Digitale TransformationDie digitale Plattform-Ökonomie

Digitale Vermittlungsplattformen bringen beliebig viele Interessenten zeitnah und ortsunabhängig zusammen. Das ist das ökonomische Grundprinzip der Digitalisierung.

Der Internetkonzern Amazon bündelt eine Vielzahl von Anbietern mit seinen Angeboten und bietet sie Nachfragern auf seiner Plattform an. Facebook vermittelt den Austausch von Informationen zwischen unendlich vielen Akteuren. Google strukturiert mit seiner Suchmaschine (scheinbar) alle Informationen dieser Welt und macht sie Nachfragern zugänglich.

Hotels, Versicherungen und Putzfrauen – alles online

Dieses Grundprinzip ist auf viele ökonomische Bereiche übertragbar: Die Online-Reinigungsdienste „Putzfee“, „Helpling“ oder „Book a Tiger“ versuchen die vielen, bislang unorganisierten Putzfrauen über ein Internet-Portal mit Privatkunden zusammenzubringen. Das gleiche Prinzip lässt sich auf die Organisation zahlreicher anderer Akteure übertragen: Vermittlung von Kinder- und Seniorenbetreuung, Nachhilfeunterricht, Hotelzimmer, Transportmöglichkeiten, Crowdfunding oder Dating- und Single-Portale. Sie bringen Akteure mit dem gleichen Anliegen mehr oder minder erfolgreich zusammen.

So steht der stark ins Gerede gekommene Taxidienst „Uber“ für die Vermittlung privater Objekte (Autos) mit einer Dienstleistung durch Privatfahrer. Bei „Airbnb“ geht es um die Vermittlung privater, immobiler Objekte (Privatzimmer oder -wohnungen) mit geringer Dienstleistung. Die Hotelreservierungssysteme „HRS“ oder „booking.com“ stehen für Preisvergleiche und die Vermittlung von immobilen professionellen Objekten (Hotelzimmer) mit Dienstleistungen. Preisvergleichsportale wie „check24“, die Transparenz über konkurrierende Produkte herstellen, wie beispielsweise Versicherungen oder Flugreisen, quetschen sich mit ihrem Geschäftsmodell zwischen bereits bestehende Plattformen. Sie wollen damit für Nutzer Mehrwert erzeugen, indem sie die jeweils günstigsten Konditionen identifizieren. Vom Anbieter kassieren die Portale für jede Vermittlung eine Provision.

Auch Banken stehen auf der Online-Warteliste

Alle hier angesprochenen Plattformen funktionieren so und machen damit vielen Akteuren der „alten“ Ökonomie das Leben schwer. Die Vermittlung von Dienstleistungen und Produkten über Internet und Smartphone lässt sich auf so gut wie alle Branchen übertragen. Darin liegt die Brisanz für „Alt-Unternehmen“ und Beschäftigte.

Auf der Warteliste der Plattform-Ökonomie stehen Versicherungen, Banken und Sparkassen mit ihren elektronischen Zahlungssystemen. Die Frage ist noch offen, ob die angestammten Unternehmen den Übergang zur digitalen Plattform-Ökonomie selber schaffen, neue Player auftreten, oder ob die kalifornischen Internetkonzerne wie Google und Co. mit ihren Erfahrungen und Finanzmitteln das Feld zu ihren Gunsten abstecken werden. Ziel der kalifornischen Plattformen ist es, viele Branchen zu beherrschen, um dort die Konditionen im Markt setzen zu können.

Bislang waren überwiegend branchenfremde Dritte die Gründer von Plattformen. Schnell konnten sie die „alte“ Ökonomie beherrschen, weil sie die Konditionen hinsichtlich Provision und Best-Price-Klauseln für Hotels setzen konnten. Die Hotels können das in der Regel nur akzeptieren, wollen sie nicht das Risiko eingehen, unsichtbar für die Masse der mittlerweile internetaffinen Kunden zu werden.

Digitale Innovationen haben zerstörerisches Potenzial

Weshalb haben Branchenverbände, deren Aufgabe darin besteht, Marktentwicklungen auf ihrem Schirm zu haben, hier versagt? Sie haben sich vermutlich auf ihre Lobbyaufgaben konzentriert. Sie sind auch weit davon entfernt, die Welt der digitalen Innovationen mit ihrem zerstörerischen Potenzial zu verstehen. Hinzu kommt, dass Branchenverbände zeithemmende Hierarchien überwinden müssen, bevor Entscheidungen getroffen und Ideen umgesetzt werden können – ein typisches Merkmal der „alten“ Ökonomie.

Uber, Airbnb und Co. respektieren die Regulierungen der „alten“ Ökonomie nicht. Sobald ihre Software-Lösungen ausgewildert sind, entwickeln diese eine gesellschaftliche Eigendynamik, schneller als Branchenverbände denken und handeln können. Sie tauchen erst auf ihrem Radar auf, wenn es zu spät ist. Durch die schnelle Verbreitung über den App-Store gibt es auch keine Inkubationszeit.

Der Schnellere schlägt den Langsamen

Für Branchenverbände wie für viele Unternehmen der „alten“ Ökonomie scheint der Zug mittlerweile abgefahren zu sein. Für sie und auch für digitale Nachzügler gilt in der digitalen Plattform-Ökonomie: Nicht der Stärkere schlägt den Schwächeren, sondern der Schnellere den Langsamen. Die digitalen Vermittlungsplattformen sind das Kernstück der neuen Ökonomie. Offen ist die Frage, wie wir in der EU den kalifornischen Internetkonzernen Paroli bieten können.

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