Gute FührungAufs Ziel fixiert

Ziele motivieren. Auf dem Weg dorthin steht der Spaß an der Tätigkeit im Fokus.

Gelegentlich fahre ich ja ganz gern mit der Bahn. Man sitzt entspannt auf seinem Sitz, kein Verkehrsstau, keine riskanten Überholmanöver, keine Drängler von hinten. Man kann sich mit netten Leuten unterhalten, oder, wenn man seine Ruhe haben will, ein Buch lesen, Musik hören oder einfach nur dösen. Oder man kann – zum Beispiel in den viereinhalb bis fünf Stunden auf der Strecke zwischen München und Hannover – den ersten Entwurf für diese Glosse in sein Notebook tippen.

Bei meiner letzten Fahrt wurde ich bei meiner Beschäftigung durch ein interessantes Erlebnis unterbrochen. Beim Ruf „die Fahrkarten bitte“ begann der ältere Herr mir gegenüber in seinen Taschen zu suchen. Er wurde immer nervöser, und als die Kontrolleurin vor uns stand, geriet er völlig in Panik. „Ich finde meine Fahrkarte nicht“, stammelte er hilflos. Die Kontrolleurin reagierte zunächst verständnisvoll und sagte, er solle doch noch einmal in allen Taschen gründlich suchen. Allein es half nichts, die Fahrkarte blieb verschwunden. Nun schon etwas weniger geduldig brummte die Kontrolleurin, dass der Herr nun ein Bordticket nachlösen müsse. „Das ist ja gar nicht das Problem“, meinte der verzweifelt. „Ohne meine Fahrkarte weiß ich doch gar nicht, wohin ich fahre.“

Was lernen wir daraus? Ohne Ziel hat alles keinen Sinn. Aber wie ist es dann mit dem Spruch „Der Weg ist das Ziel“? Man hätte dem alten Herrn doch nahe legen können, sich einfach eine Fahrkarte für irgendein Fahrtziel zu kaufen, sich dann zurückzulehnen und die Fahrt zu genießen: sich mit netten Leuten unterhalten, ein Buch lesen, Musik hören oder einfach nur dösen. Aber warum funktioniert das nicht?

Die Antwort gibt eine interessante Untersuchung zum Thema „Motivieren mit Zielen“ der Forscher Ayelet Fishbach von der Booth School of Business, University of Chicago, sowie Jinhee Choi von der Korea University Business School: Um sich (oder Andere) für eine Tätigkeit zu motivieren, soll man sich zunächst auf das Ziel konzentrieren. Hat man dann mit der Tätigkeit begonnen, soll man das, was dabei Spaß macht, im Fokus haben – also beim Bahnfahren sich lieber unterhalten oder lesen anstatt dauernd daran zu denken, wo und wann man aussteigen muss. Wer allerdings beim Besteigen der Bahn mit Grausen an die aufdringlichen, schwatzhaften Mitreisenden denkt, an die Überfüllung und die schlechte Luft, gar nicht zu reden von den drohenden Verspätungen, der stellt sich während der Fahrt besser vor, wie schön es sein wird, am Ziel liebe Freunde zu treffen und einen angenehmen Aufenthalt zu haben.

Dazu im Management-Handbuch

Ähnliche Artikel

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
OK