Digitale TransformationDie Uber-Strategie

Die Ökonomie des Teilens könnte ein Angriff auf die Soziale Marktwirtschaft bedeuten.

Unter dem Label „Sharing Economy“ schwappt die digitale Plattform-Ökonomie kalifornischer Machart nach Deutschland. Ihr Kern: Zwischen viele Nachfrager und Anbieter schiebt sich eine Internet-Vermittlungsplattform. Gemeinsames Geschäftsmodell: Über eine App kann eine Dienstleistung abgerufen werden. Bekannt geworden ist diese Innovation vor allem durch den Fahrdienst UberPop, der private Fahrer mit ihren Pkw an beförderungswillige Kunden vermittelt. Oder über Airbnb, eine Zimmervermittlungsplattform, über die private Unterkünfte gemietet werden können.

Verdrängungswettbewerb à la Uber

UberPop erkämpft sich seinen Wettbewerbsvorteil gegenüber Taxifahrern, indem es seine „Nebenbei-Fahrer“ ohne Versicherungsschutz der Fahrgäste, ohne Personenbeförderungsschein und Gesundheitszeugnis fahren lässt – bei 20 Prozent Vermittlungsgebühr für Uber. In der Konsequenz will UberPop gleich beide, Taxizentralen und Taxifahrer „wegrationalisieren“. In San Francisco ist ihnen das schon fast gelungen. Hier meldet die lokale Taxivereinigung einen Rückgang der Taxifahrten von mehr als zwei Dritteln. Airbnb ist mittlerweile ein Hotelriese ohne eigene Hotels geworden. Anders als Hotels muss sich Aibnb nicht um Vorschriften wie Brandschutz und Hygiene bei den Vermietern kümmern. Die Provision: drei Prozent vom Vermieter, sechs bis zwölf Prozent vom Mieter.

Die mit dem philosophischen Überbau des Teilens hausierenden früheren Startups sind mittlerweile die Lieblinge der Anlagen suchenden Investoren. Uber wird mit 17 Milliarden US-Dollar gehandelt, die Wohnungsbörse Airbnb mit 10 Milliarden.

Der inhärente Konflikt der Plattform-Ökonomie

Doch was ist der Kern dieser sogenannten Sharing Economy? Was trägt sie zum besseren Verständnis der digitalen Transformation bei und wie soll man dieser Ökonomie begegnen, die sich über bestehende Gesetze und Regelungen hinwegsetzt? Stärker regulieren? Die neuen Konkurrenten fordern: deregulieren, und neue Gesetze, die Konkurrenz zum Taxi- beziehungsweise Hotelgewerbe zulassen, denn der Kunde kann durch niedrigere Preise profitieren. Dieser Konflikt ist nicht lösbar, ohne dass eine Partei in die Knie gezwungen wird.

Man muss sich entscheiden: Will man Arbeitsplätze erhalten oder günstigere Preise und möglicherweise auch mehr Komfort für Verbraucher zulassen? Eine Koexistenz erscheint nicht möglich. Müsste sich UberPop denselben Regeln der Personenbeförderung wie die Taxibranche unterwerfen, würde es seinen Preisvorteil einbüßen. Möglicherweise durch die exorbitant hohen Uber-Provisionen sogar teurer sein. Es ist der Konflikt, der der Plattform-Ökonomie inhärent ist.

Ein Angriff auf die Soziale Marktwirtschaft

Airbnb und Uber sind nur exemplarische Vertreter der Sharing Economy. Mit viel amerikanischem Wagniskapital setzen sie auf schnelle weltweite Ausbreitung und Zerstörung etablierter Geschäftsmodelle, um globale Monopole zu errichten: Ein Angriff auf die Soziale Marktwirtschaft. Begleitet wird die Strategie in Deutschland von bislang wenig bekannten Werbestrategien: Das UberPop-Verbot des Verwaltungsgerichts Frankfurt wird vom Uber-Management genutzt, sich das Recht zu nehmen, den Spruch erst einmal zu negieren. Dahinter steckt die Strategie, den Medien über Wochen eine Story zu bieten, um so für Uber kostenlos Werbung zu machen, für die man sonst Millionenbeträge zahlen müsste.

Das alles sieht der General Manager Westeuropa von Uber, Pierre-Dimitri Gore-Coty, selbstverständlich anders. In der FAZ beschreibt er unter der Überschrift „Das Uber-Verbot ist zu simpel. Deutschland sollte nicht zurückfallen“ seine Sicht. Der Beitrag zählt Argumente auf, die in naher Zukunft in der Auseinandersetzung um Beibehaltung der Sozialen Marktwirtschaft und der Etablierung der globalen Plattform-Ökonomie aufkommen werden. Typisch dabei ist das ausschließliche Abstellen auf eventuelle Verbrauchervorteile unter Vernachlässigung der Sicht der Beschäftigten:

„Neue Plattformen für gemeinschaftlichen Konsum entstehen als Antwort auf gesellschaftliche Anforderungen, die man nicht ignorieren darf. In Deutschland und weltweit müssen Regierungen dafür sorgen, dass ihre Bürger von den Vorteilen dieser auf gemeinsame Nutzung ausgerichteten Wirtschaft profitieren können. (...) Dieses neue Wirtschaftsmodell bietet den Verbrauchern greifbare Vorteile: bessere Dienstleistungen, mehr Auswahl und niedrigere Preise. Gesetze und Vorschriften sollten die Rechte der Verbraucher schützen. (...) Von allen verlangt Uber ein Führungszeugnis, Führerschein, Personalausweis und ein viertüriges Auto, das auf den Fahrer zugelassen und nicht älter als zehn Jahre ist. (...) So wie das Internet Computer miteinander verbunden hat, so verbindet und bewegt Uber Menschen weltweit mittels eines virtuellen Transportnetzes“. 

Jobs als Freizeitangebote mit Zubrotcharakter

Am Beispiel der Sharing Economy wird einer der Urkonflikte“ der digitalen Transformation sichtbar: Für die Konsumenten wird es billiger und bequemer, für eine wachsende Zahl der Beschäftigten geht es um die Existenz. Die urliberale Sichtweise wird argumentieren: Das muss der Markt regeln. Die konservative wird dazu neigen, Regulierungen des Ausgleichs für die Benachteiligten zu fordern. Ganz nebenbei entstehen Plattform-Monopole mit sagenhaften Börsennotierungen und Profiten.

Sollten sich diese Modelle der Sharing Economy breit durchsetzen, dann würden viele Beschäftigungsverhältnisse in Freizeitangebote mit Zubrotcharakter überführt werden. Der Kern der „neuen“ Arbeitspolitik könnte dann so aussehen: Privatleute werden ihre Produkte und Kompetenzen, wie Autos, Wohnungen, handwerkliche und kaufmännische Fähigkeiten, online anbieten. Das Netz wird zum universellen Marktplatz, der die Beteiligten zusammenführt. Amazon benötigt dann keine Paketdienste mehr, denn über eine App kann jeder gegen ein Taschengeld die Ware zustellen. Da liegt es nahe, diese Einkünfte vor der Steuer zu verstecken. Diese Entwicklung wird uns über kurz oder lang als „Sachzwänge der digitalen Ökonomie“ selbstverständlich erscheinen.

Dazu im Management-Handbuch

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