Gute FührungImmer sachlich bleiben

Wenn Chefs Kritik üben, sollten sie das unter vier Augen und auf sachliche Weise tun.

Es soll ja Leute geben, die unheimlich souverän mit Beleidigungen umgehen können. Nur zur Erinnerung: Eine Beleidigung ist definiert als eine Aussage oder ein Verhalten, wodurch das Selbstwertgefühl beziehungsweise die Würde einer Person angegriffen und herabgewürdigt wird. Gerade neulich hat sich mein Chef in einer gemeinsamen Besprechung mit einem Kunden mir gegenüber wieder so etwas geleistet. Er hat wörtlich – vor dem Kunden – zu mir gesagt: „Mensch, Sie sind vielleicht eine Pfeife!“ Und das nur, weil ich dem Kunden aus Versehen einen zu hohen Preis genannt hatte. Am liebsten hätte ich zurückgeschossen, mit einem Zitat frei nach Joschka Fischer: „Mit Verlaub, Herr …, Sie sind ein Arschloch!“ Aber natürlich habe ich mich nicht getraut.

Ein Psychologe hat mir unlängst in einem Training nahegelegt, auf derartige Anwürfe mit „Ich empfinde Ihre Aussage wirklich als verletzend“ oder mit „es macht mich traurig, dass Sie so etwas sagen“ zu reagieren. Aber das würde mir doch zu weinerlich klingen. Deshalb habe ich einfach gar nichts gesagt. Wahrscheinlich war das in der Situation auch richtig. Aber kann ich ihm das einfach so durchgehen lassen? Nein. Er soll wissen, dass er mich maßlos geärgert hat, dass ich stinksauer war. Nur, was sollte ich zu ihm sagen? Und wie sollte ich es sagen, damit es ankommt und er es sich zu Herzen nimmt?

Eines ist mir klar: Ich sollte das Thema sicher nur dann ansprechen, wenn wir allein sind. Ich erinnere mich noch gut, wie der Kunde gegrinst hat, als mein Chef das mit der Pfeife sagte. Das hat mich noch zusätzlich geärgert. So etwas sollte ich bei ihm vermeiden, denn wenn mein Chef vor Zeugen angegangen wird, dann schlägt er gleich zurück. Wahrscheinlich ist es nicht sonderlich effektiv, ihn auf der persönlichen Ebene anzugehen, ihn möglicherweise zu beleidigen. Ich sollte also sachlich argumentieren. Am besten zitiere ich wörtlich, was konkret vorgefallen ist. Er hat mich „Pfeife“ genannt. Und er sollte auch wissen, dass mich das tierisch geärgert hat. Natürlich akzeptiere ich, dass er mich kritisiert. Aber wenn er schon mal was zu meckern hat, dann sollte er mir das unter vier Augen sagen. Er sollte mir konkret sagen, was ihm missfällt, dann nämlich kann ich auch nachvollziehen und verstehen, dass er sich darüber geärgert hat.

Das ist es doch! Genau so werde ich es ihm sagen: unter vier Augen, sachlich, mit Zitaten, wie das auf mich gewirkt hat und was ich mir für die Zukunft wünsche. Mal sehen, was er dazu sagt. Eigentlich kann er nur konstruktiv reagieren.

Dazu im Management-Handbuch

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