihrer Klienten aus eigener Erfahrung kennen? Nein. Sie müssen individuelle Lösungen für deren Probleme erarbeiten.

Es gibt zwei Lager von Coachs. Die einen sind der Meinung, Fragetechniken reichten aus, um den Klienten selbst zur Lösung seines Problems zu führen. Allein die Lösung zähle. Die anderen sind der Auffassung, man sollte tiefergehende Kenntnisse der Branche haben, in denen der Klient tätig ist. Das Verständnis des Berufsfelds des Klienten sei wichtig, um ihn ausreichend coachen zu können. Unabängig davon gilt für beide Lager ein und dieselbe Bedingung: Klienten wollen ihrem Coach vertrauen können. Sie wollen das Gefühl haben, der Coach könne sie bei der Befreiung von ihrem Problem unterstützen.

Vertrauen ist die Basis eines jeden Coachings

Vertrauen ist der Schmierstoff zwischen Menschen. Wenn man sich schon einem Coach öffnet, der ja nicht zum familiären Umfeld oder Freundeskreis gehört, erfordert das Mut – und eben Vertrauen. Ob der Coach dann ein exzellenter Fragensteller ist, der einen dadurch zur Lösung führt, oder bereits ähnliche Probleme wie der Klient selbst gestemmt hat, ist dann zweitrangig. Oft werden auf Seiten der Klienten solche Kompetenzen auch eher vermutet, ohne zu wissen, ob sie tatsächlich vorhanden sind. Das stellt sich erst nach dem Coaching heraus.

Die Forschung über die Wirkung von Beratungsformaten wie Coaching hat herausgefunden, dass die Beziehung zwischen Coach und Klient elementar wichtig ist, um Erfolg zu haben. Das deckt sich mit Kommunikationstheorien, die die Sach- und Beziehungsebene als Ganzheit betonen. Allein die sachliche Erfahrungskompetenz wird das Problem ebensowenig lösen wie die beziehungsintensive Coachingkompetenz. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Auf die richtigen Fragen kommt es an

Als Coach weiß ich in der Regel nicht ganz genau, was meine Klienten in ihrem Job machen. Ich habe eine Idee davon, und kann diese dann in einen größeren unternehmerischen Zusammenhang stellen. Denn: Unternehmen ticken zwar unterschiedlich, aber sie haben alle Prozesse und Strukturen, die ich entlang der Wertschöpfungskette sinnvoll einordnen und mit der Aufbau- und Ablauforganisation abgleichen kann. Ich erinnere mich da gerne an einen Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, der skeptisch war, ob ich der Richtige für sein Thema bin. Ich habe ihm dann drei Fragen gestellt, und danach war klar: Ich bin sein Mann. Obwohl ich nicht über mehrjährige Expertise in seinem Geschäftsfeld oder gar seiner Position verfüge, kann ich trotzdem die richtigen Fragen stellen, die ihn zur Lösung seines Führungsproblems führen.

Natürlich mag es ab und an hilfreich sein, wenn man als Coach das Arbeitsgebiet oder gar das konkrete Problem des Klienten aus eigener Erfahrung kennt. Das ist dann authentischer. So kann zum Beispiel ein „erfolgreich“ Geschiedener jemanden in einer Trennungssituation sicher anders und besser abholen als jemand, der eine glückliche Beziehung führt. Ein krisenerprobter Unternehmer kann einen anderen Unternehmer in der Krise besser „erreichen“ als einer, bei dem alles glatt läuft. Das erscheint alles logisch, hat aber einen Haken.

Ratschläge wie „Bei mir war das so ...“ helfen nicht weiter

Menschen neigen oft dazu, ihre eigenen Erfahrungen anderen überstülpen zu wollen: „Mach das doch so wie ich!“ Oder: „Bei mir war das so ...“ Genaus das passt eben nicht zur Situation des Klienten. Ein Klient braucht eine eigene Lösung für seine Probleme, keinen Lösungsmix, der aus der Biographie eines anderen hervorgeht. Der die konkrete individuelle Situation, die Persönlichkeit des Klienten außer acht lässt. Coaching ist höchst individuell!

Insofern brauche ich als Coach keine tiefe Erfahrung mit einem Aufgabengebiet oder Klientenproblem, aber ich brauche die Kompetenz als Coach. Ich brauche die Fähigkeit, das Thema des Klienten einordnen zu können. Wenn ich dazu zu wenig oder nicht in der Lage bin, wird jedes Problem für mich zum Hammer. Die Coachs unter Ihnen wissen, wovon ich spreche.

Dazu im Management-Handbuch

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