Digitale TransformationDigitale Arbeitsbienen

Was Smartphones und Apps uns schenken und was wir dafür „zahlen“.

Smartphones sind in unglaublich kurzer Zeit zum universellen Informations- und Kommunikationswerkzeug, zu einem „Partner“ geworden. Diesen Partner hat man gern um sich, er ist verlässlich und hilft, an alles heranzukommen, was einen spontan interessiert. Lena Bergmann drückt das in ihrem Essay „Apokalypse now“ in der Zeitschrift „Cicero“ sehr schön aus und wundert sich zugleich selbst über ihre Faszination für diese handliche Technologie:

„Tagsüber suchen wir sie (die Technologie) in unseren Manteltaschen – und sind beruhigt, wenn wir ihren schlanken Korpus spüren. (...) Wenn wir sie vergessen, fehlt sie uns. Die Töne, die ihre Funktionen begleiten, sind uns vertraut wie Atemgeräusche. (...) Wir teilen alles mit allen. Gleichzeitig archiviert sie unser persönliches Erleben, ist Fotoalbum und Tagebuch. Wir vertrauen ihr“.

Ein Smartphone wird nicht als sperriges, technisches Artefakt empfunden. Touchpads und Sprachsteuerung unterstützen die Einfachheit der Bedienung. Die Zeit des Herumschlagens mit Gebrauchsanweisungen ist vorbei. Spielerisches Ausprobieren, Learning by doing ist der Reiz, der mit der Gewissheit einhergeht, dass man kaum etwas kaputt machen kann. Das war stets die latente Sorge der Mechanik-Generation, die mittlerweile in wachsender Zahl das Gerät übernimmt. Über soziale Netzwerke schafft das Smartphone neue Beziehungen. Für manche ist es auch Statussymbol.

Apps sind die Arbeitsbienen im Alltag

Der große Erfolg der Smartphones ist auch den Apps zu verdanken. Mit ihnen lassen sich viele Alltagsroutinen auf komfortable Weise erledigen. So können Informationen zu aktuellen Geschehnissen abgefragt werden, Güter, Taxis und Fahrkarten bequem bestellt, die Freunde über die neuesten Ereignisse informiert oder die direkte Umgebung erfasst werden.

Die kleinen Programme sind die Fenster, durch die man ins Internet mit dem Versprechen schauen kann, die Unendlichkeit der Welt bequem greifen zu können. Frank Schirrmacher nannte sie Arbeitsbienen. Sie sind die Manager unseres Alltags. In jedem Fall sind sie die Türen, die uns verführen. Und zugleich bieten sie Zerstreuung an. Vielleicht ist das die aktuelle Form der Muße? Apps mit ihrer sinnlichen Veranschaulichung durch Markensymbole machen das Leben einfacher und bequemer.

Google und Co. spinnen ihre Netze

Doch müssen wir für diese Bereicherung unseres Alltags und den enormen Zugewinn an Bequemlichkeit einen Preis zahlen? Das Internet ist heute nicht mehr das freie, gleichberechtigte Netz, von dem wir alle zu Anfang geträumt haben. Es wird von Google, Facebook, Amazon, Apple und Co. beherrscht. Sie bestimmen die globalen Geschäftsbedingungen in zahlreichen Branchen. Sie sind zu Monopolisten geworden, die uns durch unglaublich gebrauchstaugliche Produkte gewonnen haben und zugleich in der „alten“ Ökonomie Beute machen. Spinnen gleich weben sie ihre Netze.

In der „alten“ Ökonomie“ werden massive Probleme erkennbar. Das Management dort weiß mittlerweile sehr genau, dass Google und Co. die „alte“ Ökonomie mit großer Geschwindigkeit ummodeln und die Strukturen und Konditionen zahlreicher Branchen bestimmen werden. Sie sehen, dass ihr Geschäftsmodell nicht mehr trägt.

Jeder will ein Stück vom Netz abhaben

Erst wenn man versteht, dass sich dieses System permanent von selber auflädt und dabei grenzenlos wachsen kann, wird einem das Phänomen Spinnennetze erst so recht deutlich. Es wird aufgeladen durch viele Akteure, die sich Vorteile versprechen: Nutzer, die über Apps auf viele neue Dienstleistungen bequem und oft kostenlos zugreifen können; Start-ups, die auf Übernahme ihrer Innovationen hoffen und so ihren finanziellen Schnitt machen wollen; Unternehmen der „alten“ Ökonomie, die hoffen, durch Allianzen überleben beziehungsweise zumindest etwas lernen zu können; Programmierer und Softwareentwickler, die neben einer guten Bezahlung auf eine steile Karriere setzen; Entscheider über große Werbeetats, die wissen, dass sich in den Spinnennetzen die kaufkräftige junge Klientel tummelt.

Dieses Cluster heterogener, sich dennoch gegenseitig stark machender Akteure, zieht permanent neue Teilnehmer an und füttert das Spinnennetz mit Informationen. Das Stichwort: Big Data. Es erhöht in Wechselwirkung Reichweite und Werbeeinnahmen und identifiziert neue Geschäftsmodelle. Das alles ist für den Nutzer trotz hoher Entwicklungskosten der Innovationen in der Regel „just for free“. Die Kassen von Facebook, Google, Amazon und Co. klingeln erst, aber überaus reichlich, durch Werbeeinnahmen.

Das Gefühl, beschenkt zu werden

Es ist dieses geniale Geschäftsmodell des Verschenkens auf der Nutzerseite und des Kassierens bei den werbetreibenden Unternehmen, was ihre Gewinne in exorbitante Höhen treibt. Das angenehme Gefühl der Nutzer, reichlich beschenkt zu werden, wird kaum getrübt durch die Hingabe ihrer privaten Daten. Die digitale Welt können uns die „alten“ ökonomischen Modelle nicht mehr erklären. Den Entwurf einer „Plattform-Ökonomie“ haben die Wissenschaften noch nicht geliefert.

Dazu im Management-Handbuch

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