Gute FührungErst Feind, dann Freund

Konflikte sind dazu da, um sie auszutragen. Erst recht unter Kollegen.

Manche Arbeitstage sind ja recht erfreulich: Der Chef ruft, und statt der befürchteten Kritik gibt es Anerkennung für das gerade erfolgreich abgeschlossene Projekt. Oder die Tür geht auf und eine neue, attraktive Kollegin kommt herein und lächelt. Derlei Situationen machen den Alltag im Unternehmen erträglich. Aber es gibt auch Schlimmes, und zum Schlimmsten gehört die Besprechung. Hier bin ich als Mitarbeiter fremdbestimmt, hilflos eingezwängt zwischen meinen Interessen, den Machenschaften der anderen und der vorgegebenen Tagesordnung. Zudem sitzt der Kollege gegenüber, von dem ich weiß, dass er auch nach einem zehnminütigen Monolog immer noch nicht zum Punkt gekommen sein wird. Neben mir sitzt mein Erzfeind aus der Nachbarabteilung, der zu dumm ist unsere Geschäftsstrategie zu verstehen. Auch heute wird er sicher wieder monoton seinen von mir schon mehrfach abgelehnten Vorschlag in den Raum stellen, meinen Verantwortungsbereich in seinen zu integrieren.

Nicht, dass ich von meinem Aufgabenbereich so richtig begeistert wäre; auch ist die Idee an sich ja so falsch nicht, aber da könnte ja jeder kommen. Und was wäre danach? Nichts da, das geht nicht. Die anderen Besprechungsteilnehmer, sonst eigentlich ganz vernünftige Kollegen, halten sich bedeckt und versuchen heimlich, E-Mails auf ihren Notebooks und Smartphones zu beantworten. Nur nicht auffallen und die Aufmerksamkeit des Chefchefs erregen, man könnte ja nach seiner Meinung gefragt werden und müsste Position beziehen. Mancher lässt sich von der Teamassistentin mit einem fingierten dringenden Kundenanruf aus dem Besprechungsraum befreien.

So sind nun mal Besprechungen. Eigentlich sollte man nicht hingehen, oder nur eine Besprechung für sich alleine einberufen. Manche Menschen sind auch so redebegabt, dass sie eine Besprechung nur mit eigenen Beiträgen gestalten können. Aber unsereiner erlebt bloß Konflikte. Das beginnt schon vorher, am Morgen. Wenn ich nur an die Besprechung und meinen Erzfeind denke, steigt mein Adrenalinpegel, der Puls beginnt zu rasen, Schweiß bricht aus. Doch „cool down“ ist leichter gesagt als getan. Worum geht es, was ist das Thema? Und muss ich mich wirklich so hineinsteigern? Noch hat mein Erzfeind ja nicht den Mund aufgemacht. Also ruhig Blut!

Was sagt er da gerade? In der Nachbarabteilung würde ein Abteilungsleiterposten frei, und ob mich das nicht interessiere? Blödmann, natürlich interessiert mich das, brennend sogar! Der will mir wohl eine Falle stellen. So leicht lasse ich mich nicht reinlegen. Worum es ihm wohl wirklich geht? Sicher will er einfach mehr Macht, mich ausbooten. Übrigens, so fährt er fort, wären wir dann für unser Geschäft strategisch besser aufgestellt, wenn unsere beiden Bereiche vereinigt würden: „One face to the customer“. So ein Affe, das wusste ich doch schon längst! Sollte das wirklich sein vorherrschendes Interesse sein? Ich mache einen Vorschlag, wie wir beide Ideen umsetzen könnten. Er bringt eine Variante. Nach kurzer Zeit haben wir ein Konzept, der Chef nickt, der Chefchef nickt. Ende der Besprechung. So schlimm sind Besprechungen ja gar nicht, wenn wir nur die Konflikte vernünftig bearbeiten. Ich freue mich schon auf die nächste.

Dazu im Management-Handbuch

Ähnliche Artikel

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
OK