Gute FührungFührung als Kunsthandwerk

Schwache Führungskräfte erzeugen starke Wirkungen. Negative. Ein neues Führungsverständnis muss her!

Es ist nun mal so: Die schwache Kraft hat starke Wirkungen. Sie sorgt dafür, dass Atomkerne auseinander fallen. Sie ist beteiligt, wenn Radioaktivität entsteht. Sie ermöglicht, dass Teilchen sich umwandeln: vom Neutron zum Proton, vom Elektron zum Elektron-Neutrino. Mit anderen Worten sorgt sie ganz schön für Unruhe. Wir sollten also die schwache Führungskraft fürchten, denn auch sie hat starke Wirkungen. Leider negative. Sie sorgt für Unruhe in der Mitarbeiterwelt, sie bewirkt, dass Teams auseinander fallen. Sie ist beteiligt, wenn Gerüchte entstehen. Sie verursacht, dass Mitarbeiter sich ändern: Aus Interessierten werden Gleichgültige, aus Motivierten werden Demotivierte, aus Leistungsträgern werden Leistungsverweigerer.

Was wir brauchen, ist die starke, die gute, besser noch: die perfekte Führungskraft. Das Bessere ist der Feind des Guten, und wer würde sich mit der zweitbesten Führungskraft zufrieden geben? Wenn etwa die zweitbeste schon die schwache Kraft wäre? Überhaupt: Wer könnte besser führen als die perfekte Führungskraft? Also machen wir uns auf die Suche. Doch nach welchen Kriterien sollten wir auswählen? Da gibt es zum Beispiel die Handwerker, besonders geschätzt mit dem Zusatz „solide“ oder „ehrlich“. Klingt schon mal vielversprechend. Welche Führungskraft sollte nicht solide und ehrlich sein? Es passt auch gut, dass das Fundament eines Handwerkers seine Ausbildung ist. Eine gründliche Lehre aus grundlegender Theorie und sehr viel Praxis. Andererseits: Ein Handwerker fertigt sein Produkt häufig in Einzelarbeit, auf Bestellung oder Nachfrage, auf jeden Fall nach Vorgaben. Wo bleibt da eigenständiges, verantwortliches Handeln? Wie sieht es mit Kommunikation und Zusammenarbeit, wie mit Kreativität aus? Wird die Führungskraft als Handwerker neue Wege gehen? Ungelöste Fragen.

Bevor wir uns voreilig festlegen, untersuchen wir lieber eine andere Art Führungskraft – die „geborene Führungskraft“, sozusagen die Künstlerin unter den Führungskräften. Ist die nicht ideal? Paul Cezanne, ein Künstler par excellence, meinte, die Künstlerin sei ein „Aufnahmeorgan, ein Registrierapparat für Sinnesempfindungen, aber, weiß Gott, ein gutes, empfindliches, wenn auch kompliziertes, besonders im Vergleich zu den anderen Menschen.” Registrierapparat für Sinnesempfindungen – das ist Empathie in Perfektion! Empfindlich – das heißt sensibel und mitfühlend. Kompliziert – das bedeutet nachdenken, abwägen, nicht einfach simpel agierend. All das ist doch optimal für die Führung von Mitarbeitern. Wir brauchen die Künstlerin als Führungskraft!

Doch Cezanne schränkte seine hohe Meinung von der Künstlerin letztlich wieder ein: „Aber wenn sie dazwischen kommt, wenn sie es wagt, die Erbärmliche, sich willentlich einzumischen, dann bringt sie nur ihre Bedeutungslosigkeit hinein, das Werk wird minderwertig.“ Das aber wollen wir gewiss nicht. Was nun? Weitsichtige Coaches und Managementberater sollen in Zusammenarbeit mit kreativen und zukunftsorientierten Führungstrainern schon eine Lösung für das Problem gefunden haben. Sie liegt in der Synthese und heißt „Kunsthandwerker“. Weil die genannten künstlerischen Fähigkeiten die Basis, aber schwer erlernbar sind, schlagen sie vor, mit geeigneten Diagnosemethoden diejenigen als Führungskräfte auszuwählen, die diese Basis mitbringen. Darauf wollen sie dann eine solide handwerkliche Ausbildung mit Training, Coaching und “learning by doing” setzen. Die Produkte der Führungskraft als Kunsthandwerker wären dann handwerklich solide Führungsarbeit, die einfühlsam, eigenständig und nach Bedarf auch nach eigenen Entwürfen in höchster Qualität erbracht werden. Einen Versuch ist es Wert.

Dazu im Management-Handbuch

Ähnliche Artikel

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
OK