Gute FührungGlaubenskrieg

Motivieren zerstört Motivation. Oder etwa nicht?

Es ist schon merkwürdig: Die Kunst der Motivierung hat in unserer Zeit anscheinend kaum noch einen Stellenwert. Bis in die 80er Jahre des vorherigen Jahrhunderts – in der Zeit vor Reinhard K. Sprenger – gab es noch Unternehmen, in denen Führungskräfte tagein tagaus durch Büros und Fertigungshallen marschierten, freundlich die Mitarbeiter begrüßten, sich nach deren Wohlergehen und dem der Familie erkundigten und manchen gar einen 50-DM-Schein in die Hand drückten, weil sie mit ihrer Leistung zufrieden waren: Das waren noch Motivationskünstler ...

Doch dann kündigte Reinhard K. Sprenger seinen Job und schrieb sein berühmtes Werk „Mythos Motivation“. Wurde er etwa falsch motiviert oder wollte er sich einfach nur selbst verwirklichen? Seither jedenfalls ist der Glaubenskrieg um die rechte Motivation voll entbrannt. Auf der einen Seite die Rechtgläubigen, die meinen, alles Motivieren zerstöre die Motivation. Folglich verzichten sie auf Anerkennung, Lob, Belohnung oder andere Anzünder. Sie verlangen, dass sich Mitarbeiter von selbst motivieren oder einfach nur Spaß an der Sache empfinden. Als Führungskraft müsse man nur das vermeiden, was die vorhandene Motivation behindere. Die Folge: Sie tun nichts. Wer als Führungskraft gar in den Prozess der Selbstmotivierung eingreife, der sei ein Ketzer und werde die bitteren Früchte seines Unglaubens in Form von Demotivation der Mitarbeiter ernten.

Doch trotz aller auch publizistisch unterstützter Kreuzzüge gegen die Motivierung: Ein paar Motivationskünstler scheint es noch zu geben. Zum Bespiel Herrn Perez. Der hat einen Angestellten namens Ronaldo, der für seine Alltagsarbeit permanent gelobt wird, und dafür rund zehn Millionen Euro im Jahr erhält. Seiner Motivation tut das aber offensichtlich keinen Abbruch, denn er hat viel Spaß und schoss in 149 Spielen für seinen Arbeitgeber 150 Tore. Doch hatte sich nicht jener Christiano Ronaldo gerade beklagt, er werde zu wenig wertgeschätzt? Prompt bot ihm sein Chef eine Gehaltsteigerung von sechzig Prozent an. Führt das zur Demotivation? Wird Ronaldo den Spaß am Fußballspielen verlieren? Sehr unwahrscheinlich. Er selbst sagt, seine Trauer habe nichts mit Geld zu tun. Sein Chef will ihn nun auch durch stärkere persönliche Unterstützung mehr wertschätzen.

Herr Perez gehört also nicht zu der „Motivieren-zerstört-Motivation“-Sekte. Und glücklicherweise gibt es auch heute noch zahlreiche Unternehmen, die nach alter Schule motivieren: mit guter Bezahlung, Karrierechancen, Unterstützung bei Weiterbildung und persönlicher Entwicklung und Wertschätzung. Das Schöne daran: Sie werden von Mitarbeitern gesucht, gefunden und ebenfalls wertgeschätzt. 

Dazu im Management-Handbuch

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