Gute FührungZuhören ist Arbeit

Von wegen „alles klar“. Zuhören heißt mitdenken, Interesse zeigen, Blickkontakt halten und Gesagtes zusammenfassen. Aktiv sein eben.

Wer hat sich noch nicht in den Traum eines entspannten, sorgenfreien und sicheren Lebens verloren wie der berühmte Romanheld Ilja Iljitsch Oblomow? Wäre es nicht toll, wenn die Dinge um einen herum funktionierten, weil alles geregelt ist und ohne unser Zutun abläuft? Wenn Führungskräfte wirklich führen würden? Wäre es nicht traumhaft, keine Verantwortung dafür zu haben, dass wichtige Informationen bei einem ankommen und dass man sie auch versteht? Schließlich sollten die, die etwas zu sagen haben, uns doch kennen und ihre Anliegen optimal auf uns abgestimmt präsentieren. Ein herrlicher Gedanke.

Aktiv sein! Initiative! Verantwortung! Plötzlich reißt mich mein schlechtes Gewissen aus dem Traum. Aktiv sein! Da war doch was. Beginnt das nicht schon beim Zuhören? Nein, zuhören, das ist für mich vor allem das entspannte Sich-Hingeben an wunderschöne Musik, einem interessanten Hörspiel lauschen. Meine Gedanken wandern, phantastische Bilder entstehen im Kopf, berauschende Gefühle kommen auf. Das ist aktiv. Aber nein, nun wird mir wieder klar: Aktiv zuhören meint verstehen wollen, was der Andere sagt, mitdenken. Das sei notwendig, wurde mir gesagt, denn ein Sender präsentiere sein Anliegen in der Regel eben nicht optimal auf uns abgestimmt. Wir hätten Mitverantwortung für das Gelingen der Kommunikation. Klingt anstrengend.

Ich soll dem Anderen signalisieren, dass ich zuhöre und an seinem Thema interessiert bin, und immer Blickkontakt halten. Fragen stellen soll ich, und Interpretationsspielräume abklären. Doch warum zum Teufel drückt er sich nicht von Anfang an klar und unmissverständlich aus? Die Sprache, so sagt man mir, sei nun mal so, Eindeutigkeit eine Illusion. Ich will aber keine sinnlosen, inhaltsleeren Fragen stellen, und die möglichen Interpretationsspielräume muss ich erst mal registrieren. Also, volle Konzentration: verstehen wollen, mitdenken.

Dann braucht der Sender von mir noch ein Feedback, dass ich ihn richtig verstanden habe. Ich sage: alles klar. Aber schon zweifle ich. Was ist, wenn ich die Botschaft falsch verstanden habe? Dann gehen wir beide auseinander in dem Irrglauben, dass alles gesagt und verstanden sei. Da ist es dann doch besser, das Gehörte mit eigenen Worten zusammenzufassen. Ich habe meine Lektion gelernt: Zuhören ist nichts als Arbeit, Arbeit, Arbeit. Ach, das entspannte, verantwortungsfreie Vor-sich-hin-Dösen des Ilja Iljitsch Oblomow, es bleibt ein eitler Wahn!

Dazu im Management-Handbuch

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