Gute FührungDie Verwandlung

Wertschätzung von Mitarbeitern kann wahre Wunder bewirken.

Ich bin der fast perfekte Mitarbeiter, ich bin ein Garant für den Erfolg. Zum Beispiel kann ich mich für alle gestellten Aufgaben selbst motivieren, auch anspruchsvolle Ziele definieren und erreichen ist für mich überhaupt kein Problem. Ich merke rechtzeitig, wenn in Projekten Schwierigkeiten auftauchen und finde selbständig optimale Lösungen. Wenn die Kollegen lustlos agieren, mache ich ihnen klar, dass sie mehr Engagement zeigen sollen, und sollte es Konflikte geben, sorge ich für den sinnvollen und fairen Interessenausgleich aller Beteiligten. Kurz gesagt: Ich mache fast alles gut und richtig, nur eines nicht: Ich bezahle mich nicht selbst. Das ist im Grund eine einfache Sache, und für das Einfache, da habe ich den Chef und die hinter ihm stehende Organisation.

Früher war das noch anders. Mein Chef hielt nichts von mir und wollte mir keine herausfordernde Aufgaben geben. In der Folge tat ich nur, was er explizit anordnete, und das auch nur nachlässig, oberflächlich und ohne den Ehrgeiz, gute Arbeit abzuliefern. Wenn ich keine Lust hatte, konnte mein Chef sich auf den Kopf stellen, es nützte nichts. Die Kollegen unterstützen? Fehlanzeige. Irgendwann hatte mein Chef resigniert und tat mir nichts mehr. 

Vielleicht fragen Sie sich, wie meine wundersame Veränderung zum fast perfekten Mitarbeiter zustande kam? Nun, ganz genau kann ich es auch nicht sagen, aber es ist sicher auf meinen Chef zurückzuführen. Irgendwann, wahrscheinlich durch eine höhere Fügung, hatte er entdeckt, wie gute Führung geht. Es begann damit, dass er mich öfter nach meiner Meinung fragte, meinen zunächst nur zögerlichen Antworten zuhörte und nicht alles gleich wieder als Unsinn verwarf. Das eine oder andere Mal – nicht zu oft, aber immerhin – ließ er sich sogar von mir überzeugen und fand anerkennende Worte. Wenn mein Stresslevel stieg, weil etwas nicht gleich klappte, wirkte er beruhigend auf mich ein und zeigte Optimismus, dass ich das noch hinkriegen werde. Gleichzeitig achtete er darauf, dass ich mich nicht übernahm und mir nicht mehr zumutete, als ich leisten konnte.

Mit der Zeit wurde ich aber immer leistungsfähiger, und er traute mir auch immer mehr zu. Bei Konflikten mit Partnern fragte er mich sogar gelegentlich um Rat. Mit einem Satz: Er hatte begonnen, mich ernst zu nehmen und Wertschätzung zu zeigen. Seither macht es eigentlich Spaß, mit ihm zusammenzuarbeiten.

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